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Kultur New Model Army in Rostock: aktueller Protest-Rock aus den 80ern
Nachrichten Kultur New Model Army in Rostock: aktueller Protest-Rock aus den 80ern
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00:00 23.03.2017
New Model Army mit Sänger Justin Sullivan (Mitte), Gitarrist Marshall Gill (l.) und Bassist Ceri Monger (r.). Quelle: Foto: Axel Büssem
Rostock

Justin Sullivan kann es noch: Nach fast 40 Jahren fesselt der Sänger und Gitarrist der 80er-Jahre-Band New Model Army immer noch seine – wenn auch geschrumpfte – Fangemeinde. So auch am Dienstagabend im Rostocker Mau-Club: Rund 300 Zuhörer rockten mit Sullivan und den anderen, deutlich jüngeren Bandmitgliedern zu Hits wie „51st state“ und „Vagabonds“.

Dass Sullivan noch mit Herzblut dabei ist, lässt sich an seinem Gesicht ablesen: Auch wenn er selten seine Stimme hebt, drückt er doch mit seiner Mimik aus, wie sehr er hinter seinen düster-melancholischen, oft sozial- und politikkritischen Texten steht.

New Model Army hielten noch nie hinter dem Berg mit ihrer Kritik an den Herrschenden in ihrem Heimatland Großbritannien und in den USA. Gerade „51st state“, das die Band 1986 von der Band The Shakes gecovert hatte, prangert die vermeintliche Anbiederung Großbritanniens an die USA an – quasi als 51. Bundesstaat.

Der neue US-Präsident Donald Trump und der Brexit liefern da natürlich eine aktuelle Steilvorlage. „Unsere Premierministerin ist vor Trump auf die Knie gefallen – Eure Kanzlerin Merkel tat das nicht“, sagt Sullivan. Als dann aus dem Publikum „Fuck Trump“ zu hören ist, antwortet er: „Ja, Fuck Trump und Fuck Brexit.“

Später drückt sich Sullivan differenzierter aus. In Anlehnung an Trumps Wahlspruch „Make America great again“ (Amerika wieder großartig machen), ruft er seinen Fans zu: „Make Britain great again, make America great again, make Germany great again – das ist alles Bockmist! So etwas hatten wir doch schon einmal.“

An anderer Stelle lässt Sullivan seine Texte die Botschaft überbringen: „Dieses Lied ist 30 Jahre alt“, kündigt er „Higher Walls“ („Höhere Mauern“, 1987) an. Schon damals machte New Model Army auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam, die mit immer höheren Mauern aufgehalten werden sollten. Darin heißt es : „Wir bedienen an den Tischen, an denen Ihr Euch satt esst / Und lernen von Euch, nicht mehr das bisschen zu akzeptieren, das Ihr uns zugesteht.“

Neben den politischen Aussagen kam jedoch die Musik nicht zu kurz: Ein Höhepunkt des Abends war das hymnische „Vagabonds“ (1987), das mit einem furiosen Geigenpart von Shir-Ran Yinon begann, in das dann Sullivan mit der Gitarre einstieg und das schließlich in einer Trommelorgie, bei der gleich drei Band-Mitglieder auf die Pauke hauten, kulminierte. Auch neuere Titel überzeugten – wie das bedrohliche „Devil“ (2016), bei dem Sullivans gruselige Teufelsmimik von rotem Scheinwerferlicht angestrahlt wurde.

Axel Bã¼ssem

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