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Nonsens im Namen des Herrn, Amen!

Rostock Nonsens im Namen des Herrn, Amen!

In der Kleinen Komödie Warnemünde feierte „Non(n)sens“, das New Yorker Erfolgsmusical im Taschenformat, Premiere. Ein Heidenspaß für Gläubige und Ungläubige.

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Annegret Voigt, Alice Löw Pereira, Constanze Liebert und Any Dos Santos Lima (v.l.) als musikalische Ordensschwestern im Minimusical „Non(n)sens.

Quelle: Foto: Frank Hormann

Rostock. „Nonnen! Kein Sinn für Humor . . .“ behauptet Victor Kruger 1986 in einer New Yorker Kirche. Lassen wir mal die schräge Frisur des Bösewichts in dem Kultfilm „Highlander“ beiseite – der (fast) Unsterbliche hatte auch überhaupt keine Ahnung. Die fünf Nonnen, die Samstag in der Kleinen Komödie auf der Bühne standen, machten den Theaterabend zu einer sehr erträglichen Kostprobe von der Leichtigkeit des Daseins im Namen des Herrn. Amen – oder so!

Das Erfolgsmusical des US-Autors Dan Goggin aus dem Jahre 1983 bietet beste Off-Brodway-Unterhaltung auf der kleinen Bühne. Temporeich, frech, witzig, spritzig, Aperol. Geht aber auch ohne Alkohol ganz gut über die Lachmuskeln. Vor allem beim weiblichen Publikumsanteil in der vollgepackten Kleinen Komödie, das sich lautstark, auch in den höheren Frequenzbereichen, wegwarf.

Die Geschichte ist indes etwas hergeholt. Fünf Nonnen sind die einzigen Überlebenden eines Bouillabaisse-Unfalls in der klösterlichen Küche, bei der so roundabout 52 Ordenssschwestern über den Jordan gingen. 48 konnten beerdigt werden, dann ging das Geld aus, weil Mutter Oberin Maria Regina (Jaana Kauppinen-Widiger), sich mal schnell eine Soundanlage gönnte. Frauen, alle gleich, ob in Tracht oder ohne: Wenn’s ans Shoppen geht, stellen sie selbst Beerdigungen hinten an. Die vier übrigen Nonnen werden daher erstmal in der Kühltruhe untergebracht, was nicht lange gut geht, weil sich das Hygieneamt überraschend ankündigt. Tja, wie gesagt, an seinen Drehbuchqualitäten hätte Goggin durchaus feilen können.

Dafür aber geht die Show mit Witz, Tempo und Verve über die Bühne. Das Musical im Taschenformat ist mit weltweit über 8000 Inszenierungen in 26 Sprachen das beliebteste für kleine Bühnen, weil es schmissig ist und ohne großen Aufwand zu inszenieren. Außerdem kommt es mit nur einem Pinguinwitz aus und reduziert die Nonnen-in-Strapsen-unter-der-Ordenstracht-Erotik auf ein dezentes Stück Bein von Any Dos Santos Lima (Schwester Robert Anna).

Ansonsten präsentieren sich die fünf göttlichen Schwestern auf ihrer Suche nach finanziellen Alternativen recht einfallsreich. Um das nötige Geld für die Beisetzungen der tiefgekühlten Schwestern aufzutreiben, ersinnen sie eine Benefiz-Gala, bei der das Publikum auch Teil der Inszenierung wird.

Und sie outen ihre heimlichen Träume und Schwächen. Das Bingospiel (alle), die morgendliche Lust am Tanz im Tütü (Novizin Maria Leo), die heimliche Liebe zur Country Musik und, Mann, Mann, Mann, jede Menge erotische Fantasien (Maria Amnesia), ein Schnäpsgen hier, ein Narkotikum dort (Schwester Oberin) oder der Traum vom Bühnenstar im Rampenlicht (Schwester Robert Anna).

Mit dem Kabarett „Nunsense“ startete Goggin – ein ehemaliger Klosterschüler – 1983 im New Yorker Schwulen- und Lesben-Viertel Greenwich Village. Dort war es 36 Wochen ausverkauft, bevor es auf die große Bühne des Cherry Lane in New York ging, wo es 3672 Aufführungen feierte. Hollywood-Erfolgsstorys wie „Sister Act“ mit Whoopi Goldberg gingen erst 1992 im Windschatten dieses Theatererfolgs in die Kinos.

In Rostock ist „Non(n)sens“, so die deutsche Übersetzung, übrigens nichts Neues. Bereits 1993/94 gastierten die Nonnen am Volkstheater und waren 2001 in der Halle 207 zu belachen. Nun geht’s in der Kleinen Komödie Warnemünde weiter. Die Inszenierung von Jaana Kauppinen-Widiger und André Trautmann in der tänzerischen Choreographie von Teresa Lucia Forstreuter besticht in erster Linie durch ihren Minimalismus und die musikalische Leistung (Musik und Klavier: Petra Leupold-Elert). So entwickeln Any Dos Santos Lima, Constanze Liebert, Alice Löw Pereira und Annegret Voigt als musikalische Ordensschwestern auf der sicheren und bewussten Basis ihres gesanglichen Könnens eine schier ausgelassene Spielfreude. Das macht Spaß, und da wird deutlich, dass in den einzelnen Künstlern und Künstlerinnen des Opernchores weit mehr steckt als Ensemble oder Background.

Die Auflösung der Geschichte ist dann wieder etwas hergeholt. Schwester Maria Amnesia (Achtung onomastisch angehauchtes Wortspiel) erinnert sich plötzlich, dass sie mal ein Country Star war und etwas illegal einen Batzen Geld auf die Seite geschafft hat, der dann (Achtung, Deus ex machina in der Komödie!) in einer Luther-Puppe (Achtung, Jubiläum!) vom Himmel fällt.

Nun ja, Mädels, den einen oder anderen Pinguinwitz hätte ich auch noch ausgehalten.

Michael Meyer

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