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Open-Air in Rostock: Drei Schatzsucher im Goethe-Rausch

Rostock Open-Air in Rostock: Drei Schatzsucher im Goethe-Rausch

Drei Stunden Goethe, nur unterbrochen durch ein Bier-, Wein- und Grillpäuschen: Was die Compagnie de Comédie diesmal unter dem Titel „Goethes sämtliche Werke . .

Rostock. Drei Stunden Goethe, nur unterbrochen durch ein Bier-, Wein- und Grillpäuschen: Was die Compagnie de Comédie diesmal unter dem Titel „Goethes sämtliche Werke

. . . leicht gekürzt“ als Open-Air-Premiere im Rostocker Klostergarten anbietet, klingt etwas anstrengend. Ist es aber gar nicht – und ist auch nicht plumper Klamauk ; dem vergnügten Premierenpublikum am Donnerstagabend verging die Zeit dabei wie im Fluge.

Möglich machen das hier drei Herren, die auf den Spuren des berühmtesten deutschen Dichters wandeln, der bekanntlich auch Landespolitiker, Naturwissenschaftler und Theaterintendant war. Die Schauspieler Christoph Gottschalch, Eugen Krößner und Peer Roggendorf nehmen dem Publikum zunächst die (in der Schule erlernte) Angst vor der unüberschaubaren Fülle und Größe des Goetheschen Werkes, machen sich über Klischees und falsche Ehrfurcht lustig und kommen so zum echten, fröhlichen, selbstbewussten Respekt gegenüber einem Meisterwerk, das zu lesen und zu spielen sich auch nach Jahrhunderten noch immer lohnt.

Dabei spielen sich die drei Akteure – ausprobierend, persiflierend, extemporierend und gar kritisierend, vor einer Kulisse aus Werkarchiv-Kisten, durch zahllose Figuren der Stücke des Meisters und seines Lebens, von Faust bis Iphigenie. Dazu Lästern über Frau von Stein oder Pinkeln mit Großherzog Karl August. Oder die Drei singen, ja rappen über Goethes Leben. Oder über seine Frauen. Gab’s die wirklich? Und überhaupt: „Hadder, hadder, hadder oder hadder, hadder nich?“ Wer? Na der „Göüde“ – mit den Frauen im Bett und so ... Manfred Gorrs Inszenierung findet stets aus flotten Späßen und witzigen Regieeinfällen zurück zu Sinnfragen aus Goethes Leben und Werk – dieses Pendeln hält bis zum Schluss ein geschicktes Maß.

Die Rostocker Compagnie konnte am Erfolg der im September 2015 in Hamburg Altona uraufgeführte Komödie von Michael Ehnert anknüpfen. Der hat einfach die Idee dreier Amerikaner aus den 80er Jahren auf deutsche Literatur angewandt, allerdings besser als die mit ihrem Klamauk „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ (1987). 2009 hatte Ehnert so bereits Schiller parodiert.

Dietrich Pätzold

Nächste Vorstellung: 10. Juni, Klostergarten Rostock, vorher dort auch andere Sommer-Theaterprojekte.

OZ

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