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Noch viel vor: Hitmacher Frank Farian wird 75

Miami/Saarbrücken Noch viel vor: Hitmacher Frank Farian wird 75

Als Musikproduzent ist er der einzige Deutsche, der auch international in der ersten Reihe mitspielt

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Frank Farian ist fast täglich in seinem Studio in Miami.

Quelle: Milli Segieth/dpa

Miami/Saarbrücken. . Alles begann in einem Kuhstall im Saarland. Mit einem Tonbandgerät und einem einzigen Mikrofon nahmen Frankie Boy und seine Band „Die Schatten“ 1963 ihre erste Schallplatte auf. „Es hat schrecklich geklungen, aber es war unsere erste Schallplatte, und da waren wir doch stolz drauf“, sagt Frank Farian am Telefon in Miami (Florida).

Mittlerweile hat er gut 800 Millionen Tonträger verkauft: Farian ist der mit Abstand erfolgreichste deutsche Musikproduzent, der Mann hinter Boney M., Milli Vanilli und vielen anderen. Heute wird er 75: „Ich kann’s selbst gar nicht glauben.“

Als Franz Reuther wurde er in Kirn an der Nahe geboren, als Frank Farian steht sein Name für beispiellosen Erfolg im Musikgeschäft. Seit er Teenies Mitte der 70er Jahre mit seinem traurigen Hit „Rocky“ zum Weinen brachte, trat er selbst kaum noch auf. Das sei irgendwann vorbei gewesen, sagt er. Erst als Mann im Hintergrund, als Produzent, begann sein Mega-Erfolg. Etwa mit Boney M.

„Baby Do You Wanna Bump“, den ersten Titel von Boney M., sang Farian im Studio praktisch alleine, sehr hoch und auch sehr tief. Und weil er sein vielstimmiges Projekt alleine weder aufführen konnte noch wollte, suchte er Gesichter, die den Song präsentieren sollten. 1976 stand eine Art jamaikanische Kernmannschaft von Boney M.: Liz Mitchell und Marcia Barrett durften singen, Bobby Farrell und Maizie Williams bewegten die Lippen und sahen gut aus. Höchst erfolgreich: Hits wie „Daddy Cool“, „Rivers of Babylon“, „Rasputin“ oder „Ma Baker“ sind Popgeschichte. Mindestens 100 Millionen Tonträger verkaufte Farian unter dem Namen Boney M.

Doch Farians Name steht auch für einen handfesten Skandal. Und zwar mit dem, was Farian den „Milli-Vanilli-Fehler“ nennt: „Den habe ich schon bereut.“ 1988 hatte er im Studio schöne Songs mit guten Sängern aufgenommen. Aber nicht sie traten als Milli Vanilli auf, sondern Fab Morvan und Rob Pilatus – denn die sahen besser aus. Wochenlang waren sie auf Platz 1 der US-Hitparade, bekamen sogar den Grammy. Als der Schwindel herauskam, mussten sie den Grammy wieder abgeben.

Heute besitzt Frank Farian drei Studios in Miami: „Ich gehe vom Schlafzimmer direkt ins Studio rein. Morgens um acht fange ich an und dann habe ich einen Zwölf-Stunden-Tag.“

Derzeit arbeitet er an Weltmusik zum Weihnachtsfest – auch der Anden-Thriller „El Condor Pasa“ könnte zum Weihnachtslied werden: „Das ist schon eine Herausforderung.“ Farian will das Musical „Daddy Cool“ wieder auf Tournee sehen, ein Buch über ihn wird auch vorbereitet.

Auch eine eigene Platte will er machen. Mit jener schwarzen Musik der 50er, die er immer noch liebt.

Birgit Reichert

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