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„Olle Klamotten will niemand mehr hören“

Rostock „Olle Klamotten will niemand mehr hören“

Niederdeutsch-Autor Wolfgang Mahnke erhält den Sprachpreis des Landes

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Plattdeutsch-Autor Wolfgang Mahnke in seinem Arbeitszimmer in der Rostocker Südstadt.

Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Rostock. Plattdeutsch spricht Wolfgang Mahnke, seit er denken kann. Die Schriftsprache hat er sich erst mit über 50 Jahren angeeignet, um seine Gedanken auch für andere zu Papier zu bringen. Humorvoll und pointiert greift er aktuelle Themen des Alltags auf – vom Smartphone bis zu politischen Aspekten – und versieht sie mit seiner eigenen Note. Heute erhält der 80-jährige Niederdeutsch-Autor und Fritz-Reuter-Literaturpreisträger im Rostocker Bauernhaus Biestow den Sprachpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Wer denkt, das Plattdeutsche sei angestaubt und altbacken, hat noch keinen Text von Wolfgang Mahnke gelesen. Aber OZ-Leser kennen es von Mahnke anders, der seit 2006 heitere plattdeutsche Betrachtungen für die OSTSEE ZEITUNG schreibt. „Die Sache mit Humor und Satire angehen und beschreiben, was uns heute bewegt, das ist das Entscheidende“, sagt er. „Olle Klamotten will niemand mehr hören.“

Und das beherzigt der energiegeladene Mann mit den wachen Augen: Statt sich lediglich der Vergangenheitsliteratur wie Fritz Reuter zu widmen, lässt er sich in erster Linie von modernen Autoren inspirieren, wie den Rostockern Kurt Dunkelmann (1906-1983) oder Fritz Meyer-Scharffenberg (1912-1975). „Fritz Reuter ist einer der besten Schriftsteller, die wir haben, aber das kann man heute niemandem mehr anbieten. Viele Wörter werden inzwischen im Plattdeutschen gar nicht mehr verwendet“, weiß Mahnke. Witzige Wortneuschöpfungen „up platt“ wie „Ackersnacker“ für Mobiltelefon sind daher ganz in seinem Sinn – auch wenn er sie nicht selbst kreiert hat. „Modernes, ein bisschen Satire mit rein, dann gewinnen wir auch wieder Leser“, ist sich Mahnke sicher.

1937 in Malchin geboren, studiert er nach dem Abitur in Rostock Meeresbiologie. Als Student, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Expeditionsleiter fuhr er mehr als 30 Jahre zur See – vorwiegend auf dem Fischereiforschungsschiff „Ernst Haeckel“. „Auf See habe ich angefangen, plattdeutsche Gedichte und Geschichten zu schreiben, das war Ende der 60er Jahre“, erinnert sich Mahnke. Darin verarbeitet er seine Erlebnisse auf See und trägt diese an Bord vor. „Ich wollte testen, wie sie ankommen. Die Resonanz war sehr gut.“ Dass er später einmal Niederdeutsch-Autor wird, ahnt er da noch nicht.

Viele Jahre verschwinden seine Geschichten in der Schublade. Erst nach der Wende werden sie wieder herausgekramt, als Mahnke seinen Job verliert und 1993 in den Ruhestand gehen muss. „Ich war erst 55 Jahre alt und wollte irgendwas machen, da kam mir die Idee mit dem Plattdeutschen“, erinnert er sich. Er zeigt die Texte einem guten Freund, der Niederdeutsch-Lektor ist. „Der musste mir erst mal beibringen, niederdeutsch zu schreiben“, verrät Mahnke. „Ich habe zwar auf Platt geschrieben, aber völlig falsch.“ Drei Jahre braucht Mahnke dafür. 2001 erscheint sein erstes Buch „Fischerie, Fischera, Fischerallala“. „Es lief so gut, dass es in drei Auflagen erschienen ist. Der Verlag wollte, dass ich weitermache, und so geht das bis heute“, sagt Mahnke.

Elf Bücher mit Geschichten und Reimschwänken, sogenannten Läuschen, sowie eine CD sind beim Khs-Verlag Stavenhagen und beim Rostocker Hinstorff Verlag erschienen. Rund 55 Lesungen absolviert er pro Jahr. „Nach 1,5 Stunden Lesung weiß ich, was ich getan habe“, sagt Mahnke. Das mag an seiner Vortragsweise liegen. „Ich habe früher gern geschauspielert und in einer Laienspielgruppe agiert“, verrät er. Das kommt ihm nun zugute.

Zu seinen Zuhörern gehören auch junge Leute, wie er nicht ohne Stolz bemerkt. Neben den modernen Inhalten ist es sicher auch der Enthusiasmus, der ansteckt. Denn seinen 80 Jahren zum Trotz – ans Aufhören denkt Mahnke noch lange nicht. „Ich bin voller Tatendrang und habe noch viele Ideen für Geschichten im Kopf. Solange ich die ordentlich vortragen kann, mache ich weiter“, sagt er.

Ehrenvorsitzender des Bundes Niederdeutscher Autoren

Wolfgang Mahnke ist seit 1998 Mitglied im Bund Niederdeutscher Autoren, von 2000 bis 2012 war er Vorsitzender, seit 2012 ist er Ehrenvorsitzender. Mahnke erhielt den Fritz-Reuter-Literaturpreis.

Der Autor setzt sich für die Bewahrung der hoch- und niederdeutschen Sprache als

„Kulturgut“ und gegen die Verwendung von Anglizismen in der deutschen Sprache

ein.

Der Sprachpreis des Landes wird vom Verein Deutsche Sprache (Regionen Nordost und Schwerin-Parchim) und dem Heimatverband MV verliehen. Schirmherrin ist Bildungsministerin Birgit Hesse.

Stefanie Büssing

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