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Neuer Glanz für Barther Papenhof

Barth Neuer Glanz für Barther Papenhof

Im 500 Jahre alten Gemäuer können Besucher künftig auf den Spuren der Vergangenheit wandeln. Das Kleinod, in das das Stadtmuseum zieht, wird für mehr als drei Millionen Euro saniert.

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Dokumentiert 500 Jahre Stadt- und Baugeschichte: Bauhistoriker Torsten Rütz. Fotos (3): Dietmar Lilienthal; Skizzen (2): Architekturbüro Johannsen und Partner

Barth. Sich in einem 500 Jahre alten Haus auf die Spuren der Vergangenheit begeben und diese wieder aufleben lassen – dazu sollen Besucher in Barth in Zukunft die Gelegenheit haben. Und zwar hinter den Mauern des Papenhofes – aller Voraussicht nach dem einzig erhalten gebliebenen Haus einer Kalandsbruderschaft (einem Zusammenschluss wohlhabender Bürger) im Land. Das Kleinod soll saniert werden und mit einem Anbau versehen künftig das städtische Museum beherbergen.

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Im 500 Jahre alten Gemäuer können Besucher künftig auf den Spuren der Vergangenheit wandeln. Das Kleinod, in das das Stadtmuseum zieht, wird für mehr als drei Millionen Euro saniert.

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„Wir wollen ein Fenster in die Vergangenheit öffnen, durch alle Jahrhunderte hinweg und mit Originalsubstanz Geschichte und Geschichten entwickeln“, sagt Gerd Albrecht, Leiter des Barther Vineta-Museums. Und davon bietet das Haus so einige. „1388 wurde ein Papenhof das erste Mal urkundlich erwähnt, sicher wissen wir von seiner Existenz erst ab 1480“, sagt Albrecht und deutet auf die Mauern unterhalb des Giebels, die noch von dieser Zeit zeugen.

Von Anfang an hatte ihn das Bauwerk – laut Albrecht einer der ältesten erhaltenen Profanbauten zwischen Rostock und Stralsund – in seinen Bann geschlagen. Dass es noch steht, verdankt es Barther Bürgern. Denn: Der Besitzer, die Stadt, habe zunächst Schwierigkeiten gehabt, das Gebäude als Baudenkmal zu erkennen. „Es sah aus wie ein Wohnblock aus den 50er Jahren. Wegen des schlechten Zustandes wollte die Stadt es abreißen lassen“, erinnert sich Albrecht.

Dass es nicht dazu gekommen ist, verhinderte eine Bürgerinitiative von 2001, aus der sich 2012 ein Förderverein gegründet hat – auch Albrecht sitzt dort im Vorstand. Gemeinsam mit der Stadt hat der Förderverein erste Nutzungsideen für den Papenhof entwickelt. Diese sehen neben dem geplanten Museum vor, dass sich der Papenhof in die „Barther Kulturmeile“ einreihen soll, die auch die Marienkirche, die ehemalige Reuterschule, das Dammtor und die ehemalige Schlossanlage (Adliges Fräuleinstift) umfassen soll. „Neben der Kirche ist der Papenhof das älteste und wichtigste Gebäude der Stadt“, sagt Manfred Kubitz, Bauamtsleiter und stellvertretender Bürgermeister der Stadt.

Auch Torsten Rütz ist begeistert. „Das Haus ist nicht nur eine Hülle für museale Stücke, es ist auch selbst Ausstellungsstück, weil es 500 Jahre Stadt- und Baugeschichte illustriert“, sagt der Bauhistoriker. Seit 2013 nimmt er das Kleinod genau unter die Lupe, hämmert vorsichtig den Putz ab, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Er kartiert jedes Detail, um die Geschichte des Hauses, die fünf Umbauphasen umfasst, später für die Besucher sichtbar zu machen. „Ich habe selten Objekte gesehen, die so reich und schön an Originalbefunden waren“, sagt Rütz begeistert.

Den ältesten Befund bildet eine mittelalterliche Rankenmalerei, aus der Umbauphase in der Renaissance stammen weitere Malereien, ein Kamin und Teile einer Fensterzarge von 1585 sind erhalten geblieben. Auch Modernisierungsmaßnahmen des Barock und Klassizismus hat Rütz dokumentiert. Alle Fundstücke, darunter Decken- und Wandmalerei sollen erhalten und teilweise rekonstruiert werden. „Sie so zu präsentieren, dass ein Laie sie versteht und als Teil unserer Geschichte begreift, ist die Herausforderung“, sagt Albrecht.

Gemeinsam mit Spezialisten soll nun ein geeignetes Konzept entwickelt werden. Ideen gibt es reichlich: Auf zwei Etagen sollen die Besucher künftig auf verschiedenen Pfaden durch das Haus wandeln. „Es wird einen Architekturpfad, einen Familien- und Kinderpfad und einen Geschichtspfad geben“, sagt Albrecht. Letzterer soll Inhalte zu den Persönlichkeiten vermitteln, die einst im Papenhof gelebt haben. Auch der mehr als 3000 Quadratmeter große Garten soll wieder aufblühen. Im Dachgeschoss sollen künftig Sonderausstellungen gezeigt werden. „Dort können wir endlich auch empfindliche Exponate ausstellen, für die wir bisher den musealen Standard nicht erfüllen konnten“, sagt Albrecht.

Als Funktionsgebäude ist ein Anbau mit Foyer, Museumsshop, Sanitäranlagen, Aufzügen und Lager vorgesehen. „Das Hamburger Architekturbüro Johannsen und Partner hat sich bewusst für einen modernen Baukörper entschieden, um den Papenhof als Solitär zu erhalten“, sagt Albrecht. Mit gläsernen Bauteilen solle dieser behutsam mit dem Anbau verbunden werden. „So können die Besucher die alte Fachwerkfassade von 1585 von innen und außen sehen.“

Das hat seinen Preis: Rund 340000 Euro sind bisher laut Albrecht in Sicherungsmaßnahmen, restauratorische Untersuchung und Bauforschung geflossen. Die weiteren Kosten für Sanierung, Restaurierung von Fassaden und Innenraum, Erneuerung des Daches sowie den Anbau beziffert er auf 3,2 Millionen Euro. 630000 Euro hat die Stadt, die bisher mit Mitteln aus dem Kulturfonds des Bundes und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt wurde, beim Förderprogramm der europäischen Union „Leader“ beantragt. „Stadt und Förderverein arbeiten hart daran, die verbleibenden Millionen über Europäische Fördermittel, Bundes- und Landesmittel sowie weitere Stiftungen zu akquirieren“,  sagt Albrecht. „Wann wir das Geld zusammenhaben, lässt sich noch nicht sagen.“ Aber: Der Bauantrag für 

Sanierung und Anbau sei Anfang Mai eingereicht worden. „Wir rechnen damit, dass es im August  mit den Ausschreibungen losgehen kann.“

Vineta-Museum Barth: Nach Papenhof-Umbau folgt Umzug

Das städtische Museum von Barth, das Vineta-Museum, ist zurzeit in der Langen Straße 16 beheimatet. Aktuell wird dort die Ausstellung „Ferdinand Jühlke (1815-1893) – Vom Pommerschen Krummstiel bis Sanssouci – Teil II“ gezeigt. Diese ist noch bis zum 7. November zu sehen. Sobald der Papenhof restauriert ist, soll das Museum umziehen-

Eine Bürgerinitiative verhinderte 2001, dass das historische Gebäude des Papenhofes von 1480 abgerissen wird. Aus dieser Initiative heraus gründete sich im Jahr 2012 schließlich ein Förderverein, der sich seitdem für die Sanierung und Nutzung des Papenhofes einsetzt.

Mehr als drei Millionen Euro sollen in die Sanierung und Restaurierung des Papenhofes sowie einen neuen Anbau fließen. Die Gelder werden aus unterschiedlichen Quellen aufgebracht.

Stefanie Büssing

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