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„O'zapft is“: 184. Oktoberfest hat begonnen

Wiesn 2017 „O'zapft is“: 184. Oktoberfest hat begonnen

Erst Regen, dann Bier in Strömen - das Münchner Oktoberfest beginnt trotz miesen Wetters entspannt und fröhlich. Tracht: Weiter angesagt. Sicherheit: Keine Zwischenfälle. Wahlkampf: Auf der Wiesn offiziell kein Thema.

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Der Andrang war groß. Viele Gäste waren schon lange vor 9:00 Uhr gekommen.

Quelle: Peter Kneffel

München. Schon Fünf vor Zwölf - da zieht Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in die Anzapfboxe auf dem Oktoberfest ein. Das Thema Sicherheit hält die Verantwortlichen bis kurz vor dem Start des größten Volksfestes der Welt am Samstag auf.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Ehrengast beim Anstich, hatte noch ein Gespräch mit den Sicherheitskräften. „Ich habe mich noch mit der Polizei unterhalten vorher. Ich habe ja noch mehrere Amtsgeschäfte zu führen - die Sicherheit der Wiesn ist ein ganz wichtiger Punkt“, sagt er. Reiter, der auf den Ministerpräsidenten gewartet hatte, scherzt: Seehofer habe sich beim Einzug in der Kutsche bei nasskaltem Herbstwetter entweder einfach mehr Zeit gelassen - „oder er hat die langsameren Pferde gehabt“.

Um Punkt Zwölf, während draußen der Regen versiegt, fließt drinnen dann das Bier: Mit zwei Schlägen zapft Reiter das erste Fass Bier an - und stößt mit Seehofer auf eine friedliche Wiesn an. Das ist der größte Wunsch aller: dass nichts passiert.

„Das Menschenmögliche dafür ist getan“, sagt Seehofer. „Im übrigen sollten die Leute gelassen und fröhlich die Wiesn feiern, nicht ständig an die Probleme des Alltags denken - sondern diese Wiesn als Wohlfühltermin wahrnehmen.“ Auch der Oberbürgermeister sieht die Wiesn sicher. „Ich bin jeden Tag draußen und mache den Livetest - ich habe auch keine Angst.“

Die Gäste lassen sich weder von den nochmals verschärften Sicherheitsvorkehrungen noch vom schlechten Wetter abhalten. Teils noch bei Dunkelheit haben sie bei Kaffee, Bier und Brotzeit unter Regenschirmen auf die Öffnung des rundum abgesperrten Geländes gewartet. Die meisten kommen festlich in Tracht - der Trend zu Dirndl und Lederhose scheint ungebrochen. Wer noch kein entsprechendes Outfit hat, kann sich auf dem Weg zum Volksfest noch schnell damit eindecken.

Begrüßt über die neue Lautsprecheranlage - die auch ohne Verspätungsdurchsage ein bisschen Bahnhofsstimmung verbreitet - stürmen um 09.00 Uhr die Gäste nach stundenlangem Warten aufs Gelände, um sich einen Platz im Bierzelt zu sichern. Zuvor sind die letzten Lieferwagen vom Festgelände gerollt. Die Entzerrung von Lieferverkehr und Besucherströmen ist eine Konsequenz aus den Anschlägen mit Lkw unter anderem in Nizza, Berlin, London und Barcelona. Den Endspurt des Wahlkampfes sehen Sicherheitsexperten grundsätzlich als zusätzliches Risiko.

Parteiengeplänkel zum Stimmenfang allerdings ist auf der Wiesn tabu - politikfreie Zone. „Wir machen auf der Wiesn keinen Wahlkampf“, sagt Reiter. Dass der SPD-OB, der jedes Jahr eine andere Farbe trägt, ausgerechnet dieses Jahr in einer roten Weste anzapft, liegt an seiner Frau Petra - die selbst im roten Dirndl kommt und für die Garderobe zuständig ist. Sie habe beim Einkauf allerdings kein parteipolitisches Kalkül im Kopf gehabt, sagt sie. Auch Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, wählt spontan Rot: „Ich dachte, mit Rot kann ich nichts falsch machen“, sagt Rinderspacher. „Rot ist die Farbe der Liebe.“

Lediglich Claudia Roth von den Grünen bekennt - wenn auch nur ganz klein - parteipolitisch Farbe: „Darum Grün“ stand auf einem Mini-Wiesnherzl auf ihrer Brust. „Das große grüne Herz strahlt sowieso über alles“, sagt sie.

An Prominenz jenseits der Politszene feiern dieses Jahr Roberto Blanco, Florian Silbereisen und Patrick Lindner mit, Anzapf-Stammgast Heino wird hingegen zunächst nicht gesichtet.

Die Berliner Politprominenz fehlt weitgehend. 2002 war einmal Angela Merkel zur Oktoberfest-Eröffnung gekommen, als CDU-Chefin, noch nicht als Kanzlerin. Der Wiesnstart fiel damals sogar auf den Tag vor der Bundestagswahl. Warum Merkel damals im roten Kleid kam, ist bis heute ungeklärt.

dpa

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