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Nach Norden ohne Rückfahrkarte

Greifswald Nach Norden ohne Rückfahrkarte

Lange musste man nicht rätseln, warum das letzte Konzert des diesjährigen Greifswalder „Nordischen Klangs“ das so ungewöhnliche wie zutreffende Motto „Nach Norden ...

Greifswald. Lange musste man nicht rätseln, warum das letzte Konzert des diesjährigen Greifswalder „Nordischen Klangs“ das so ungewöhnliche wie zutreffende Motto „Nach Norden ohne Rückfahrkarte“ trug: Am vergangenen Sonntag wurde es allen Konzertbesuchern in Greifswald klar. – Friedrich Kuhlau (1786-1832), geboren in Ülzen, starb als Däne in Kopenhagen und der Miltenberger Joseph Martin Kraus (1756-1792) als schwedischer Hofkapellmeister in Stockholm, während Fredrik Pacius (1809-1891), Hamburger von Geburt, das finnische Musikleben in Helsinki prägte.

Solche deutsch-nordischen Beziehungen – ein für das 18. und 19. Jahrhundert wichtiges musikhistorisches Faktum – hatte das Greifswalder Universitätssinfonieorchester unter Universitätsmusikdirektor Harald Braun einen Teil seiner Sommersemesterarbeit gewidmet und sie am Sonntag in Greifswalds Kirche St. Jacobi vorgestellt: in repräsentativer sinfonischer Besetzung, hörbar engagiert und auf besondere gestalterische Anforderungen gut vorbereitet.

Das galt für Kuhlaus einst hochgeschätzte Ouvertüre zum Schauspiel „Elverhøj“ (Elfenhügel), die als Beispiel spätklassisch-frühromantischer Tonsprache alle Merkmale kontrastgeschärfter sinfonischer Arbeit trug. Und es galt – mit der kleinen Einschränkung, dass vier langsame Sätze (!) gestalterisch, spieltechnisch und klanglich auf spezifische Weise „durchzuhalten“ sind – für die „Symphonie funèbre“ c-Moll von Kraus, die als Epitaph auf den Tod Gustavs III. in der die bemerkenswerte individuelle Handschrift ihres Schöpfers dennoch einfühlsam verdeutlicht werden konnte.

Keine Einschränkung dann bei Pacius. Sein einsätziges fis-Moll-Violinkonzert (1845/

1867) – eine deutsche Erstaufführung – war d i e Entdeckung des Abends und sein Höhepunkt: ein kompositorisch starkes, hochromantisches und in jeder Hinsicht anspruchsvolles Stück, vom Orchester mit viel geschmeidigem Drive musiziert und von Mika Seifert, dem Konzertmeister der Vorpommerschen Philharmoniker – souverän vermittelt. Das waren wahrlich und wahrhaftig unerwartete 25 Minuten voll Spannung und inspirierender Musizierfreude.

OZ

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