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Kultur Nach der Wahl: Warum die Welt auf MV blickt
Nachrichten Kultur Nach der Wahl: Warum die Welt auf MV blickt
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00:00 08.09.2016

Voll Neid blickt man dieser Tage von Schleswig-Holstein auf Mecklenburg-Vorpommern. Die Landtagswahl im schönen kleinen nordöstlichen Bundesland scheint weltpolitische Auswirkungen zu haben. Allen großen internationalen Medien – von der New York Times über den Londoner Guardian bis zum arabischen Nachrichtenkanal Al Jazeera – ist es einen Kommentar wert, dass Lorenz Caffier nur noch 19 Prozent, Erwin Sellering dagegen stolze 30,6 Prozent der Stimmen gewann. So viel mediale Aufmerksamkeit haben wir in Schleswig-Holstein noch nie bekommen.

Zur Person: Theaterdirektor Christian Schwandt

Unser Autor Christian Schwandt (53) ist seit 2007 Theaterdirektor in Lübeck. Zuvor lebte er seit 1990 in Ostmecklenburg und war 2003 bis 2007 Geschäftsführer der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz. Schwandt ist mit der Dirigentin Romely Pfund, ehemals Chefdirigentin und Operndirektorin in Neubrandenburg/Neustrelitz, verheiratet und hat zwei Kinder.

Aber die Kommentatoren haben recht, und es ist nicht nur wegen der AfD. Was auf den ersten Blick überraschend, für manche sogar komisch wirkt, hat Hintergründe: Mecklenburg-Vorpommern ist das geheime Zentrum der Macht in Europa. Die Bundesrepublik wird von mecklenburg-vorpommerschen Politikern dominiert. Erster Mann im Staat: Joachim Gauck aus Wustrow. Mächtigste Frau der Welt: Angela Merkel, Wahlkreis in Stralsund. Oppositionsführer im Deutschen Bundestag: Dietmar Bartsch, Wahlkreis in Ludwigslust-Parchim. Aufstrebendes Talent der SPD: Manuela Schwesig aus Schwerin. Wichtigster Minister in Zeiten großer Fluchtbewegungen: Innenminister Thomas de Maizière, einst Staatssekretär und Staatskanzleichef in Schwerin. Mehr politische Macht kam seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland aus keinem Bundesland.

Insidern war die besondere Bedeutung Mecklenburg-Vorpommerns immer klar. Langsam erkennt auch der Rest der Welt, dass die wahren Talente hier geschult werden. Auch die deutschen kulturellen Eliten.

Der neue Direktor der Bayreuther Festspiele ist Holger von Berg, Anfang der 90er Jahre am Theater Neustrelitz engagiert. Der Intendant der Berliner Volksbühne und prägende Theaterkünstler der letzten 25 Jahre: Frank Castorf, ehemals Oberspielleiter in Anklam. Christoph Schroth, der legendäre Regisseur des Schweriner Staatstheaters, leitete in den 90er Jahren, als Berlin sich zur europäischen Kulturmetropole entwickelte, das Berliner Ensemble. Thomas Fehrle vom Theater Greifswald/Stralsund ist heute Chef der Deutschen Oper Berlin. Gleich nebenan das Konzerthaus am Gendarmenmarkt leitet Sebastian Nordmann, ehemals Intendant der Festspiele MV. Christoph Dammann, früher Theater Neustrelitz, führte als Intendant die Opernhäuser in Köln und Lissabon.

Dies sind nur die bedeutendsten. Sie alle haben leider das Land verlassen. Es ist nicht nur kommunal- und landespolitisches Klein-Klein, wenn die Kultur in MV zurückgestutzt wird und man zivilisatorische Errungenschaften preisgibt. Die Welt blickt auf MV! Ob das den politischen Akteuren in Schwerin immer bewusst ist?

Christian Schwandt

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