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Nimm Zwei

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Der 2014 verstorbene Maler Thomas Ziegler und der Künstler Antony Sylvester waren Freunde. Im Schloss Plüschow treten ihre Werke in einen spannenden Dialog.

Plüschow. Durch blendend gelbe, berauschend duftende Rapsfelder fährt man derzeit ins kleine Dorf Plüschow im Westen Mecklenburgs. Auf berauschend gelbe Rapsfelder blickt man im Foyer des dortigen Künstlerhauses – gebannt auf großformatige Fotoleinwand. Im Feld steht auf einem Bild: ein älterer grauhaariger Mann im langen Ledermantel. Auf einem anderen Bild: ein älterer grauhaariger Mann mit nacktem Oberkörper und Pfeife. Ersteres zeigt den Schöpfer beider Kunstwerke, Sylvester Antony. Das zweite den vor zwei Jahren verstorbenen Mecklenburger Maler Thomas Ziegler. Diesen beiden Künstlern ist die aktuelle Ausstellung im Schloss Plüschow gewidmet.

„Künstlerfreundschaften sind in einem Beruf, in dem oft exzentrische Konkurrenz gepflegt wird, nicht allzu häufig“, sagt die Leiterin des Künstlerhauses, Miro Zahra. Erst vier Jahre vor dem plötzlichen Tod Thomas Zieglers (er starb bei einem Spaziergang in der Silvesternacht 2014 im Alter von 67 Jahren) seien sich die beiden Männer erstmals begegnet. „Sie haben sich schnell als Seelenverwandte erkannt und sich gegenseitig in ihrer Kunst inspiriert.“ So erscheint Thomas Ziegler als Person mehrmals auf Antonys Bildern, außerdem haben sie gemeinsame Projekte initiiert, wie zum Beispiel vor zwei Jahren in Schwerin eine „neuromantische Kunstaktion“. Nun treffen sie erneut aufeinander: 40 großformatige außergewöhnliche Arbeiten der Freunde, entstanden in den vergangenen vier Jahren, entfalten ihre Wirkung in den Räumen des ehemaligen Schlosses.

Die Fotocollagen aus der Reihe „MV Investor“ von Antony Sylvester sind durch Übermalungen verfremdet, fragmentarisch zusammengesetzt und mit originellen Textbotschaften versehen. Sie beziehen sich auf „die Wahrnehmung sozialer und künstlerischer Energiefelder in unserem Land“, von Antony beschrieben als „Mutterland der Romantik, Vaterland der Raketen . . . Lebensqualität durch Natur und Ignoranz“. Außerdem veranstaltet Antony in einem Raum des Schlosses eine „Diktatoren-Disko“ – eine Installation mit Film und Musik.

In den Dialog zu Antonys Arbeiten treten die kraftvollen, surrealistischen Bildwelten von Thomas Ziegler, der durch die Leipziger Schule geprägt war und zu den wichtigsten Malern Mecklenburg-Vorpommerns zählte. Wie Antony schöpfte er seine Inspiration aus der Landschaft, komponierte sie auf Leinwand farbintensiv zu dramatischen Szenen, in denen Fabelwesen oder Figur-Fragmente ihre Magie entfalteten. Seine Bilder werden zu einem Fest der Farben, Formen, Linien und Kontraste.

So unterschiedlich ihr künstlerischer Ausdruck war, so einte die Freunde die Lust an der Provokation, die kraftvolle Lebendigkeit in ihren Arbeiten, der Kampf gegen Beliebigkeit im Kunstbetrieb. Und beide Künstler kamen über Umwege nach Mecklenburg: Thomas Ziegler, 1947 im sächsischen Limbach geboren, arbeitete in Leipzig, Berlin, Hamburg, Schwerin und zuletzt in Katzow in Vorpommern. Sylvester Antony, 1953 in Kiel geboren, lebt in Berlin und auf Schloss Wrodow bei Neubrandenburg, das er zusammen mit Gleichgesinnten zu einem Künstlerhaus ausbaute.

Nun sind die Freunde wieder vereint. Oder zumindest ihre Werke, die in einen spannenden Dialog treten in Plüschow. Im „Raps-Dorado MV“, wie Sylvester Antony auf eines seiner Bilder geschrieben hat:

„Wir sind nur gekommen, ein Traumbild zu sehen, wir sind nur gekommen zu träumen. Nicht wirklich sind wir gekommen, um auf der Erde zu leben.“

Petra Haase

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