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00:00 26.09.2018
Eindhoven

„Du hast mir keine Diamanten gekauft, du gabst mir so viel mehr“. Das muss eine Idealistin sein, die so was singt, ein schmuckgierbefreiter Gegenentwurf zu Marilyn Monroe, die Diamanten ja in den fünfziger Jahren als beste Freundin aller Mädchen besang. Dabei klingen die Streicher hier völlig monroesk – wie akustischer Sternschnuppenregen. Mondäner Hollywood-Soul glitzert und klunkert, als wäre dieser Sound für Shirley Bassey und einen großen Agentenfilm gemacht.

Niederländerin Sharon Kovacs besingt Lebenskrisen mit Grandezza und erinnert an Amy Winehouse

Konzert-Termine

Kovacs live: am 15. Oktober in

München (Muffatthalle); 16. Oktober

in Berlin (Huxley’s Neue Welt);

17. Oktober in Hamburg (Grünspan); 18. Oktober in Köln (Gloria-Theater)

„Priceless“ heißt der Song, und man meint in dieser Nummer die Leidenschaft und Phrasierung der jungen Amy Winehouse herauszuhören. Die Sängerin heißt Sharon Kovacs, das ist das Mädchen mit der Fellmütze, das man, als es 2015 erstmals auf der Bildfläche erschien, für ulkig und irgendwie verdüstert hielt. Das dunkle Balladen für umwölkte Abende machte. Und das es jetzt ohne Mütze und auch songweise heller versucht.

Der Winehouse-Vergleich ist nicht gerecht, gewiss, und doch drängt er sich beim Hören von „Cheap Smells“, Kovacs’ zweitem Album nach „Shades of Black“, immer wieder auf – auch beim folgenden „Adickted“ mit seinem doppeldeutigen Titel. Kovacs, die ihren Vornamen auf dem Album weglässt und mit der eigenwillig androgynen Fastglatze ein Hingucker ist, singt aber nicht etwa über Sexsucht und das Hauptattribut der Männlichkeit („dick“) sondern über die Kokainsucht, an die sie ihren Liebsten verloren hat. Ein großes Drama. Die Musik dazu aber – diesmal Reggae – ist sonnig und munter.

Das Pathos, das auf „Cheap Smells“ heraufzieht, muss man ertragen können, die 28-Jährige bewältigt in ihren Songs mit Pomp und Doppelpomp eigene Lebenskrisen. Die Mutter zog Sharon allein groß, mit elf Jahren wurde sie in ein Heim verfrachtet. Jetzt kommt die Quittung. In „Mama & Papa“ stellt sie vor allem ihrem Vater, der die Familie verließ und neulich, als die Tochter in den Scheinwerfern des Popgetriebes Eindruck gemacht hatte, wieder Anschluss suchte, ein schlechtes Zeugnis aus. Als Evangelist habe er ihr sogleich den Teufel austreiben wollen, den Radikalchristen ja schon immer in den Köpfen und Herzen von Popmusikern vermuteten. Kovacs’ Stimme klingt auch hierbei so elegant wie ein schwarzer Abendhandschuh. Wobei im Abschwung der einzelnen Strophen ein Hintertreppenvibrato zu hören ist – Kovacs ist immer auch „dirty“ und verrucht: „Er war nicht gut für dich, Mama.“ Auch das mit dem Kokain ist nicht etwa erfunden, sondern autobiografisch. Eine Handvoll Songs sind allein dem abgeliebten Freund gewidmet. Therapieren hat sich Sharon Kovacs lassen, es geht ihr gut. Und dennoch ist die Neigung zu schrägen Sounds nicht ganz verloren gegangen.

Die alte Kovacs, die ihr erstes Werk „Shades of Black“ unter Regie des Produzenten Oscar Holleman aufgenommen hatte, steckt noch im burlesken „Freakshow“, in den quietschigen Synthesizern von „Black Spider“ und im taumelnden „Oblivion“, das klingt wie ein Musik gewordenes Geisterhaus. Und dann besingt Kovacs einfach das Wochenende, lacht und singt „rap-ba-bap-ba“ und „lala-la“, während im Hintergrund die Musiktapete karibisch schwappt.

Matthias Halbig

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