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Kultur „Nordlicht“: Gemalt mit Feuer und Fingern
Nachrichten Kultur „Nordlicht“: Gemalt mit Feuer und Fingern
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00:00 10.08.2018
Ahrenshoop

Am Himmel steht ein Blutmond. Nur zu diesem Mond führt eine Leiter, und der Himmel ist nicht sternenklar, sondern bewegt und vielschichtig aus lauter Blau- und Schwarztönen. Das Bild stammt von der Malerin Pirjo Niiranen. Zu sehen ist es im Dornenhaus in Ahrenshoop in einer sehr stimmungsvollen Ausstellung, die unter dem Titel „Nordlicht“ bis zum18.

Das Bild „Mond“ von Pirjo Niiranen im Dornenhaus. REPROS: M. SCHÜMANN
Raku-Gefäß von Claudia Craemer

November alte Bekannte zusammenführt.

Zum einen Claudia Craemer. Die Keramikerin versteht sich auf die japanische Raku-Technik, und die lange Liste mit Preisen, die sie gewann, deutet auf ihre Meisterschaft hin. Craemer lebt in Fischerhude, unweit des Künstlerdorfes Worpswede. Dorthin zog es die Ahrenshooper Galeristin Renate Löber nach der Wiedervereinigung. Nach mehreren Besuchen sprach die Bewohnerin des Ahrenshooper Dornenhauses die Fischerhuder Keramikerin an. Sie vereinbarten eine Ausstellung, und mit der Zeit wurde aus der Geschäftsbeziehung eine Freundschaft. In diesem Jahr, so Renate Löber, sei es an der Zeit für eine Ausstellung mit neuen Arbeiten gewesen.

Die Keramikerin brachte eine alte Freundin mit: Pirjo Niiranen. Die Künstlerin wurde 1950 in Finnland geboren. 1970 siedelte sie nach Deutschland über, zunächst nach Frankfurt am Main, ließ sich zur Künstlerin und Kunsttherapeutin ausbilden. Seit 1977 lebt sie in Bremen. Ihre Bilder leben von Farbflächen, die sie mit Händen auf die Leinwand aufträgt. Später ritzt sie feine Linien und Konturen in den Farbauftrag, so dass Formen und Zeichen erscheinen und die Flächen beleben und strukturieren. Die Naivität der Zeichnung entspricht den gefühlsbetonten Farbflächen, die einem emotionalen Kompass folgen. In dem Meer aus Blau-, Rot- und Gelbtönen sind Körper auszumachen, Figuren, die auf- und untertauchen. Auf gleicher Ebene bewegen sich angedeutete Boote, die als Bug oder Heck oder in ganzer Länge erscheinen. Symbole der Vergänglichkeit, aber auch der Reise. In ihrer Symbolik und in der Bewegtheit der Farbflächen harmonieren die Bilder von Niiranen mit den Oberflächen der Raku-Figuren Craemers (geboren 1954). Auf den ersten Blick möchte der Betrachter sie für Werke ein und derselben Künstlerin halten. Die japanische Raku-Technik, bei der die rotglühenden Objekte per Schock abgekühlt werden, ist bekannt für die schwarze Außenhaut der Gefäße. Diese kennzeichnet als Grundierung die Figuren Craemers, aber die Keramikerin belässt es nicht dabei. Vielmehr bearbeitet sie die Objekte weiter mit kupferoxydhaltiger Glasur, setzt sie erneut der Hitze eines Schwelbrandes aus und erzeugt einzigartige, farbig-schillernde Effekte, jedes Gefäß ein Unikat. Wo Niiranen mit Fingern malt und gewollte Unschärfen erzeugt, lässt Craemer das Feuer malen. Auch sie setzt auf archaische Formen. Ihre Gefäße, Vasen, Töpfe wirken wie extrem reduzierte Urformen. Mehrere Objekte haben eine Art Kreuzform – japanischen Wächter-Figuren abgeschaut.

Matthias Schümann

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