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Picknick, Regen, Arien

Klütz Picknick, Regen, Arien

2600 Gäste kamen zur Open-Air-Gala der Festspiele MV nach Bothmer in den Schlosspark, um die Bamberger Symphoniker zu hören

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Genießen ihr Picknick im Schlosspark: Ulf Garbe (37) und Begleiterin Carolin Bohnsack (25) aus Lübeck. Fotos (3): Stefanie Büssing

Klütz. Es ist eine bunte Karawane von Menschen, die sich vorigen Sonnabend bepackt mit Decken, Stühlen, Bollerwagen und Picknick-Körben den Weg zum Schloss Bothmer hinaufschiebt. Während die meisten Besucher den Inhalt für kulinarische Genüsse bereits in Kühltaschen bei sich tragen, sorgen die Festspiele MV bei der Open-Air-Gala im Schlosspark für den klassischen Genussaspekt des Abends: Auf der Bühne stehen die Bamberger Symphoniker unter der Leitung von David Afkham sowie Starsopranistin Christiane Karg.

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2600 Gäste kamen zur Open-Air-Gala der Festspiele MV nach Bothmer in den Schlosspark, um die Bamberger Symphoniker zu hören

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„Es ist immer herrlich, hier im Park zu sitzen und seine mitgebrachten Sachen zu verzehren“, sagt Ulf Garbe (37), der mit Begleiterin Carolin Bohnsack (25) aus Lübeck angereist ist und es sich mit Wein und Käse gemütlich gemacht hat. „Statt in einen Konzertsaal zu hetzen, kann man sich in Ruhe auf den Abend einstimmen“, sagt Carolin Bohnsack. Seit sechs Jahren sei der Termin in Klütz fester Bestandteil ihres Terminkalenders. „Wir waren schon oft unsicher, ob es regnet, bisher hatten wir aber immer Glück“, sagt Garbe.

Doch das scheint sie in diesem Jahr verlassen zu haben: Bei Beethovens Konzertarie „Ah! perfido“ rollen den Besuchern fast tränengleich die Tropfen vom Gesicht. Passend zum Thema der Arie ist das Szenario allemal: Geht es doch um die von ihrem geliebten Achill verlassene Deidamia, die sich wechselweise in wütenden Verwünschungen und verzweifeltem Selbstmitleid ergeht, um sich schließlich in gefasster Trauer zu erheben. Eindrucksvoll füllt Starsopranistin Christiane Karg, die den Festspielen auch optisch einen Hauch von Glamour verleiht, stimmlich den Stimmungswandel aus Zorn, Leidenschaft, flehendem Bitten und Verzicht aus.

Vorangegangen war eine musikalische Einführung mit Daniela Koch, Soloflötistin der Bamberger Symphoniker und ihrem Holzbläserquintett sowie Beethovens Ouvertüre zum Trauerspiel Coriolan. Auch bei Letzterer überwiegt eindeutig das dramatische Element, das sich in Heinrich von Collins Trauerspiel in der Person des römischen Feldherrn Coriolan manifestiert – zerrissen zwischen Heimatliebe und Verrat. Mit dem für die Bamberger Symphoniker typischen vollen und dunklen Klang entfaltet sich die Ouvertüre in einem fulminanten Wechsel von düsterer Dramatik und sanfter Harmonie. Ebenfalls dramatisch: Die von Beethovens „Ah! perfido“-Arie beeinflusste Konzertarie „Infelice“, deren mittleres Andante in einem Zwiegespräch zwischen Singstimme und Flöte seinen Höhepunkt findet.

Verträumter wirkt dagegen Schuberts Bühnenmusik zu Helmina von Chezys Schauspiel „Rosamunde, Fürstin von Zypern“ – auch wenn es seinerzeit nach der zweiten Aufführung abgesetzt das Ende von Schuberts Theaterlaufbahn bedeutete.

Und das Publikum? Das harrte eingehüllt in Regencapes aus. Auch wenn das Wetter nicht heiterer wurde, die Musik wurde es spätestens mit Brahms’ bekanntester Sinfonie Nr. 2, die im Gegensatz zum Tragischen in seiner ersten Sinfonie steht. Dirigiert wurde das Ganze von einem leidenschaftlichen David Afkham, Chefdirigent des Spanischen Nationalorchesters in Madrid, der die Lücke zwischen dem ehemaligen und künftigen Chefdirigenten Jonathan Nott und Jakub Hrusa füllte und zurzeit CD-Aufnahmen mit dem Orchester und Christiane Karg macht.

Auch Schirmherr Ministerpräsident Erwin Sellering war nach Klütz gekommen um, „einer doppelten Erfolgsgeschichte – die der Festspiele und der Restaurierung von Schloss Bothmer“ beizuwohnen.

„Ich bin stolz auf das großartige Publikum, das sich vom Wetter nicht hat abschrecken lassen“, sagt Festspiel-Intendant Markus Fein. „Selbst der Ministerpräsident hat bis zum Schluss durchgehalten.“

Bamberger Symphoniker

6500 Konzerte in mehr als 60 Ländern und über 500 Städten – das ist die Bilanz der Bamberger Symphoniker, die sich als „Kulturbotschafter Bayerns in der Welt“ verstehen. 16 Jahre war Jonathan Nott als Chefdirigent für die Geschicke des Orchesters verantwortlich, vor zwei Wochen gab er sein Abschiedskonzert im Bamberger Dom. Seine Nachfolge tritt Jakub Hrusa an.

Stefanie Büssing

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