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Kultur Polizeiruf Rostock: Im Schlamm des Lebens
Nachrichten Kultur Polizeiruf Rostock: Im Schlamm des Lebens
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00:07 12.06.2018
Rostock

Das ist doch kein Leben! Der Polizeiruf 110 aus Rostock entwickelt sich zur ostdeutschen Gegenvariante des Dortmund-Tatorts. Dauerdepression im Nörgelmodus mit Anmachgepöbel. Wer sich durch die 90 Minuten „In Flammen“ am Sonntag gekämpft hatte, brauchte zwei Schnäpse und einen Psychologen. So langsam fängt das, was mal auf dem Weg zum Kult war, extrem an zu nerven.

Szene mit den Kommissaren Katrin König (Anneke Kim Sarnau), Alexander Bukow (Charly Hübner, r.) und Anton Pöschel (Andreas Guenther, hi.) aus dem letzten „Polizeiruf“. Quelle: Foto: Dpa

Lässt man die Handlung mal beiseite – rechtsextreme Politikerin kandidiert als Oberbürgermeisterin, wird bei lebendigem Leibe verbrannt, und am Ende war es eine Beziehungstat, obwohl alle, außer die Zuschauer dachten, der bös-smarte Syrer oder die Antifa waren es – geht es um eine Art Kommunikations-Dauerunfall, wenn nicht Durchfall. Das Leben von Alexander Bukow (Charly Hübner) ist ebenso am Ende wie die Psyche seiner Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau). Diesen pöbelnden Bullen (sorry, aber das sind welche) wünscht man psychologische Betreuung, Sexualpartner und Stilberater. Das ist nicht zu ertragen. Zwischenmenschliche Kommunikation als auch polizeiliche Recherche sind in diesem in einem finsteren Schlammbraun gestalteten Krimi aus den ostdeutschen Provinzniederungen nichts anderes als Zynismus, Anmache und blöde Sprüche. Zum Beispiel im völlig zerrütteten Vater-Sohn-Verhältnis. „Muss mit dir reden!“ „Keine Zeit“ „Klar, musst ja wieder Scheiße bauen.“ König hält in ihrer inneren Zerrüttung aus verpfuschter Kindheit, Fastvergewaltigung, Gewaltausrutschern und Karrierestau die gesamte Welt für die Brut des Bösen und verrennt sich in ihrem aus Akademikerarroganz und Bessermenschentum zusammengebastelten Naivchen-Weltbild in krassen Rassismus – ohne es zu merken.

Der Grundgedanke dieses Krimis ist klar. Eine ästhetisch-intellektuelle Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Rechtsruck. Doch es mäandert ins Ungefähre. Eine Gesellschaft, in der jeder in jede Richtung tritt, Unterlegene stets bedroht und alle von allen angepöbelt werden, ist weder rechts noch links, sondern unten.

Ein System, in dem nach unten wie nach oben gemotzt wird, ist kaputt. Dieser Polizeiruf ist in seinen bösen Absichten gut gemeint, aber nur ein Kassiber aus dem Schlamm des Lebens, der Depression des Daseins am falschen Ort zur falschen Zeit mit der falschen Vergangenheit und ohne Zukunft. Berichte von ganz unten – dort, wo es richtig weh tut. Aua! Helft den beiden, liebe ARD.

Michael Meyer

OZ

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