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Kultur Neuer Lehane – Lügner haben kurze Leben
Nachrichten Kultur Neuer Lehane – Lügner haben kurze Leben
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06:01 27.08.2018
Beherrscht die Kunst des Thrillens: der amerikanische Schriftsteller Dennis Lehane. Quelle: Gaby Derster/Diogenes
Hannover

Mit einem Mord auf einem Boot im Boston Harbor beginnt der neue Roman des amerikanischen Thrillerspezialisten Dennis Lehane. „An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann“, lautet der erste Satz. Und der Mann stirbt mit einem Blick, als habe er immer gewusst, was auf ihn zukommt.

Rachel ihrerseits hatte früh von ihrer Mutter erfahren, was mit dem anderen Geschlecht auf sie zukommen würde: „Ein Mann ist das, was er dir über sich erzählt, und das meiste davon sind Lügen.“ Mamas Tipp war, diese Lügen zu ignorieren. Das vermochte Rachel nicht.

Das Porträt einer von allen guten Familiengeistern verlassenen Frau

Blutig-heiter hebt Lehane an, der Schöpfer von literarischen Finsternissen wie „Spur der Wölfe“ (verfilmt als „Mystic River“) und „Shutter Island“. Was den Zuschauer sofort fesselt, sind dieunverhofften letzten Worte des Opfers, die es mit den Lippen formt: „Ich. Liebe. Dich.“ Und noch vor zwei Tagen, so ihr inneres Geständnis, hätte Rachel dasselbe zu ihrem Mann gesagt. Was lief da falsch? „Der Abgrund in dir“ heißt „Since We Fell“ auf deutsch. Und wir dürfen fortan tief in Rachels Seelengründe blicken.

Natürlich ist auch „Abgrund“ ein Thriller. Einer der sich diesmal aber lange hinter einer meisterlich ausgestalteten Charakterstudie verborgen hält. Zunächst ist „Der Abgrund in dir“ das Porträt Rachels, einer vaterlos aufwachsenden, von ihrer Mutter, einer verlassenen Akademikerin dominierten Frau aus Massachusetts, die mit 21 Jahren Halbwaise wird, und nach dem Tod der Mutter beginnt,wie besessen nach ihrem Vater zu suchen. Es wird ein lange, lähmende Suche, ein dorniger, glückloser Weg.

Der Geliebte wird Rachel auf einen Schlag fremd

Zwar gelingt es Rachel, nach außen hin das scheue Mädchen in sich zu überwinden. Sie wird sogar eine erfolgreiche Fernsehjournalistin, aber ein traumatisierendes Erlebnis während einer Naturkatastrophe auf Haiti lässt sie zusammenbrechen. Punktgenau tritt Brian wieder in ihr Leben, ein Detektiv, der ihren Vater finden sollte. Der Frauenflüsterer holt Rachel aus ihren Angstzuständen, aus ihrem Unterschlupf, heiratet sie. Dann entdeckt Rachel, dass Brian ein geheimes Doppelleben führt.

Und damit steigt aus all den atmosphärisch dichten Beschreibungen endlich der Thrill herauf. Denn der Geliebte wird Rachel sofort fremd. Wie Rachel auf die Jagd nach ihrem neuesten Lebensrätsel geht, wie sie ihrem Mann heimlich durch Boston folgt, ist Atem raubend.

Mit dem Auftauchen zweier klassischer Killertypen wird der brillant geschriebene „Abgrund“ dann plötzlich sehr „noir“ und „chandleresk“. Jetzt setzt es Schrot, Blei und Prügel, und aus dem rettenden Prinzen Brian wird der Mann, den die schwarzen Wasser von Boston Harbor verschlingen. Lügner haben kurze Leben. Danach purzeln die Überraschungen noch eine Weile. Nicht jede ist gelungen.

Einige Wendungen Lehanes erscheinen unglaubwürdig

Lehane lässt seine Heldin auf der letzten Seite in sein liebstes Refugium verschwinden - in die Nacht, wo vielleicht die Helden von „Mystic River“ und „Shutter Island“ auf sie warten. Der Leser, der eine ganze Weile vor Augen geführt bekam, dass man selbst vom liebsten Menschen immer nur die Oberfläche begreifen wird, der sich in einer Geschichte wähnte, die das Misstrauen vor dem Liebsten schürt, bekommt das, was er bei Lehane am wenigsten erwartet: Ein Fast-Happy-End.

Dass die gebrochene Heldin ihr Schicksal plötzlich wieder ganz handfest bewältigt, ist freilich schon eine arg unglaubwürdige Wendung. Und dass Rachel am Ende mit ihrem nicht unbeträchtlich markierten Kerbholz davonkommen könnte, steht dem kaum nach.

Dennis Lehane: „Der Abgrund in dir“, Diogenes, 526 Seiten, 25 Euro

Von Matthias Halbig

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