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Kultur Opa Hellmuth erzählt ‘nen Witz
Nachrichten Kultur Opa Hellmuth erzählt ‘nen Witz
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00:00 27.03.2014
Hellmuth Karasek (80) in der Rostocker Buchhandlung Hugendubel. Quelle: Frank Hormann
Rostock

Kennste den? „Ein älterer Herr beim Arzt: ‘Herr Doktor, nach dem Sex habe ich immer ein Pfeifen im Ohr.‘ Sagt der Arzt...“

Ach nee, lassen wir das. In fast jeder Familie gibt es einen Opa, der gern Witze reißt. In der deutschen Literaturfamilie heißt dieser Opa Hellmuth Karasek (80). Zu einer Lesung aus seinem Buch mit dem seltsamen Titel „Frauen sind auch nur Männer“ hatte der Ex-Sidekick eines Literaturpapstes in die Rostocker Buchhandlung Hugendubel geladen. 240 Gäste folgen dem Ruf trotz Regens vor der Tür. Der Anfang gerät ansprechend und der Hobbycomedian beweist charmanten Humor, als er aus dem Struwwelpeter rezitiert, über den Autor Heinrich Hoffmann erzählt, und trocken fragt, ob es nun genug der Tonprobe sei. Auch seine Geschichte vom vertauschten Koffer am Berliner Flughafen als Grund für sein verlottertes Turnschuhwerk und die Erinnerung an ein Literarisches Quartett, bei dem er fast mal in versifften Tennissocken auftrat, weil er seine seidenen schwarzen vergessen hatte — Karasek hat durchaus Mutterwitz.

Es folgen gelungene Beispiele des jüdischen Witzes. Karasek liebt den jüdischen Witz, warum auch nicht, der ist ja Klasse, und was bleibt einem übrig, wenn man sein halbes Berufsleben an der Seite von Reich-Ranicki verbringt. Aber dann reißt der Mann fast zwei Stunden am Stück Witze und meint das todernst! Dazwischen piept sein Handy, und es stört die Frequenz des Mikros, was äußerst witzig ist, da das Publikum anfangs erfuhr: Handys aus! „Das ist eine Lesung und keine Telefonzelle!“ Karaseks Witzniveau changiert zwischen „Kommt ‘ne Frau zum Arzt“ bis „Jesus und Gott spielen Golf“, wird gern anzüglich — Busen, Schlüppis, Sex sind wesentliche Elemente — und wird mit einem literaturwissenschaftlichen Futteral über das Wesen des Witzes und Freuds Überich unterlegt, um diesem Kalauer-Karaoke einen intellektuellen Anstrich zu liefern. Mario Barth für Literaturfans mit Abi. So endet mal ein profunder Germanist als Altherrenwitz der Literaturgeschichte.

Schon bei seiner Zusammenarbeit mit Eckart von Hirschhausen („Ist das ein Witz?“) war das kein Upgrade für den Komiker, sondern eher ein Aufputschmittel aus der Medizincomédie. Ach, was der Arzt anfangs antwortete? „Was haben Sie erwartet? Standing Ovations?“ Tja, den erzählt Karasek auch gern im Fernsehen.



Michael Meyer

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