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Natascha Wodin - Neue Trägerin des Leipziger Buchpreises

Porträt Natascha Wodin - Neue Trägerin des Leipziger Buchpreises

Die lebt in Berlin und Mecklenburg. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Für das Manuskript zu der jetzt ausgezeichneten Geschichte ihrer Mutter erhielt sie 2015 bereits den Alfred-Döblin-Preis.

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Gratulation, Natascha Wodin.

Quelle: Hendrik Schmidt

Leipzig. Natascha Wodin war zehn, ihre Schwester gerade erst vier, als die Mutter in den Fluss ging. Die schmerzhafte Suche nach den Spuren dieser Mutter hat der 71-jährigen Autorin jetzt den Preis der Leipziger Buchmesse eingebracht.

Für ihren Roman „Sie kam aus Mariupol“ erhielt sie am Donnerstag als erste Frau seit Sibylle Lewitscharoff („Apostoloff“) vor acht Jahren die begehrte Auszeichnung.

Natascha Wodin wurde als Kind verschleppter ukrainisch-russischer Zwangsarbeiter im fränkischen Fürth geboren. Zunächst in Nachkriegslagern für „displaced persons“ aufgewachsen, kam sie nach dem Suizid der Mutter in ein katholisches Mädchenheim. „Ich wusste nur, dass ich zu einer Art Menschenunrat gehörte, zu irgendeinem Kehricht, der vom Krieg übriggeblieben war“, schreibt sie in ihrem Buch.

Sie wird obdachlos, schlägt sich als Telefonistin und Stenotypistin durch, bis sie Anfang der 70er Jahre eine Ausbildung als Übersetzerin macht. Sie gehört zu den ersten Dolmetschern, die nach Abschluss der Ostverträge für deutsche Firmen in die Sowjetunion reisen. Später übersetzt sie russische Literatur ins Deutsche, seit 1980 arbeitet sie als freie Schriftstellerin.

Wodin gilt als „Sängerin der dunklen Töne“. Ihre Themen sind Fremdheit, Entwurzelung und Außenseitertum - angefangen von ihrem autobiografischen Debüt „Die gläserne Stadt“ (1983) über „Einmal lebt ich“ (1989) und „Ehe“ (1997) bis jetzt zu „Mariupol“. In ihrem Roman „Nachtgeschwister“ (2009) verarbeitet sie ihre Ehe mit dem Schriftsteller Wolfgang Hilbig („ein achtjähriger mörderischer Zweikampf“). Ihr Roman „Alter, fremdes Land“ (2014) ist eine Auseinandersetzung mit dem Altwerden als Frau.

Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Für das Manuskript zu der jetzt ausgezeichneten Geschichte ihrer Mutter erhielt sie 2015 bereits den Alfred-Döblin-Preis. Mit dem Buch habe sie lange Versäumtes nachgeholt, sagte sie in einem Interview. „Von mir aus könnte jetzt Schluss sein.“

dpa

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