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00:05 12.06.2018
Rostock

Was ist denn das nun? Was ist das für Kunst, wo steht die, wo kommt die her? Was will die von uns? Da finden sich Elemente des Surrealismus – herumfliegende Gegenstände als Symbolik des Absurden wie bei Dalí. Dann Anklänge an den Manierismus mit den typisch verqueren Körperhaltungen der figura serpentinata. Dann meint man die explodierenden Bildwelten eines Norbert Bisky zu entdecken und Spuren des konzeptionellen Surrealismus eines Neo Rauch zu sehen. Sabina Sakoh spielt in „Frühstück on Mars“ mit dem Impressionismus und den berühmten Gemälden „Das Frühstück im Grünen“ von Manet (1863) und Monet (1865).

Die Kunsthalle Rostock wagt mit der Ausstellung „Simple & True – Metaphysische Ansichten“ von Sabina Sakoh einen Ritt durch die Kunstgeschichte.

Sehr eindeutig sind die Anklänge an Géricaults „Floß der Medusa“ und seiner humanistischen Botschaft. Elemente aus diesem Gemälde aus dem Nachkriegsjahr 1918 finden sich in ihrem Gesamtwerk – sehr deutlich in „April – The Raft“, wo es in Titel und Körperhaltungen eindeutig zitiert wird. Wie ein zentraler Anker steht Géricaults Arbeit in dieser Rostocker Ausstellung.

Ein Rundgang durch die Schau im Parterre der Rostocker Kunsthalle, die die Münchener Künstlerin Sabina Sakoh (50) „Simple & True – Metaphysische Ansichten“ genannt hat, ist wie ein Gang durch die Kunstgeschichte. Michelangelo, Goya, El Greco – alles da. Doch was ist das? Küchenphilosophischer Eklektizismus in der bildenden Kunst? Ein lockerer Guck-doch-mal-Spaziergang durch die Kunstgeschichte? Nein, eher eine Haltung.

Denn zuerst einmal geht bei Sakoh jede Kunst vom Können aus. Das sind alles großartige und ebenso großflächige Arbeiten, die die biedere Debatte um figurale oder abstrakte Kunst ganz weit hinter sich lässt. Der Rostocker Kurator Ulrich Ptak, der die Schau für die Kunsthalle erarbeitet hat, sagt über diese Arbeiten und diese Künstlerin: „Sabina Sakoh konstruiert nicht. Sie lässt ihre Figuren agieren. Da ist nicht konstruiert, das kommt alles aus dem Unterbewusstsein.“ Ptak geht soweit, dass die Figuren, die Sakoh malt, mit ihr während des kreativen Prozesses kommunizieren. „Für mich geht es in Sakos Werk um Fragen der Aufklärung, der Demokratie. Doch davon geht sie immer wieder weg ins Surreale, ins Somnambule.“

„Simple & True“ stellt, so die Künstlerin selbst, die Frage, „worum es geht zwischen uns Menschen“. In ihren Bildern stehe immer wieder die Liebe im Zentrum, alles andere würde in die Destruktion münden. Sie sagt: „Künstler unterwerfen sich immer wieder rätselhaften Botschaften. Das schwebt frei im Raum, je nachdem, wer es betrachtet.“ Sakoh betrachtet in ihrer Message die Menschheit direkt am Point of no return. Wohin driften wir als Globalfamily – Richtung Rassismus, Zerstörung, Gewalt, Ressentiments, Faschismus, Ausbeutung, Unterdrückung – den Normen einer vergangenen Epoche – oder in eine andere Welt, die neue Werte mit sich bringt? Und da bringt sie in ihrer altmeisterlichen Bildornamentik, die die Würde der Kreatur thematisiert, immer wieder spielerisch das Surreale hinein – als Fingerzeig von außen.

Sabina Sakoh, deren Kunst der frühere FDP-Chef Guido Westerwelle (1961-2016) sammelte und sich ins Büro hängte, sagt: „Ich bin nicht esoterisch. Aber ich glaube, dass wir als Menschheit etwas von außen brauchen. Unser Humanismus ist an einem Punkt angekommen, wo wir in der Bredouille stecken. Wir wollen uns weiterentwickeln als Menschheit, haben aber Angst, von den alten Werten der Unterdrückung überrollt zu werden.“ Da spielen die Engel, Aliens und unklaren Wesen in ihrer Kunst eine fundamentale und humoristische Rolle. Als Erlöser. Ulrich Ptak sagt dazu: „Alle proklamatorischen Bilder verfehlen ihr Ziel. Sakoh löst das immer wieder auf.“

Ein Museum – drei Ausstellungen

Die Rostocker Kunsthalle zeigt auf ihren beiden Etagen drei Ausstellungen. Im Rundgang läuft bis 8. Juli die Schau „Simple & True – Metaphysische Ansichten“ von Sabina Sakoh. In der ersten Etage ist bis 15. Juli die Ausstellung „Two Times“ der US-Amerikaner Emilia und Ilya Kabakov zu sehen.

Im White Cube zeigt die Fotografin Kiki Kausch bis zum 17. Juni ihr Werk „Drei Minuten mit. . .“. Porträts von Stars, die durchweg im Büro des Springer-Chefs Kai Dieckmann entstanden sind.

Michael Meyer

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