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Niederländische Buchwoche feiert Deutschland

Amsterdam Niederländische Buchwoche feiert Deutschland

Jahrzehntelang waren die Deutschen die ungeliebten Nachbarn der Niederländer. Doch nun ist alles anders. Deutschland ist sogar Thema der nationalen Buchwoche. Eine Liebeserklärung zum Rotwerden.

Amsterdam. Der deutsche Sänger Sven Ratzke steppte und witzelte auf Deutsch und Niederländisch. Und spätestens bei seinem Spottlied „Deutsche haben Sex-Appeal“ tobte das Publikum in der Amsterdamer Stadsschouwburg vor Vergnügen.

Spott? - Keineswegs. Der Bücherball zum Auftakt der niederländischen Buchwoche an diesem Wochenende war eine einzige Liebeserklärung an das Nachbarland.

„Es ist unglaublich, was hier passiert“, wunderte sich der niederländische Bestsellerautor Leon de Winter. „Ohne böse Hintergedanken und Zynismus: Wir umarmen die Deutschen,“ sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Und wie ist das mit dem Sex-Appeal? „Na klar!“, meinte er und fügte dann doch leicht ironisch hinzu: „Im übertragenen Sinn natürlich.“

Auf dem 65. Bücherball eröffneten Autoren und Verleger traditionell das größte kulturelle Ereignis des Landes. Noch nie war Deutschland das Thema der nationalen „Boekenweek“. Das Motto in diesem Jahr ist - auf Deutsch: „Was ich noch zu sagen hätte“, aus dem Song „Gute Nacht, Freunde“ von Reinhard Mey. Die Veranstalter, die Stiftung Kollektive Propaganda für das niederländische Buch (CPNB), hatte Deutschland als Thema gewählt, nachdem die Frankfurter Buchmesse die Niederlande und Flandern in diesem Jahr als Gastländer eingeladen hatte.

Eine Woche lang werden Autoren im ganzen Land lesen und debattieren, in Buchhandlungen, Bibliotheken, auf Marktplätzen, in Theatern und sogar in Zügen. Und alles dreht sich um Deutschland. „Bier, Bratwurst und Buch“ - eine fantastische Kombination, meinen die Veranstalter.

Die „Boekenweek“ ist ein einzigartiges Phänomen, vergleichbar mit der Frankfurter Buchmesse, aber dann im ganzen Land. Die Buchbranche will damit für das Lesen und für alle Neuerscheinungen werben. Das Besondere: Jedes Jahr schreibt ein bekannter Autor im Auftrag der Stiftung CNPB einen Kurzroman, der in einer Auflage von rund 700 000 Exemplaren an jeden verschenkt wird, der in dieser Woche ein Buch kauft.

Im Zentrum stehen in diesem Jahr neue Übersetzungen junger deutscher Autoren, aber auch die von Klassikern. Dazu gibt es Dutzende Werke, die den Niederländern Deutschland erklären. Das kleine Deutschland-ABC „Alles klar“ etwa, oder „Wir schaffen das“ über Pegida und die neue Rechte in Deutschland. „Wir können nicht alle Deutsche sein“ erklärt wiederum Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und den deutschen Alltag.

Aus all dem liest man die große Neugier der Niederländer auf ihr Nachbarland und ihre eigene Verblüffung über die neue Liebe zu den Deutschen. „Die Deutschen sind in den Augen der Niederländer ein sehr einnehmendes Volk geworden, uns sehr nah“, sagte Leon de Winter. „Sie sind sehr sensibel und sie haben ein unglaubliches Bewusstsein für ihren Platz in der Welt und die Geschichte.“

Besonders viel Anerkennung haben sich die Deutschen für ihre Haltung in der Flüchtlingskrise erworben. „Eigentlich denkt man bei Deutschland immer auch ein wenig an den Krieg“, räumte der Erfolgsautor Jan Siebelink ein. „Doch jetzt ist es doch vor allem das Land, das die meisten Flüchtlinge aufnimmt.“

Jahrzehntelang galten die Deutschen, auch unter dem Eindruck der Besatzung während des Zweiten Weltkrieges, als herrschsüchtig und kriegslüstern. Doch nun sind die „Moffen“ und „Sandkuhlenbauer“ hip geworden. Die neue Liebe reicht von Merkel bis zur Leberwurst. Es ist fast schon zum Rotwerden.

Ja, die intellektuelle Elite umarmt sogar den deutschen Humor. Huch? Dabei dachten sie doch immer, dass Deutsche zum Lachen in den Keller gehen. „Natürlich haben Deutsche Humor“, sagt der Autor Thomas Rosenboom. „Doch der ist so subtil, dass wir Niederländer den nicht kapieren.“

dpa

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