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„No Angels“ erwärmten ihre Zielgruppe in Rostock

Rostock „No Angels“ erwärmten ihre Zielgruppe in Rostock

Frierend standen sie vor der Rostocker Stadthalle. Plüschtiere in den Händen oder Pappschilder mit den Namen ihrer Idole. Schon am Mittwochvormittag hatten sich die ersten Fans eingefunden.

Rostock. Ziel: Zu sehen, wie Vanessa, Jessica, Sandy, Lucy und Nadja eintreffen.

Noch vor einem Jahr waren die fünf ganz normale Mädchen. Jetzt sind sie „No Angels“. Unter 5000 Bewerberinnen in der Sendung „Popstars“ ausgewählt beim nicht gerade für Intelektuellen-Programme berühmten Sender RTL 2.

Das 1999 in Neuseeland erstmals durchgeführte Experiment die Erschaffung einer Band direkt aus der Mitte und zugleich unter den Augen der Zielgruppe ist auch in Deutschland gelungen: „Ich habe von Anfang an Jessi die Daumen gedrückt“, erzählt Miriam Schröder (13). Schon am Morgen war sie aus Warnemünde zum Halleneingang gekommen. Und will gleich, „bevor die hier aufmachen“, noch mal kurz zu einer Freundin. Schminken.

19.00 Uhr steht sie ziemlich weit vorn im sogenannten Kindergarten, einer abgesperrten Zone vor der Bühne. Vorprogramm: Ben McCosker singt. Tanzt. Und sagt schließlich seinen letzten Titel an. Da jubeln 4000 vorwiegend weibliche „No-Angels“-Fans. Dann Ausschnitte aus Videos, auf Leinwände und den Bühnenhintergrund projiziert. Danach Werbung, zielgruppengerecht: für Lippenstifte. Soft-Drinks. Parfum. Den Disney-Streifen „Atlantis“ mit Musik der „No Angels“.

Punkt 19.35 Uhr kommen sie die keine Engel sein wollen. Oder laut Vertrag nicht dürfen. Perfekt gestylt. Perfekt lächelnd. Perfekt beleuchtet. Plus vier Musiker und fünf Tänzer. Erster Song: „Rivers Of Joy“. Der Jubel wird zum Orkan. Tanzende Blümchen auf dem Vorhang. Tanzende Kids, jede Zeile mitsingend. Und Tanzende auf der Bühne. Unterschiede werden deutlich: Die Tänzer können tanzen, die Mädchen wollen. Aber: Sie haben im letzten Jahr auch allerhand gelernt was um so augenfälliger wird, wenn Aufzeichnungen des Castings gezeigt werden. Hartes Training, gute Maske und professionelle Garderobe zahlen sich eben aus. Nadja bedankt sich artig beim Publikum: „Nur ihr habt uns dies hier ermöglicht.“ Und sammelt Plüschtiere ein.

So geht es weiter. Gemeinsame Stücke wechseln mit Soloeinlagen. Während der Garderobenwechsel unterhalten die auf der Bühne Verbliebenen das Publikum. Ziemlich mühsam. Doch die Fans sind dankbar. Sandy gesteht, „große Angst vor der Tour“ gehabt zu haben Jubel. Nadja gibt bekannt, ihre kleine Tochter zu lieben Beifall. Lucy erklärt, dass auch Beleuchter und Techniker Anteil an der Show haben Ovationen. Ein starkes Solo von Jessica Feuerzeuge flammen auf. Lucy präsentiert eine sportliche Einlage, die einem Stuntman alle Ehre gemacht hätte, fegt über die Bühne, die Show-Treppen hinauf und auf dem Laufsteg ins Publikum. Sandy covert gefühlvoll Songs der kürzlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen Aaliyah. Und die Musiker beweisen mit Michael Jacksons „Thriller“ ihr Können.

21.35 Uhr, nach etlichen Zugaben, ist Schluss: „Im nächsten Jahr sehen wir uns wieder“, verabschieden sich die „No Angels“. Und scheinen damit auch sich selbst Mut machen zu wollen. Denn wie sagte Thomas Stein, Musikchef bei Bertelsmann: „Weder Autos noch Joghurt wollen dabei mitreden, wie sie produziert, verpackt oder vermarktet werden.“ Brutales Saallicht. Vor der Halle warten frierend zahllose Eltern auf ihre Kinder.



THOMAS LUCZAK

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