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Rappen mit Marteria gegen Rechts

Anklam Rappen mit Marteria gegen Rechts

Rund 2000 Fans feierten in Anklam mit dem Rapper, Tote-Hosen Sänger Campino und Feine Sahne Fischfilet

Anklam. Gelber Nebel, dunkle Rauchschwaden, Konfettiregen und mittendrin Rapper Marteria, Tote Hosen-Sänger Campino und Feine-Sahne-Fischfilet-Frontmann Jan „Monchi“

Gorkow, die sich ihr Shirt vom Leib reißen und sich in die Fanmassen stürzen – rund 2000 Menschen feierten am Dienstag vor dem Demokratiebahnhof in Anklam ein Konzert gegen Rechts.

„Lasst euch nicht unterkriegen, hier gibt es noch tolle Leute, Mecklenburg-Vorpommern ist noch nicht komplett im Arsch“, ruft Sänger Monchi den jubelnden Fans zu. Unter diesem Motto – noch nicht komplett im Arsch – , das auf einen Songtext der Band anspielt, organisiert diese seit Wochen Lesungen und Konzerte, um die Menschen vor der kommenden Landtagswahl gegen Rechtsextremismus zu sensibilisieren. Für die Aktion in Anklam hatten die Punker, die selbst aus Vorpommern stammen und in der Region leben, für viele Fans überraschend Rapper Marteria und Tote-Hosen-Sänger Campino ins Boot geholt.

„Es geht darum, Solidarität mit den Leuten zu zeigen, die sich gegen den Rechtsruck einsetzen und dafür zu sorgen, dass das auch überregional wahrgenommen wird“, sagte Campino. Seine Teilnahme sei ein Zeichen der Hochachtung für alle diejenigen, die „dagegenhalten“. Auch Marteria, selbst „Mecklenburger Jung“, unterbrach für die Aktion seine für 2016 angekündigte Konzertpause und hatte seinen nach eigenen Aussagen einzigen Auftritt in diesem Jahr. Dabei gab er Hits wie „Lila Wolken“, „Bengalische Tiger“ und auch ein neu geschriebenes Lied zum Besten. „Ich habe auf meinen Reisen so viele schlimme Dinge gesehen, dass ich zuerst dachte, die Probleme hier sind nicht so wichtig. Aber das war total falsch“, sagt der Rapper. „Das größte Problem ist Rassismus, und jede Stimme, die man ändern kann, zählt.“

Der Ort Anklam, in dem das Konzert nur wenige hundert Meter vom NPD-Büro entfernt stattfand, war bewusst gewählt. „Für einige ist das hier so was wie die Faschohochburg“, sagt Monchi. „Es ist eine Region, die die demokratischen Parteien schon aufgegeben habt. Wir wollen zeigen, dass hier noch was geht und nicht alles verloren ist.“ Im Netz hatte die Band dazu aufgerufen, nach Anklam zu kommen und Zivilcourage zu zeigen. „Ob Punk oder Anzugträger, solange Du kein Arschloch bist, bist du bei uns herzlich willkommen“, hieß es dort. Rund 2000 Besucher aus dem ganzen Land waren dem Aufruf gefolgt. Von dem Auftritt von Marteria hatten viele erst einen Tag vorher im Internet erfahren. Noch überraschender für viele war das Erscheinen von Campino, der mit Marteria gemeinsam ein Lied performte und zum Abschluss mit dem Rapper und der Band Feine Sahne Fischfilet zusammen „Wir sind komplett im Arsch“ schmetterte.

„Wir sind hier, weil wir gern Marteria hören und um den Leuten zu zeigen, dass sie nicht allein sind“, sagt Andy Hasenmeister (24), der mit Freunden aus Rostock angereist war. Obwohl die Polizei ihre Kräfte auf 80 Beamte hochgefahren hatte, glich das Konzert eher einem friedlichen Hippie-Treffen.

Für die Veranstalter nicht selbstverständlich. „Bei unserer ersten Aktion wurde das Auto eines Freundes abgefackelt“, so Monchi. An einem anderen Veranstaltungsort habe es nachts zuvor einen Buttersäureanschlag gegeben. Auch vor dem Konzert in Anklam waren auf Twitter Kommentare aufgetaucht, in denen es hieß, „am besten gleich mit dem Knüppel begrüßen“.

Doch davon ließen sich die Jungs nicht abschrecken. „Egal was heute hier passiert, wir schreiben Anklamer Stadtgeschichte“, sagt Monchi vor dem Konzert. Und er behält recht. „So viele Menschen habe ich hier noch nie gesehen“, sagt eine Vertreterin des Demokratiebahnofs, dem Jugend- und Kulturzentrum des Ortes, der seit 2014 ehrenamtlich organisiert wird und sich für eine lebendige Zivilgesellschaft einsetzt. „Es ist ein absolutes Wunder, dass so viele hier sind“, sagt auch Marteria. „Vielen Dank für einen legendären Abend!“

• www.nochnichtkomplettimarsch.de

Stefanie Büssing

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