Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Paukenschlag zur Spielzeiteröffnung
Nachrichten Kultur Paukenschlag zur Spielzeiteröffnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 11.09.2018
Szene aus dem Ballett „Die Träume des sinnreichen Junkers Don Quijote de la Mancha - Ritter von der traurigen Gestalt“. FOTOS (2): CHRISTIAN ROEDEL
Greifswald

Das ist doch endlich mal ein großartiges Format! Eine Bühnenshow zur Spielzeiteröffnung. Ein Paukenschlag und alle sind wach! Deutlicher kann das Theater gar nicht kundtun, dass es wieder da ist. Nach so langer Abstinenz konnte das Greifswalder Publikum am Samstagabend nicht an sich halten. Dabei sollte es seine Kräfte schonen. Denn sie wird ein Marathon, die nächste Spielzeit. Soviel steht fest. Intendant Dirk Löschner und Musikdramaturgin Katja Pfeifer führten launig durch das fast dreistündige Programm und servierten Szenen aus allen Sparten des Hauses wie kleine Appetithappen, Szenen, die einen Ausblick auf die Saison gaben.

Mit einer furiosen Bühnenshow ist das Theater Vorpommern in die Saison gestartet

Los geht's mit der Fledermaus in zwei Wochen. Eine komische Operette von Johann Strauß. Die ist wirklich so unglaublich komisch, da kommen auch Leute auf ihre Kosten, deren Motto bisher immer war: Operetten find ich eigentlich blöd! Vorausgesetzt, die ist gut gemacht. Und das werden wir ja sehen.

„Kunst“ von Yasmina Reza ist eine Komödie, die alle lieben werden, denen der Zugang zu zeitgenössischer Kunst bisher fehlte. Mit der Tragödie „Antigone“ kommt antiker Stoff auf die Bühne.

Japanisch wird es mit „Die Frau in den Dünen“, einem Schauspiel von Kai Grehn, Literaturpreisträger des Landes 2016. Im Oktober wird wird's russisch mit „Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow. Das Stück, auf das Schauspielchef Reinhard Göber schon seit Langem hinwies. Das Warten gehört aber irgendwie ins Regie-Konzept. Denn nichts Anderes tut die gelangweilte Sippe auf dem Landgut der Familie Ranjewskaja. Sie wartet. Darauf, dass sie kommt, die Ranjewskaja, darauf, dass alles so wird wie früher. Denn: „Früher war alles besser!“

Das ist auch das Motto der ganzen Spielzeit. Für Dirk Löschner birgt diese Floskel den Hinweis auf eine historische Auseinandersetzung in dem Europa unserer Zeit. Wie soll es denn werden, wenn es früher alles besser war? „Über drei Spielzeiten werden wir die Auseinandersetzung unserer Zeit begleiten. Am Ende steht die Frage nach einer neuen Utopie. Einem neuen Miteinander in Europa!“ so Löschner.

Aber nichtsdestotrotz waren zum Beispiel früher auch Märchenfilme besser. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ schafft es deshalb endlich auch auf die Bühne – als Weihnachtsmärchen. Das Ballett Vorpommern wird „Weihnachten“ vertanzen. Denn auch Weihnachten war ja früher schöner. Aber das ändert jetzt Ralf Dörnen. Der Eingangschor des Weihnachts-Oratoriums ist auf der Bühne schon bejubelt worden. Im kommenden Jahr wird aber „Der Besuch“ die Ballett-Premiere der Saison. Die alte Dame besucht die Stätte ihrer Jugend. Bei Friedrich Dürrenmatt kommt sie in Begleitung eines Panthers und bringt vorsorglich einen leeren Sarg mit. Und der wird nicht leer bleiben.

Das Musiktheater wird Puccinis „La Boheme“ aufführen. Und es wird einen Geburtstagsabend geben. Mit der Operette „Wir gratulieren“ gratuliert das Theater Miecyslaw Weinberg zum 100 Geburtstag. Jaques Offenbach wird 200 Jahre alt. Zeit, seine gänzlich unbekannte Operette „Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl“ aus der Versenkung zu holen. Das Publikum war am Sonntag herzlich amüsiert über den Frisör und die Häuptlingstochter auf der einsamen Insel. Die Musiktheaterfreunde kommen auch noch mit einigen Musicals auf ihre Kosten. Open-Air auf der Ahoi-Bühne im kommenden Jahr: „Jesus Christ Superstar“.

Mit acht philharmonischen Abenden wird auch das Konzertpublikum eine erfüllende Spielzeit erleben. Es gibt Kammerkonzerte und Schülerkonzerte, Klassenzimmerstücke, viele große und kleine Kooperationen. Die größte wird wohl das „War Requiem“ im Oktober werden. Gemeinsam mit der Stettiner Oper und dem Musikheater Klaipeda. Aufgeführt wird es allerdings im Greifswalder Dom.

Und jetzt, wo die drohende Fusion vom Tisch ist, macht es auch irgendwie Spaß, mal mit der Neubrandenburger Philharmonie zusammen zu spielen. Da wird es auch ein Konzert geben. Neben all diesen brandneuen Gelegenheiten, gibt es viele Wiederaufnahmen, denn früher war es auch schön und es werden neue Gesichter auf der Bühne zu sehen sein. In allen Sparten.

Das Ballett der Vorpommernbühne hat gleich acht neue Tänzer und Tänzerinnen. Zu bestaunen sind sie am Freitag im Greifswalder Theater bei „Die Träume des sinnreichen Junkers Don Quichote de la Mancha, Ritter von trauriger Gestalt“.

Juliane Voigt

Der Künstler Feliks Büttner hat Verse von Joachim Ringelnatz illustriert

11.09.2018

Virales Eigenmarketing: Seit Mai lässt Bestseller-Autorin Charlotte Roche die Welt an ihrem Alltag teilhaben.

11.09.2018

Rostocker Punkrocker spielten vor 2000 Besuchern im Iga-Park / Gäste dabei: Sondaschule

11.09.2018