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Kultur Nur Show – Künstlergruppe provozierte AfD-Politiker
Nachrichten Kultur Nur Show – Künstlergruppe provozierte AfD-Politiker
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00:00 06.12.2017
Jenni Mole und Morius Enden vom ZPS haben am Bau der „Denkmal-Außenstelle“ in Thüringen mitgewirkt. Quelle: Foto: Florian Boillot/davids
Erfurt

Ein paar Kameras, billige Trenchcoats, geschickt gemachte Internetvideos: Damit haben die Kunst-Aktivisten vom Zentrum für politische Schönheit (ZPS) den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke und seine Unterstützer bis hin zum Erfurter Landtagspräsidenten Christian Carius (CDU) in eine Falle gelockt. Das ZPS hatte Höcke nicht nur einen verkleinerten Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals in den Nachbargarten gestellt, sondern auch den Eindruck erweckt, Höcke sei über Monate flächendeckend ausspioniert worden. Höcke nannte das ZPS darauf „terroristische Vereinigung“ und zeigte sich tief getroffen von der Vorstellung, dass intime Bilder von ihm entstanden sein könnten.

Carius verteidigte Höcke im Landtag: Abhören und Ausspionieren von Abgeordneten und ihren Familien gleiche „Zersetzungsmethoden der Staatssicherheit“.

Doch nun sagt Philipp Ruch, der künstlerische Leiter des ZPS: Alles war nur eine Inszenierung. Mikrofone: nie im Einsatz. Die Trenchcoats: von Penny. Überwachung mit Teleobjektiven: gestellt. Ja, man sei Höcke vom Landtag in sein Erfurter Hotel nachgefahren und habe dort eine Kamera deponiert – aber nur kurzzeitig. Die Bilder von seinem Urlaubsort gingen auf ein Facebook-Video zurück, das Höcke selber gepostet habe. Das Einzige, was wirklich stimme, sei die Geschichte mit der Papiertonne. Die habe Höcke Hunderte Meter von seinem Grundstück weggerollt, dann haben die Aktivisten sie ins Auto geladen. Die Tonne sei inzwischen dem Abfallbetrieb zurückgegeben worden, zusammen mit einer Spende von 8,40 Euro für entgangene Wertstoffe. „So hat auch das alles seine gute deutsche Ordnung“, sagt Ruch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Er räumt ein, dass ZPS-Mitglieder vereinzelt Höcke hinterhergefahren seien, etwa am 20. April. „Wir waren sehr gespannt, zu sehen, was er an Hitlers Geburtstag tut“, sagt Ruch. Aber geheimdienstliche Überwachung? Dazu hätten einfach die Leute gefehlt, meint er.

Künstler tun also das, was Künstler tun – kostümieren sich, spielen eine Rolle. Die ZPS-Künstler tun darüber hinaus das, was Journalisten tun würden, sammeln Informationen, beobachten. Geheimdienst- Methoden aber existieren nur in den Köpfen von Höcke und Carius, sie speisen die AfD-Empörungsmaschine und führen zu Moraldebatten im deutschen Feuilleton. Alles ohne Beweise.

Jan Sternberg

OZ

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