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Peace, Protest und Flüchtlinge bei den Oscars

Wie politisch wird es? Peace, Protest und Flüchtlinge bei den Oscars

Von Aleppo nach Deutschland und jetzt nach Hollywood: Die Syrerin Hala aus der Flüchtlings-Doku eines deutschen Regisseurs fliegt zu den Oscars ein. Wie brisant wird die Show? Hat Politik auf der Bühne Platz?

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Der deutsche Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen im Haus der Filmakademie in Los Angeles neben einer Oscar-Skulptur.

Quelle: Barbara Munker

Los Angeles. Wenn alles gut geht - und US-Präsident Donald Trump nicht mit einem neuerlichen Einreisestopp die Grenzen plötzlich wieder dicht macht - wird die aus Syrien geflüchtete Hala am Sonntag über den roten Teppich laufen und die Oscar-Gala miterleben.

Die vierfache Mutter, die nach der Flucht aus Aleppo nun mit ihrer Familie im niedersächsischen Goslar lebt, ist die zentrale Figur in der Kurz-Doku „„Watani: My Homeland“, mit der der Regisseur Marcel Mettelsiefen seinen ersten Oscar gewinnen könnte. Am Freitag soll Hala in Los Angeles eintreffen, erzählt Mettelsiefen der Deutschen Presse-Agentur.

Sie ist eine starke Frau mit einer wichtigen Geschichte, sagt der Dokufilmer. Als gläubige Muslimin werde sie mit Kopftuch über den roten Teppich laufen. Eines von vermutlich vielen politischen Statements, die die 89. Oscar-Verleihung zu einer besonderen machen könnten. Bei den vielen Gesprächen, die er in den vergangenen Tagen in Hollywood geführt habe, sei es immer auch um Trump gegangen. „Das macht Hoffnung, denn es gibt sehr viele Menschen, die sich entschieden gegen die Regierung stellen“, sagt Mettelsiefen.

Die Oscar-Bühne war immer wieder Plattform für Proteste. Der Dokumentarfilmer Michael Moore kritisierte 2003 während des Irakkrieges in scharfer Form den damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Auch Susan Sarandon, Vanessa Redgrave und Marlon Brando nutzten das Rampenlicht schon für politische Angriffe.

Anfang Januar legte Meryl Streep bei der Verleihung der Golden Globes einen Oscar-reifen Auftritt als Aktivistin hin. Ihr minutenlanges, mahnendes Plädoyer gegen Diskriminierung und Beschneidung der Pressefreiheit war eine unmissverständliche Schelte für Donald Trump. Streep war nicht zu bremsen - als Gewinnerin einer Ehrenauszeichnung waren Inhalt und Länge der ungewöhnlichen Dankesrede ganz in ihrer Hand.

Auf der Oscar-Bühne haben die Gewinner nur 45 Sekunden Zeit, doch was sie in ihrer Dankesrede sagen, „bleibt völlig ihnen überlassen“, betonte der Show-Produzent Mike De Luca kürzlich im Branchenportal „Deadline.com“. „Das ist der Teil der Show, den wir nicht bestimmen können.“ Jedes Jahr legt die Filmakademie den Nominierten nahe, von Herzen zu sprechen, statt lange Namenslisten von einem Zettel abzulesen.

Und was darf Jimmy Kimmel (49), der Komiker und Gastgeber der Late-Night-Show „Jimmy Kimmel Live!“, der nun erstmals die Oscars moderieren wird? „Ich weiß, dass am Ende irgendjemand enttäuscht sein wird. Ich weiß nur noch nicht recht, wer es sein wird“, witzelte er im Interview der „New York Times“. Im liberalen Hollywood ist Trump ständig unter Beschuss, doch kann die Academy Millionen Menschen an den Bildschirmen vergraulen, die auf das Oscar-Spektakel und zugleich auf Trump stehen? Für Kimmel wird das eine Gratwanderung. Amerika erlebe derzeit wilde Gefühlsschwankungen, meint der Komiker. „Wir wissen einfach nicht, in welcher Stimmung unser Land am Sonntag sein wird.“

Fest steht jetzt schon, dass Filmemacher aus Protest gegen den neuen Kurs in Washington der Show fernbleiben, darunter der vielfach ausgezeichnete iranische Regisseur Asghar Farhadi und seine Hauptdarstellerin Taraneh Alidoosti. Ihr Film „The Salesman“ ist - wie der deutsche Film „Toni Erdmann“ - für den Auslands-Oscar nominiert. Auslöser war Trumps Einreisestopp für Menschen aus sieben überwiegend islamischen Ländern. Zwar schritt ein US-Gericht inzwischen dagegen ein, doch bei dem Boykott soll es bleiben.

Ob auf der Bühne, Backstage vor der Presse oder auf dem roten Teppich - engagierte Stars werden das Rampenlicht für eine politische Kampfansage nutzen. Daran gibt es in Hollywood nach einer Preissaison mit emotionalen Reden und scharfen Seitenhieben keine Zweifel. „Wir müssen gegen Ungerechtigkeit kämpfen und Arschtritte verteilen“, sagte die „La La Land“-Schauspielerin Emma Stone kürzlich am Rande der SAG-Awards. Sie könnte am Sonntag den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewinnen.

Im vorigen Jahr nutzte Leonardo DiCaprio („The Revenant - Der Rückkehrer“) die Dankesrede nach seinem ersten Oscar-Gewinn für einen politischen Appell. Mit der Trophäe in der Hand warnte der Schauspieler vor dem Klimawandel. „Er ist unsere größte Bedrohung. Lasst uns diesen Planeten nicht als selbstverständlich ansehen.“ Da war ein Wahlsieg Donald Trumps noch in weiter Ferne. Auch diesmal könnte DiCaprio wieder das Wort ergreifen, wenn er als „Presenter“ beim Verteilen der Trophäen mithilft.

Neben Mettelsiefen ist auch der britische Regisseur Orlando von Einsiedel mit seiner Kurz-Doku „Die Weißhelme“ nominiert. Der Film dreht sich um freiwillige Helfer in Syrien, die nach Bombenangriffen Opfer aus den Trümmern retten. Er hoffe, dass der Leiter der Weißhelme-Organisation und ein syrischer Kameramann nach langem Hin und Her nun doch zur Oscar-Gala in die USA reisen können, sagte Einsiedel. Dies seien Helden, die Frieden, Verständnis und Mitgefühl verkörpern. „Das ist die Botschaft, die von der Oscar-Bühne in die ganze Welt hinaus verkündet werden muss.“

dpa

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