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Hamburg Norddeutsch-nüchtern und trotzdem sensibel

Der Dokumentarfilm „Utbüxen kann keeneen“ thematisiert auf Plattdeutsch Trauerkultur

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Vertraut mit dem Tod: Johann Petersen, ehemaliger Küster der Halligen Langeneß und Oland. Fotos (3): Agentur Text und Training Hamburg

Hamburg. „De Discher müsst ok de Beirdigung mokn.“ So einfach ist das. Und genau so ist Tischler Heinrich Warnk aus dem mecklenburgischen Dorf Woosmer bei Dömitz zum Bestatterberuf gekommen. Die einfache Logik: Wer die Särge baut, der kann gleich die Bestattung mit erledigen.

OZ-Bild

Der Dokumentarfilm „Utbüxen kann keeneen“ thematisiert auf Plattdeutsch Trauerkultur

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Die Aufführungstermine

Der Dokumentarfilm „Utbüxen kann keenen“ wird am 22. Mai in Schönberg anlässlich des Internationalen Museumstags aufgeführt. Ort ist das Freilichtmuseum „Bechelsdorfer Schulzenhof“, Vorstellungbeginn ist um 14 Uhr. Ein weiterer Termin ist im Rahmen des Filmfestes Wismar angesetzt. Im dortigen Filmbüro wird der Streifen am 3.

Juli um 10 Uhr gezeigt.

Der Dokumentarfilm „Utbüxen kann keeneen“ zeigt Bestattungskultur in Norddeutschland, in den alten Traditionen, wie sie noch auf dem Lande gepflegt werden. Regie führten die Filmemacherinnen Gisela Tuchtenhagen und Margot Neubert-Maric, sie kommen aus Hamburg und machen seit 15 Jahren zusammen Filme. Sie wurden bei ihrer Recherche in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein fündig. Die beiden Regisseurinnen haben die Protagonisten einfach auf Platt reden lassen. Es sind Tischlermeister, Bestatter, Sargträger, Totenbitter und Totengräber. Die Dreharbeiten liefen 2014 und 2015, das Besondere in diesem Dokumentarfilm: Er wurde komplett auf Plattdeutsch gedreht. „Wir mussten auf Plattdeutsch unsere Fragen stellen, damit wir auch die Antworten auf Plattdeutsch bekommen“, sagt Margot Neubert-Maric. Erst später wurde der Streifen mit hochdeutschen Untertiteln ausgestattet. „Sonst würde der Film zu wenig Leute erreichen, das ist uns schon bewusst“, sagt Gisela Tuchtenhagen. „Wir haben viele jüngere Freunde, die sagten: Dann könnt ihr den Film ja gleich auf Spanisch machen, wir verstehen sowieso nichts.“ Also gab’s mit den Untertiteln einen Kompromiss.

So behielt der Streifen seinen norddeutschen Charme. „Wenn du Plattdütsch snacken kannst, bekummst di gliecks een ganz anderet Tovertruen to de Minschen“, sagt Anni Both, die auf der Hallig Hooge als Hebamme und Totenfrau tätig war. Ihr Lebensfazit: Sie hat die Menschen auf die Welt geholt, sie hat sie auch betreut, als sie von der Welt gingen. Anni Both starb kurz vor dem Ende der Dreharbeiten 2014, da schloss sich ihr Lebenskreis. „Das war bei den Dreharbeiten natürlich ein trauriger Moment“. sagt Gisela Tuchtenhagen.

Der Tod ist ein schwieriges Thema, aber auf Platt fällt eben alles ein bisschen leichter. Die Porträtierten sprechen über ihre Arbeit, über ihren Alltag und manchmal auch über ihre Gefühle.

Wie Heinrich Warnk eben. Der Tischlermeister und Bestatter erzählt aus seinem Leben, wie er von seinem Vater zum ersten Mal zur Einsargung geschickt wurde. Da war er 15 Jahre alt, von da an war der Umgang mit dem Tod Alltag. Heute blickt Heinrich Warnk gelassen auf sein Leben zurück, auch seinen eigenen Grabstein hat er schon aufgestellt, seine Frau starb vor drei Jahren. Im Dorf Woosmer gibt’s noch Zusammenhalt unter den Bewohnern, gemeinsam wird der Friedhof in Ordnung gehalten.

Es ist ein norddeutsch-nüchterner, aber auch sensibler Umgang mit dem Thema Tod. „Wir sind bei den Dreharbeiten reich beschenkt worden“, meinen Margot Neubert-Maric und Gisela Tuchtenhagen, die Arbeit mit dem Leuten war sehr erfüllend. Auch die erste Publikumsresonanz waren erfreulich: „Nach der Premiere haben uns Leute gesagt: Jetzt hab ich keine Angst mehr vor dem Tod“, so die Regisseurinnen. Denn: „Weglaufen kann keiner“ heißt ihr Film auf Hochdeutsch. Genau so sieht’s aus.

Thorsten Czarkowski

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