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Kultur Physisch, filigran, verstörend
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00:04 08.05.2018
Der Künstler Andree Volkmann in der Berliner Galerie „Kabinett 25“ vor seinen Arbeiten „Couple 1 (Auto)“ (2018) und „Halloween 1“ (2017) Quelle: Foto: Michael Meyer
Berlin

Es wirkt wie der Einbruch des Unheils, des Bösen in eine scheinbar heile, idyllische Welt. Es wirkt, als würden in den aktuellen Arbeiten des Zeichners und Illustrators zwei Welten übereinander gelegt, aufeinander prallen. Die akkurate, berechenbare, rationale Welt der Bleistiftzeichnung und die ausufernde, irrationale, emotionale der Tuschemalerei. Er nennt das den Übergang vom Realismus zur Abstraktion. In der Bleistiftzeichnung würden sich Stichwörter finden wie „Wollen, Ziel, Idee, Geist, klare, eindeutige Linie“, sagt Volkmann. In der Tuschemalerei hingegen: „Prozess, Geschehen, Zufall, Kontrollverlust, Sinne, Körper, unklare Zonen, Verläufe“.

Der Illustrator Andree Volkmann stammt aus Rostock und lebt in Berlin, wo er seine Schau „Physical“ in der Galerie 25 zeigt / Im November ist Volkmann Teilnehmer der OZ-Kunstbörse

„Physical“

Die aktuelle Schau „Physical mit Bleistift- und Tuschearbeiten Andree Volkmanns ist bis 17. Mai in der Galerie „Kabinett 25“ in Berlin-Kreutzberg (Wrangelstraße 25) zu sehen. Ab 24.

September ist Volkmann mit vier Arbeiten in der Ausstellung zur OZ-Kunstbörse in der Rostocker HMT vertreten. Auktion am 27. Oktober.

Da ist die filigrane Bleistiftzeichnung „Couple 1 (Auto)“ eines Autoinnenraums mit Baby auf dem Kindersitz im Fonds des Wagens, vorne liegen die Eltern, scheinbar schlafend oder leblos in ihren Gurten. Die Mutter fast zärtlich an die Seite des Mannes geschmiegt, der hat den Mund offen. Gerade die wie drübergekippt wirkende Tusche gibt der Inszenierung den bedrohlichen Touch. Unfall?

Verbrechen? Tod? Was ist hier geschehen? Damit lässt der Zeichner den Betrachter allein.

Oder „Belle“ (2018). Das Bleistiftbildnis einer schönen Frau, das im Einklang mit der Tusche auch zum Porträt eines Elefantenmenschen mutiert. Die Zeichnung „Couple 2 (Rotation)“ lässt ein fein und zart gegliedertes Frauenbild aus einem Männerkörper herauswachsen. Die Rotationsbewegung, die Entfremdung der Körper wird in der Tusche vervollständigt.

Derartige Zeichnungen und Tusche-Abstraktionen zeigt Volkmann in der Berliner „Galerie „Kabinett 25“ in Kreutzberg. Der Titel „Physical“ bezieht sich weniger auf die Sujets als auf den Prozess.

Volkmann sagt: „Es geht um Erleben statt Verstehen, Prozess statt Inhalt. Zeichnen und Malen ist Bewegung. Das ist eher körperlich als geistig.“ Die Arbeiten seien zwar zweidimensional, aber eben auch Verkörperungen, sodass sich Betrachter auch Körper einbilden – oder eben sehen. Andree Volkmann: „Alle Arbeiten der Serie Physical basieren auf einer sorgfältig ausgeführten Bleistiftzeichnung.

Darüber legt sich die fast malerische, nachlässige Ausführung in Tusche und überschreibt, betont oder kommentiert sie.“ Das wirkt mal bedrohlich, mal humorig, mal traumwandlerisch.

Andree Volkmann wurde 1964 in Rostock geboren und wuchs im Stadtteil Lütten Klein auf. Seit Jahren arbeitet er als Zeichner, Illustrator und Grafiker in Berlin, hat für Zeitungen und Magazine gearbeitet, Szenografie, Animationen und Fashiondesigns gemacht. In deutschen Museen entdeckte er den nackten Raum, die weiße Wand als Fläche seiner künstlerischen Entwicklung, so zuletzt im Oktober 2017 mit der Ausstellung „Fernsehen“ im White Cube der Rostocker Kunsthalle. Im Dezember 2017 erschien sein Band „Ich heiße . . .“ mit 165 Porträtzeichnungen von Promis wie der Sängerin Björk, dem Facebookgründer Mark Zuckerberg, dem Popsänger George Michael, dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama oder der ehemaligen Landesbischöfin Margot Käßmann. Ein irre buntes Spektrum.

Menschen mit Geschichten.

In der Berliner Schau zeigt Volkmann seine Arbeiten als Originale an der Wand, auf Leinwand, gedruckt in einem Magazin, als Karten, in einer kleinen Serie bedruckter T-Shirts und sogar als Torte.

Ab 24. September sind Arbeiten von Andree Volkmann auch in der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) in der Ausstellung zur OZ-Kunstbörse zu sehen. Volkmann ist einer der 13 Künstler, deren Werke am 27. Oktober in der OZ-Kunstbörse in der HMT versteigert werden.

Michael Meyer

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