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Nina Gomringer bringt „Grimms Wörter“ zum Tanzen

Lübeck Nina Gomringer bringt „Grimms Wörter“ zum Tanzen

Eigentlich wollte Günter Grass „Grimms Wörter“ selbst auf der Bühne lesen. Er kam nicht mehr dazu. In der Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer fand er eine würdige Nachfolgerin als Rezitatorin.

Lübeck. Günter Grass hat seinem Roman „Grimms Wörter“ den Untertitel „Liebeserklärung an die deutsche Sprache“ gegeben. In der Bühnenfassung, die er zusammen mit dem Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer erarbeitet hat, wollte er selbst den Textpart übernehmen.

Dazu kam es nicht mehr, Grass starb am 13. April 2015. Seinen Part übernahm die Lyrikerin Nora Gomringer, die wie Sommer seit Jahren mit Grass befreundet war. So geriet die vom Publikum bejubelte Uraufführung am Sonntag in Lübeck nicht nur zu einem Hörerlebnis, sondern auch zu einer Liebeserklärung an den Literaturnobelpreisträger.

Neun Kapitel aus dem 400 Seiten starken Roman hatte Grass für die Bühne ausgewählt. Die Bachmann-Preisträgerin Gomringer zelebrierte jedes einzelne. Sie las nicht nur, sondern unterstrich die Worte mit Gestik und Mimik, spielte mit Sprachtempo, Aussprache und Intonation. 

Sommer entlockte dazu seinem Schlagzeug immer neue Töne und Rhythmen. Zu seinem Instrumentarium gehörten Trommeln, Vibraphon, Zither, Gongs in verschiedenen Größen, Mundharmonika, Maultrommel, eine Bratpfanne und ein großer Topf voller Küchengerätschaften, der beim Buchstaben K wie „Krieg“ zum Einsatz kommt. 

Rund 300 Zuhörer waren ins Theater Lübeck gekommen. Ihr sei sehr bewusst gewesen, dass sie als Rezitatorin von Grass' Texten in sehr große Fußstapfen trete, sagt Gomringer. „Ich empfinde es als Ehre, dass ich gebeten wurde, den Part zu übernehmen.“ Die 36-Jährige kannte Grass sei ihrem sechsten Lebensjahr, weil ihr Vater, der Schweizer Dichter Eugen Gomringer, mit Grass befreundet war. „Irgendwie bestand zwischen ihm und mir eine Seelenverwandtschaft.“

Fast sechs Monate haben die Proben zu dem mehr als 90 Minuten langen Bühnenprogramm gedauert. Herausgekommen ist ein „heiterer und wohlgestimmter Nachruf“ auf Günter Grass, wie es in der Ankündigung hieß - und zugleich eine Liebeserklärung an die Kraft und den Bildreichtum der deutschen Sprache.

Eigentlich hätte die Uraufführung des Stückes in Göttingen stattfinden sollen, wo die Brüder Grimm als Professoren lehrten und der Steidl Verlag seinen Sitz hat, sagt der Leiter des Günter Grass-Hauses, Jörg-Philipp Thomsa. Doch dort gab es Terminschwierigkeiten, so dass Lübeck eingesprungen sei.

Nach der Uraufführung gehen Gomringer und Sommer mit dem Stück auf Tournee. Weitere Aufführungen sind unter anderem in Hamburg, Dresden, Zürich und in Grass' Geburtsstadt Danzig geplant.

dpa

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