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00:04 09.05.2018

„Wem etwas an der Aufklärung liegt, der sollte rausgehen und den Leuten erklären, dass es eine Zukunft gibt.“ Mit diesen Worten schließt Lukas Bärfuss einen Text, den er „Futurologie“ überschrieben hat. Er schließt ihn mit einer Art Aufruf, weil die einen „die Zukunft aus der Gegenwart“ geräumt haben, „damit die anderen sie mit dem Plunder der Vergangenheit möblieren können“.

Dramatiker, Romancier, Essayist – der Schweizer Autor Lukas Bärfuss (47). Quelle: Foto: Paula Ribas/dpa
Lukas Bärfuss: Krieg und Liebe. Essays. Wallstein Verlag; 294 Seiten, 22 Euro

Und weil ihm, dem 1971 in Thun in der Schweiz geborenen Dramatiker und Romancier, Aufklärung wichtiger ist als Predigt oder Effekt. Dies zeichnet seine Essays aus, die unter dem Titel „Krieg und Liebe“ erschienen sind und deren Themen sich grob unter Politik, Sprache, Theater, Europa und Schweiz zusammenfassen lassen. Wobei er eine Linie zwischen Vergangenheit und Zukunft zieht, den Stift ansetzend in der Gegenwart.

Die Texte sind zwischen 2014 und 2018 entstanden, einige erscheinen zum ersten Mal. Die Form des Essays erweist sich als die richtige, um nicht zuletzt Zerstreuung, zuerst jedoch Anregung zu erfahren. Oft auf den zweiten Blick spielerisch verbindet Bärfuss Stil, Wissen und Weltanschauung, gleicht das Konkrete der Erfahrung mit dem Allgemeingültigen ab und findet vom Nach- zum Vordenken und dabei zu einer Sprache, die für einen 46-Jährigen erstaunlich gediegen wirkt. Das liegt vielleicht am Verzicht auf Reflexe, an der Abwesenheit von Ungenauigkeiten.

„Ich glaube, unsere Generation muss sich entscheiden. Und sich entscheiden heißt, politisch zu werden“, gibt er in einer „Rede an junge Journalisten“ auf den Weg. Warum, das steht (auch) in jener „Dresdner Rede“, zu der er 2017 ins Staatsschauspiel geladen war und die „Am Ende der Sprache“ hieß. Womöglich hatte die Einladung seinem Text „Suissemania. Oder Die Schweiz ist des Wahnsinns“ zu verdanken, der in „Krieg und Liebe“ zu finden ist und in dem er 2015 über den Rechtsruck in seiner Heimat schrieb: „Was die Schweiz von Ländern wie Frankreich und Österreich unterscheidet, sind die 3,6 Milliarden Privatvermögen, über die der Extremismus hierzulande verfügt.“ Die Vernunft sei nicht tot, doch „sie schläft einfach sehr, sehr tief“.

Was das betrifft, gibt es enge Verbindungen zu Deutschland, Sachsen, Dresden. Schreibt Lukas Bärfuss über das eigene Arbeiten, er fühlt sich der „Gemeinschaft der Erzähler“ angehörig, deren „Grundgesetz die Poesie“ ist, verpackt er seine Erfahrungen, seinen Anspruch in der Möglichkeit, gemeinsam mit anderen eine Erfahrung zu machen. Damit tut er genau das, worin er das utopische Potenzial und den Widerstand des Theaters sieht. Mit der Freude am treffenden Wort, am Glanz der Sprache aus ihrem Inneren heraus vergrößert er die eigenen Gedanken, macht das Denken zum Ereignis und zieht auch in diesem nach „Stil und Moral“ (2015) zweiten Essayband den Vorhang beiseite, um den Blick freizugeben auf eine Bühne der Menschen und der Menschlichkeit. „Ich will offen bleiben, veränderbar“, schreibt Lukas Bärfuss und ermöglicht genau das seinen Lesern.

Janina Fleischer

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