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Ohrwürmer und Liebeskummerlieder

Lübeck Ohrwürmer und Liebeskummerlieder

„Musik sein“ von Wincent Weiss gehört zu den erfolgreichsten Songs der vergangenen Monate / Nun präsentiert der aufstrebende Popstar aus der norddeutschen Provinz sein erstes Album

Berlin. Das Originellste an Wincent Weiss mag die Schreibweise seines Vornamens sein. Doch egal: „Musik sein“ heißt sein erster großer Hit. Wer „Irgendwas gegen die Stille“, das neue Album des Popsängers, gehört hat, ahnt: Es wird nicht sein letztes gewesen sein. Ab Freitag ist es in den Läden zu haben.

Den einen oder anderen kleinen Nachteil bringt sie schon mit sich, so eine Karriere als aufstrebender deutscher Popstar. „Die Plattenfirma bat mich, mit dem Skateboard ein bisschen aufzupassen“, sagt Wincent Weiss. Ausgerechnet jetzt, wo auch sein bester Freund, mit dem er früher immer geskatet ist, nach Berlin gezogen ist – Wincent selbst, der aus Eutin stammt, lebt schon seit gut einem halben Jahr in der Hauptstadt. „Alle paar Monate schaffen wir es hoffentlich noch, eine Runde miteinander zu boarden, aber insgesamt sind gerade andere Sachen in meinem Leben wichtiger.“

Weiss fährt auch Snowboard, spielt manchmal Fußball und hat früher viel Kampfsport gemacht. Er wird es verschmerzen, dass die sportliche Aktivität momentan etwas eingeschränkt ist. Denn was der attraktive 24 Jahre alte Junge aus Ostholstein in jüngster Vergangenheit als Sänger und Songwriter an den Start gebracht hat, ist mehr als bemerkenswert.

„Musik sein“, seine erste eigene Single, zählt nicht nur zu den erfolgreichsten, sondern ganz sicher auch zu den eingängigsten Songs des vergangenen Jahres, aus jedem Radiosender schallte (und schallt) einem die flotte Liebesbekundung an die Musik als solche entgegen. Ähnlich wie etwa „Auf uns“ von Andreas Bourani (mit dem Wincent Weiss bereits tourte) ist „Musik sein“ einer dieser Ohrwurmsongs, wie sie nur ein-, zweimal im Jahr auftauchen. „Das ist ein großes Glücksgefühl, das dieses Lied in mir ausgelöst hat“, sagt Weiss. Entstanden sei das Stück eher nebenbei, „aber irgendwie scheint das Gesamtpaket gut anzukommen.“

Will heißen: Der Song geht ins Ohr, der Typ ist sympathisch, alles passt. Doch Weiss kann mehr, als nur radiofreundliche Hymnen zu singen. Auf „Irgendwas gegen die Stille“, seinem in akribischer Detailarbeit über einen Zeitraum von zwei Jahren entstandenen Debütalbum, gibt es auch ruhige Momente. „Wenn mir die Worte fehlen“, „HerzLos“ oder „Ein Jahr“ sind erstklassige Liebeskummerlieder.

Weiss: „Eine frühere Beziehung hängt mir ziemlich nach. Es ist schön, wenn man in Songs verarbeiten kann, was einen bedrückt. Inzwischen habe ich ganz gut damit abgeschlossen, das Leben geht weiter.“

Was man dem beat-orientierten aktuellen Hit „Feuerwerk“ auch gut anhören kann. „Wir wollten, dass das Album viele Facetten und Richtungen hat, dazu gehört für mich neben der Melancholie unbedingt auch Lebensfreude.“

Das Leben genießen, die Liebe besingen, Ex-Partner betrauern: Das bewährte und von Fernsehsatiriker Jan Böhmermann zuletzt mit Witz analysierte Erfolgsrezept deutscher Popsänger nutzt auch Weiss. Das dürfte bei den Radiosendern zünden, ähnlich wie bei Max Giesinger oder Tim Bendzko, mit denen Weiss beim diesjährigen Echo aufgetreten ist.

Ein kompletter Neuling ist Wincent freilich nicht mehr. Im Jahr 2013 nahm er an „Deutschland sucht den Superstar“ teil und kam unter die letzten 30, zwei Jahre später gelang dem Musiker, der schon seit Jahren Coversongs auf Youtube hochlädt, ein Überraschungshit mit „Unter meiner Haut“, im Original von Elif, und nun bearbeitet vom DJ-Duo „Gestört aber Geil“. Das Elektrolastige sei sein Ding aber nicht, Wincent steht eher auf handgemacht klingenden Pop. Privat allerdings hört er erstaunlicherweise ausschließlich Heavy Metal, habe aber, so sagt er, leider nicht die passende Stimme, um den Metal-Shouter zu geben.

„Meinen Job als Restaurantleiter in München und den Plan, BWL zu studieren, habe ich erst einmal aufgegeben“, erzählt er. „Es läuft einfach zu gut, um mich nicht hundertprozentig auf die Musik zu konzentrieren.“

Das Album „Irgendwas gegen die Stille“ erscheint morgen, am 14. April, bei Universal

Was für eine Nacht Bin mit ’nem Schädel

aufgewacht

Gieß den Kaffee wie

in Zeitlupe ins Glas Dem „Wenn du magst, kannst du noch bleiben“

Folgt ein unsicheres

Schweigen

Du schließt die Tür, es wird still ich schau dir nach Und mit dir Trompeten, Geigen und Chöre.

Irgendwas gegen

die Stille hier

Dann Paukenschläge auf Trommelwirbel Und ein leises Klavier.

Ey da müsste Musik sein

Überall wo du bist

Denn wenn es

am schönsten ist

Spiel es wieder und wieder

Ey da müsste Musik sein Wo auch immer du bist

Denn wenn es

am schönsten ist

Und wenn es am schönsten ist . . .

Aus „Musik sein“ von Wincent Weiss

Steffen Rüth

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