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Kultur Aktfotografie: „So kennt ihr Günter Rössler noch nicht“
Nachrichten Kultur Aktfotografie: „So kennt ihr Günter Rössler noch nicht“
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06:00 13.02.2019
Günter Rössler, Britta 1963 Quelle: Günter Rössler
Markkleeberg/Berlin

Diese blauen Augen. Dieses Leuchten. Dieser schelmische Blick. Beim Gang von der Küche in den Wintergarten im Hause von Kirsten Schlegel im 780-Einwohner-Städtchen Markkleeberg im Landkreis Leipzig fällt das Porträt des Fotografen im Türrahmen auf. Das Gesicht von Günter Rössler (1926-2012) strahlt Mutterwitz und eine kindliche Lebensfreude aus. Ein Fotograf muss eine besondere Gabe besitzen, jungen Frauen das Vertrauen zu geben, sich in den derart natürlichen, schutzlosen Posen zu zeigen, wie es auf den Aktfotos von Günter Rössler zu sehen ist. Dieser weltweit anerkannte ostdeutsche Fotograf wird gern als Aktfotograf der DDR wahrgenommen. Seine Witwe Kirsten Schlegel, seit 2012 Verwalterin seines fotografischen Erbes, sagt, dass da weit mehr ist.

Rösslers Bilder berühren noch heute

Günter Rössler begann seine Karriere in den 50er Jahren Fotoreporter. Später kam Mode für Zeitschriften wie „Sibylle“ oder „Modische Maschen“ hinzu. Erst mit den 60er Jahren begann Rösslers Weg als Aktfotograf und Pionier dieses Genres in der DDR. Auch mit seinen Fotos für „Das Magazin“. Das Besondere an seiner Fotografie ist das zeitlos Klassische seiner Ästhetik. Kirsten Schlegel sagt: „Günter hat sich nie von der DDR-Ästhetik vereinnahmen lassen. Seine Bilder berühren den Betrachter auch heute noch.“ Seit seinem Tod im Jahr 2012 würden Anfragen und Interesse an seiner Arbeit zunehmen.

14 Bilder aus dem Werk und aus dem Leben des Fotografen Günter Rössler (1926-2012)

Bis zur Wende wurde Rössler in Leipzig, Grimma, Ahrenshoop, Cottbus, Dresden oder Brno (Tschechien) ausgestellt. Noch zu Lebzeiten hatte Rössler eine Ausstellung im Leipziger Grassi-Museum (1998) und war 2008 in der Ausstellung „Nackt und Natürlich“ mit Malern wie Sabine Curio, Susanne Klandt-Horn und Otto Niemeyer-Holstein zu sehen. Nach der Wiedervereinigung gab es Akt-Ausstellungen im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig (2006), im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin (2007). Im Jahr 2009 war Rösslers einer von 13 Künstlern der OZ-Kunstbörse. Im Todesjahr 2012 gab es noch eine Ausstellung im Kunstverein Bissendorf. Dann kehrte Ruhe ein. Auch Kirsten Schlegel musste sich finden. Nach dem Tod ihres Mannes hatte die damals 43-Jährige erstmal Mühe, alles zu wuppen. „Anfangs dachte ich, das mich das erschlägt. Ich dachte, das pack ich nicht.“ Sie hat es gepackt. „Aus heutiger Sicht, weil mir Günter sein Lebenswerk übertragen hat, steck ich in seiner Gedankenwelt drin. Das hat sich alles gut gefügt. Das würde ich mir bei keinem anderen Fotografen zutrauen.“

Renaissance der Rösslerschen Aktfotografie

Schlegel sortiert und sichtet mit ihrem zweiten Ehemann gemeinsam den Nachlass – ein enormes Konvolut an Bildern, Dias und Negativen – editiert, gibt Kalender heraus, organisiert Ausstellungen. Ihr Credo: „Ich möchte das weiterführen, Günter Rösslers Bilder in die Welt hinaustragen und erreichen, dass sich Menschen daran erfreuen und sich seine Bilder zu Hause aufhängen.“ Den Startschuss für eine Renaissance der Rösslerschen Aktfotografie gab 2015 eine Ausstellung im Schloss Lichtenwalde. Der Titel „Genialität des Augenblicks“ bezieht sich auf den gleichnamigen biographischen Film des Regisseurs Fred R. Willitzkat. 2018 stellte Schlegel erneut unter diesem Titel in der Kühlungsborner Kunsthalle aus. Am 14. Februar zeigen die Capitis Studios des Fotografen Anatol Kotte in Berlin Rösslers Arbeiten unter dem Titel „Akt und Mode – Fotografie aus vier Jahrzehnten“. Eine Schau für 2020 in Zürich ist in Planung. Die Berliner Ausstellung zeigt den bildnerischen Lebensweg eines Fotografen vom Ostblock in die Welt, vom Magazin bis zum Playboy, von der Reportage bis zum Akt, vom Bergwerk auf die Laufstege. Rössler hat die deutsche Fotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt, er fotografierte Menschen auf der Straße, bei der Arbeit und er zeigte, was sie trugen oder anziehen könnten. Er fotografierte die schönen Mädchen der DDR. Ein Leipziger Künstler (Jahrgang 1960) sagt über Rössler: „Aus meiner Schule waren die Karin, die Conny und die Kathrin dabei.“ Drei junge Frauen aus Leipzig. Dabei war der Kosmos der Rösslerschen Models nicht so groß.

Die Aktfotografie kam erst viel später

Kirsten Schlegel lernte Rössler mit 14 Jahren kenn. Sie erinnert sich, damals mit einer Freundin zum Shoppen durch Leipzig geschlendert zu sein. „Na ja, eher Nase platt drücken am Schaufenster vom Exquisit-Laden“, lacht sie. Dort wurde sie von einer wunderschönen, farbigen Verkäuferin angesprochen, ob sie nicht Lust hätte, als Fotomodel zu arbeiten. „Ich war viel zu schüchtern und lehnte ab“, sagt sie heute. Aber ihre Adresse hatte sie herausgegeben. Kurze Zeit später trudelte im Elternhaus ein Telegramm von Rössler ein, ob sie an Probeaufnahmen interessiert sei. Nach einigem Hin und Her fuhr sie der Papa ins Atelier. Über Jahre arbeitete Schlegel als Model für Modeaufnahmen. Heute sagt sie: „Die Aktfotografie kam viel später so mit 19, 20 Jahren. Bei Günter ging alle Fotografie immer erst mal von der Mode aus.“ Schlegel studierte Betriebswirtschaftslehre und freundete sich mit Rössler und seiner Familie an und übernahm zunehmend Aufgaben als Assistentin auch hinter der Kamera. Später heirateten sie und 2003 kam Tochter Philine-Lina zur Welt. „Ich sehe jetzt, wie meine Tochter langsam in die Arbeit ihres Vaters eintaucht“, sagt Kirsten Schlegel. Günter Rösler, so sagt sie, sei ein bescheidener Mensch gewesen. Aber seine Arbeit habe er schon gern gezeigt: „Er hat gern ausgestellt.“

Und dieses Werk möchte Kirsten Schlegel fortführen. „Es gibt im Archiv noch so viel Unveröffentlichtes. Allein aus der Zeit der Sibylle-Ära in den 60er und 70er Jahren. Das möchte ich den Menschen zeigen. Und ihr werdet sehen: So kennt ihr Günter Rössler noch nicht.“

Ausstellung in Berlin

Die Ausstellung „Akte und Mode – Fotografie aus vier Jahrzehnten“ mit Arbeiten des Fotografen Günter Rössler (1926-2012) eröffnet am Donnerstag, 14. Februar, um 19 Uhr in den Capitis Studios, Kronenstraße 71 Berlin. Die Ausstellung läuft bis zum 28. April 2019. Zur Eröffnung sprechen Dr. Fred R. Willitzkat, Regisseur und Filmemacher der filmischen Biographie „Die Genialität des Augenblicks – Der Fotograf Günter Rössler” aus dem Jahr 2012, sowie Renate Stephan, ehemaliges Modell von Günter Rössler.

Michael Meyer

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