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00:08 13.01.2015
Ein Hirsch im Nebel? In Europas Kulturhauptstadt Mons gibt es 2015 außergewöhnliche Perspektiven in den Straßen zu sehen. Quelle: Bram Goots

Hinter einer Holztür verbirgt sich der Zugang zu dem Felsenkeller, der die tschechische Stadt Pilsen weltberühmt gemacht hat. Hier ist es entstanden, das legendäre untergärige Bier, das 1842 zum ersten Mal gebraut wurde und seitdem die ganze Welt erobert hat. Ohne Bier geht es einfach nicht in Pilsen, und so hat die viertgrößte Stadt der Tschechischen Republik ihren Exportschlager auch zum wichtigen Programmpunkt für das Europäische Kulturhauptstadtjahr 2015 ausgebaut. Die Felsenkeller, deren verzweigtes Gängesystem sich kilometerweit unter der Stadt ausbreitet, dürften in diesem Jahr einen Besucheransturm erleben.

Jiri Suchanek, der Direktor des Kulturhauptstadt-Programms, möchte den Besuchern aber auch zeigen, dass Pilsen mehr zu bieten hat. Im Rahmen der Kulturhauptstadt entstehen zum Beispiel ein neues Theater und die Kulturfabrik Svetovar, Teile des öffentlichen Raumes erhalten ein neues Gesicht. Auch die reiche Barock-Tradition der Pilsener Region wird in diesem Jahr gefeiert. Markant sind auch die herrlichen Bürgerhäuser, die im Stil der österreichisch-ungarischen Monarchie um den Marktplatz und die imposante Bartholomäus-Kirche stehen, dazu die prächtige Grünanlage. Bei der Wiederentdeckung des eigenen Erbes staunen die Pilsener oft selbst: Dass zum Beispiel Adolf Loos (1870-1933), der mährisch- österreichische Architekt, in Pilsen mehr als ein Dutzend Bürgerwohnungen eingerichtet hat, wusste lange Zeit niemand.

Einst gab es in der Stadt eine der größten jüdischen Gemeinden der damaligen Tschechoslowakei. „Heute haben wir nur noch 119 Mitglieder“, sagt Eva Stixova. Die Holocaust-Überlebende ist Vorsitzende der Gemeinde und damit verantwortlich für eine der größten Attraktionen der Stadt: Die Hauptsynagoge mit ihrer maurischen Fassade, die sich am früheren Korso am Rand der Altstadt erhebt, ist der ganze Stolz der Gläubigen. Sie ist die zweitgrößte Synagoge Europas und die drittgrößte der Welt.

Mons und Pilsen wollen glänzen als Europas Kulturhauptstädte
Dem jungen Mann war mulmig, er spürte eine tiefe Beklemmung. Doch er biss die Zähne zusammen. „Wer nie unten in den Minen war, hat keine klare Vorstellung davon, wie das Leben in dieser Gegend ist“, sollte er später an seinen Bruder schreiben. Es war im Frühjahr 1879, als Vincent van Gogh (1853-1890) beschloss, die Kohlemine Marcasse in der Nähe der belgischen Stadt Mons zu besuchen. Der Niederländer war Mitte 20 und arbeitete als Hilfsprediger im bitterarmen Borinage, dem Steinkohlerevier bei Mons.
Mons hat das Werk Vincent van Goghs zu einem der Schwerpunkte des Kulturhauptstadt-Jahres gemacht. Weit hergeholt ist das Thema nicht: Genau hier, im Borinage, hängte van Gogh seine geistliche Karriere an den Nagel und wurde zum Maler. Zwischen dem 25. Januar und dem 17. Mai können Mons-Besucher die bewegten zwei Borinage-Jahre des Künstlers in einer großen Ausstellung erkunden.
Eine weitere Attraktion sorgte unfreiwillig für Schlagzeilen: Die Installation „The Passenger“ des Künstlers Arne Quinze stürzte ein, verletzt wurde niemand.
Mons will sich mit Hilfe des Kulturhauptstadt-Jahres auch ein futuristisches Gesicht geben. „Technologie trifft auf Kultur“ lautet das Motto, wobei die Organisatoren nicht zuletzt modernste Digitaltechnologie im Blick haben.
Doch die alten Steinkohlezechen, die bis in die 60er Jahre hinein sehr vielen Menschen Arbeit verschafften, beeinflussen bis heute das Lebensgefühl und das Image der Region. Davon zeugt auch das „Grand-Hornu“, eine großartig restaurierte Bergbausiedlung, die seit 2012 Unesco-Weltkulturerbe ist.
„Der Fabrikbesitzer wollte Arbeiter anwerben, indem er ihnen einen gewissen Komfort anbot“, erläutert der Experte Filip Depuydt. Er führt durch ein halbrundes Ensemble im neoklassizistischen Stil, zu dem ehemalige Maschinen- und Lagerhallen sowie 425 Wohnhäuser gehören. Nicht nur für architektonisch Interessierte ist der Denkmalkomplex absolut sehenswert.
Einwohnerzahl: 168000
Lage: in Westböhmen, gut 200 Kilometer von Dresden entfernt
Sprache: Tschechisch
Kulturhauptstadtprogramm: Start ist am 17. Januar, unter der Federführung des künstlerischen Leiters Petr Forman wird die Stadt gefeiert. Das Programm, in acht Themen unterteilt, bietet mehr als 600 Veranstaltungen.

• Internet:


www.pilsen.eu/turist
Mons
Einwohnerzahl: knapp 94000
Lage: 65 Kilometer südwestlich von Brüssel
Sprache: mehrheitlich Französisch
Kulturhauptstadt-Programm: Mons lockt 2015 mit über 100 Kunst- und Kulturveranstaltungen. Start ist am 24. Januar mit der Ausstellung „Van Gogh im Borinage — die Geburt eines Künstlers“ (bis 17. Mai 2015).

• Internet:


www.belgien-tourismus.de



OZ

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