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10:03 11.06.2018
Mit Tamburin im blauen Licht der Traurigkeit: Lykke Li (hier Anfang Juni beim Primavera Sound Musikfestival in Barcelona) probiert auf ihrem Album „So sad so sexy“ einen Soundwechsel. Quelle: imago/Agencia EFE
Los Angeles

Es geht gleich mal nass los. „Wenn du das Gefühl magst, das harter Regen macht, dann habe ich ein ganzes Meer voll für dich“, singt Lykke Li. Bleibt alles anders bei der 32-jährigen Schwedin. Tränen fließen wieder in den Texten, der Sound dazu aber soll schon ein bisschen erogen sein, so dass sich das Tanzvolk auch in die Lieder reinhängen kann.

Neue Plattenfirma, angesagtere Leute am Ruder

„So sad so sexy“ heißt ihr viertes Album. Li Lykke Timotej Zachrisson hat dafür die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Produzenten Björn Yttling (von Peter, Björn and John) aufgekündigt. Neue Plattenfirma, angesagtere Leute im Studio. Bye-bye, Indiepop!

Noch nicht lange her, da summte die ganze Republik die Melodie von Lykke Lis „I Follow Rivers“: „I follow you / deep sea Baby“. 2018 nun vermählt sie pluckernden Synthpop, Echolot-artige Signale und Stimmverzerrungen mit den Rhythmen R’n‘B und Hip-Hop. Der schleppende Beat des Trap regiert, jener Hip-Hop-Spielart aus dem amerikanischen Süden.

Geschuldet ist die Verwandlung wohl in erster Linie dem Hip-Hop-Einfluss von Lykke Lis Ex-Lebensgefährten und Produzent Jeff Bhasker (man trennte sich während der Aufnahmen). Und dem Studioeinfluss von Leuten wie dem ehemaligen Vampire-Weekend-Mitglied Rostam Batmanglij oder dem Electro-Magier und Grammy-Abräumer Sonny John Moore alias Skrillex.

Immer noch kann sie einem das Herz zerreißen

Die vielen Produzenten verderben hier erstmal ... gar nichts. Kühle Computerklänge werden gemeinhin als Melancholiestifter empfunden. Und in Sachen Tempo geht es nicht ab wie bei Rihanna oder Taylor Swift. „So sad so sexy“ ist kein auf die Charts gierendes Beatmonster. Keine Angst, Fans! Stattdessen: Mut zur Lykke!

Mutter eines Sohnes ist Lykke Li in den vier Jahren geworden, die eigene Mutter hat sie verloren und ist inzwischen – wie damals die Beatles - Anhängerin der Transzendentalen Meditation. Das traurige Mädchen Li ist einer erwachsenen Frau gewichen.

Die allerdings zur Freude ihrer Tristesse-verliebten Fans immer noch viel über sich selbst grübelt und gern von Zigaretten und Abschieden singt. Die dabei Jacques-Brel-artige Leidenszeilen für MeToo-Diskussionssrunden hervorbringt wie „Du kannst sagen, dass du mich nicht liebst, aber geh nicht weg von mir“ (in der Ballade „Bad Woman“).

Oder die singt: „Lass mich das letzte Stück meines Herzens behalten / bevor du es ganz zerreißt“ (im ermattet geseufzten „Last Piece“). Textlich ist alles „deep sea, baby“. Einige große Songs in einem nur anfangs irritierenden Klanggewand. Ein Album, das einem von Durchgang zu Durchgang besser gefällt.

Im letzten Song schaut Lykke Li nach vorn

Aber nicht bis ins letzte Lied. „Jaguars in the Air“ heißt eine eher nervige Gebetsmühle. Irgendwohin will die Heldin dieses Songs, will ihren Weg „raus“ finden, sie und ihr „Baby“ seien Träumer, wollen den Himmel einreißen. Bis auf die endlos wiederholte seltsame Kernzeile über die fliegenden Jaguare ist das hingefloskelt, klingt fabuliert, nicht aus der eigenen Gegenwart gewonnen.

Vielleicht ist sie ja doch glücklich. Man wünscht Lykke Li jedenfalls eine gute Zeit mit dem kleinen Dion, keinen Schmerz, kein Leid. Zumindest im letzten Song „Utopia“, das sich auch als U2-Stück gut machen würde (sie hat bei U2s „Songs of Innocence“ mitgesungen), schaut Lykke Li denn auch nach vorn, zuversichtlich, zupackend: „Wenn’s da eine Bombe in deinem Herzen gibt, entschärfe ich sie.“

Dass auch dieses Lied auf den letzten Zeilen von gebrochenen Versprechen kündet, blenden wir aus. Dieses Album darf einfach nicht auch noch nass enden.

Lykke Li: So sad so sexy (RCA)

Von Matthias Halbig / RND

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