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Nazareth: Die Show geht weiter

Rostock Nazareth: Die Show geht weiter

In den Siebzigern gehörte Nazareth zu den fünf großen britischen Bands im Hardrock. Heute spielt die Band im Rostocker Mau-Club.

Rostock. Als die Band Nazareth sich 2013 nach einem neuen Sänger umschauen musste, war klar: Das wird schwierig. Damals hatte Nazareth-Sänger Dan McCafferty aus gesundheitlichen Gründen endgültig das Handtuch geworfen. Die Suche begann, die Band schaute sich im Internet zahlreiche potenzielle Kandidaten an. Und es gab nicht nur schöne Überraschungen, was die Bandmitglieder sehen konnten. Etwa, wenn es um die Interpretation des größten Nazareth-Hits ging. Denn: „Es gibt viele Arten, ,Love Hurts’ zu ermorden“, blickt Bassist Pete Agnew zurück.

Agnew ist heute das einzig verbliebene Nazareth-Gründungsmitglied, die schottische Band formierte sich 1969. Zu Pete Agnew gesellten sich damals Sänger Dan McCafferty, Gitarrist Manny Carlton und Schlagzeuger Darrell Sweet. Im Kern sollte diese Formation über 20 Jahre halten, sie schuf die maßgeblichen Nazareth-Alben und spielte ihre drei millionenfach gespielten Hits ein: „Love Hurts“, „This Flight Tonight“ und „Dream On“. Zwei von diesen Songs waren Balladen, eigentlich eher untypisch für eine Hardrock-Band, wie sie Nazareth am Anfang war und immer noch ist. Den Legendenstatuts hat sie jedenfalls erreicht.

Wenn es im Hardrock der siebziger Jahre eine Rangordnung gab, dann war sie etwa so: Zuerst Led Zeppelin, dann Deep Purple, Black Sabbath, danach Uriah Heep und schließlich Nazareth. In ihrer besten Zeit beeinflusste die Gruppe Nazareth viele nachfolgende Musikergenerationen. Unter anderem Guns ’N’ Roses und Metallica zählten Nazareth zu ihren Vorbildern. Die Legende berichtet auch, dass Gitarrist Ritchie Blackmore 1973 Nazareth-Sänger Dan McCafferty fragte, ob er denn bei Deep Purple als Ersatz für Ian Gillan einsteigen würde. Aber die Antwort war nein.

Die Band Nazareth blieb – ähnlich wie auch Led Zeppelin – eine verschworene Gemeinschaft von vier Freunden. Das blieb so, bis sich im Jahr 1990 Gitarrist Manny Carlton in den Ruhestand verabschiedete. Für ihn kam Billy Rankin und ab 1994 dann Jimmy Murrison, der bis heute im Team ist. Tragischer verlief der Wechsel am Schlagzeug: 1999 verstarb Originaldrummer Darrell Sweet, danach besetzte Lee Agnew diesen Posten, der Sohn vom Bassisten Pete Agnew. Zwischendurch hatte die Band auch einen Posten an den Keyboards zu besetzen: Von 1980 bis 1982 machte das John Locke und danach bis 2002 Ronnie Leahy.

Weitaus schwieriger war der Ausstieg von Sänger Dan McCafferty zu verkraften: 2013 ging es bei ihm gesundheitlich einfach nicht mehr. Die Suche begann, mit Linton Osborn fand die Band zwar kurzfristig einen Ersatzmann, war aber unzufrieden. 2015 also ein erneuter Wechsel am Mikrofon: Seitdem ist Sänger Carl Sentance in der Band.

So ein Personalkarussell ist symptomatisch für viele Bands der Siebziger, die heute noch aktiv sind. Auch Uriah Heep oder Deep Purple haben jeweils nur noch ein Originalmitglied in der Band. Sie leben von ihrem Repertoire, insbesondere von den alten Hits. Und so lange die Publikumsnachfrage vorhanden ist, gehen sie auf Tour. Sie bescherten dem Publikum manchmal Momente, wie sie in Rob Reiners Musikkomödie „This Is Spinal Tap“ (1982) zu sehen sind, die eine Rockband im Niedergang zeigt, aber im Grunde eine Liebeserklärung an die Rockmusik ist.

Auch Nazareth ist live immer noch gut gebucht. Das heute Classic Rock genannte Genre, also eigentlich die Rockmusik der Siebziger, hat ein mit den Musikern mitgealtertes und meist auch zahlungskräftiges Publikum. Bei den letzten beiden Nazareth-Konzerten in Rostock war ein Wandel zum Positiven zu erleben. Im Frühjahr 2012, innerhalb einer „Rock Legends“ genannten Veranstaltung im Rostocker Iga-Park, traten Nazareth im Paket mit Uriah Heep auf. Allerdings wurde die Performance damals durch die bereits stark angegriffene Stimme von Dan McCafferty schon eine etwas bedenkliche Angelegenheit.

Dann kam der Herbst 2014: Nazareth spielten im Rostocker Moya mit dem damals neuangestellten Sänger Linton Osborn, der zwar eine stimmliche Verbesserung darstellte, aber die Magie der Songs nicht so recht vermitteln konnte.

Man darf also gespannt sein, wie der heutige Auftritt im Rostocker Mau-Club ausfallen wird. Diesmal kommt Nazareth also mit Sänger Carl Sentance. Zu erwarten ist nicht nur der Backkatalog der Band, die älteren Songs, die nicht nur im Hardrock, sondern auch stark im Boogie und im Blues verwurzelt sind. Die Gruppe hat schließlich auch neue Alben aufgenommen – zuletzt im Jahr 2014 „Rock’n’Roll Telephone“.

Nazareth spielt heute im 20 Uhr

im Rostocker Mau-Club

Thorsten Czarkowski

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