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Paris möbelt das verschmähte Hallenviertel auf

Paris Paris möbelt das verschmähte Hallenviertel auf

Das frühere Pariser Marktviertel „Les Halles“ hat einen zweifelhaften Ruf. Ein gewagter Neubau soll die Gegend wiederbeleben - mit Luft, Licht und Baumwipfel-Atmosphäre. Doch ähnliche Versprechungen gab es schon einmal.

Paris. Lange hat es gezwickt in der Pariser Bauchgegend. Das alte Marktviertel im Zentrum, von Nationalschriftsteller Emile Zola einst als „Bauch von Paris“ beschrieben, ist eine Gegend von zweifelhaftem Ruf.

Das in den 1970er Jahren dorthin gedonnerte Einkaufszentrum nahmen die Pariser nie so recht in ihr Herz auf. Nun soll ein waghalsiger Neubau „Les Halles“ zu einem neuen Wahrzeichen von Paris machen: ein mehr als zwei Fußballfelder großes, lamellenartiges Glasdach, luftig und lichtdurchlässig. Am Dienstag (5. April) wird der lange umstrittene Neubau eingeweiht.

„Es könnte korrigieren helfen, was einige als die schlimmste Planungsentscheidung sehen, die Paris je getroffen hat“, kommentierte das auf Stadtplanung spezialisierte amerikanische Online-Portal „CityLab“. Der Autor meint den Abriss der alten Pariser Markthallen ab 1971, die noch unter Napoléon III. errichtet worden waren und die Kulisse für Zolas Roman boten. In der Folge trieben Arbeiter das „Loch von Les Halles“ in die Erde, für den laut Betreiber meistfrequentierten Tiefbahnhof der Welt.

Châtelet-Les Halles ist heute bei Paris-Touristen berühmt-berüchtigt für seine labyrintartigen Tunnel. Fünf Metrolinien und drei Vorortzüge kommen dort zusammen, es ist der zentrale Umsteigeort der Stadt, der Magen ist zum Herzen geworden. Was kann man über ein solches unterirdisches Monstrum mit täglich 750 000 Fahrgästen setzen, das noch dazu keinen Tag stillgelegt werden kann?

Architekt Patrick Berger kritzelt eine Ansammlung von Baumkronen auf ein Blatt Papier. „Ich habe mir einen Platz in der Mitte der Stadt vorgestellt, der bewaldet ist“, erzählt er. Daraus entstand die Idee der „Canopée“, dem „Blätterdach“, wie die geschwungene Fläche aus 18 000 Glasplatten genannt wird, die wie ein Blätterdach Regen auffangen, aber Wind durchlassen soll. Wer aus den Tiefen der Station hervorsteigt, blickt künftig ins Licht. Die beige Färbung des Glases soll dafür sorgen, dass der Effekt auch beim für Paris typischen grauen Himmel leidlich funktioniert. Berger und sein Partner Jacques Anziutti sprechen von einem „Aufstieg nach Paris“.

Unter das Dach sind unter anderem ein Musikkonservatorium, eine Mediathek und das Kulturzentrum La Place geschlüpft, das komplett der Hip-Hop-Kultur gewidmet ist. „Selbst in New York haben sie das nicht“, schwärmte Direktor Jean-Marc Mougeaot jüngst vor Journalisten. Die Kultureinrichtungen sollen dem Gelände Leben einhauchen: Der beigeordnete Bürgermeister Bruno Julliard hofft auf die Entstehung einer „echten Gemeinschaft“. Die Wahl des Hip-Hop dürfte kein Zufall sein, ist der Ort doch ein wichtiger Anlaufpunkt für Jugendliche aus den Vorstädten, wenn sie nach Paris fahren - ein „Ort der Banlieue in Paris“, wie es ein französischer Journalist einmal formulierte.

Die unterirdische Stadt darunter bleibt, wird aber auch renoviert oder hat ihre Rosskur zum Teil bereits hinter sich. Das dreistöckige Einkaufszentrum wird vergrößert, statt zuletzt gut 33 Millionen Besucher im Jahr will der Betreiber künftig bis zu 40 Millionen Menschen anlocken. Das Projekt, von französischen Medien gern mit dem Adjektiv „pharaonisch“ versehen, hat länger gedauert und mehr gekostet als geplant, mehr als eine Milliarde Euro werden es am Ende sein.

Bleibt abzuwarten, ob die Hoffnungen der Planer aufgehen. Anwohner hatten den Neubau skeptisch gesehen, hatte doch schon der damalige Pariser Bürgermeister Jacques Chirac mit der Errichtung seines Forum des Halles 1979 versprochen, neues Licht ins Dunkel zu bringen - das Ergebnis ist bekannt. Die Association Accomplir beäugt denn auch heute noch jeden Schritt der Bauarbeiten kritisch und bemängelt bereits, die als so leicht angekündigte Konstruktion sei am Ende doch recht massiv ausgefallen. Und noch dazu sind die Arbeiten längst nicht vorbei: Die Renovierung des Bahnhofs steht erst am Anfang.

dpa

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