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Kultur Rapunzel in neuem Gewand
Nachrichten Kultur Rapunzel in neuem Gewand
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00:00 25.10.2016

Dramatisch, grausam, moralisierend und ein wenig verstaubt – dieses Image haftet vielen Märchen in der heutigen Zeit an. Umso erfrischender ist es, wenn ein Regisseur seine Inszenierung auf einem für das Genre eher untypischen Element aufbaut: dem Humor. An der Vorpommerschen Landesbühne hat Ralph Hüttig „Rapunzel“ kurzerhand in ein neues Gewand gehüllt:

Minimalistisch, schrill und unglaublich lustig inszenierte er das Kindermärchen, das am Sonntag Premiere im Theater Anklam hatte.

Die Brüder Grimm wären sicherlich erstaunt gewesen, wenn sie ihren Stoff auf der Bühne gesehen hätten. Gelacht hätten sie dennoch. Denn dem Charme der eigenwilligen Charaktere konnten sich weder kleine noch große Zuschauer entziehen. Besonders Diener Balthasar (Johannes Langer) beherrscht das Spiel mit großer Geste und so manch skurriler Situation. Etwa, wenn er über die Bühne tänzelt oder nach dem Song von Irving Berlin „There’s No Business Like Show Business“ – entliehen aus dem Musical „Annie Get Your Gun“ – selbst zum Show-Girl wird, um seine Herrin abzulenken, die sich sehnlichst ein Kind wünscht.

Die Handlung dürfte bekannt sein: Die Herrin reißt sich das Kind einer anderen unter den Nagel, sperrt es in einen Turm und irgendwann erscheint der Prinz (Jonte Volkmann) auf der Bildfläche. Auch der kommt schrill daher, mutet mit silberner Krone und glitzerndem Kostüm an wie von einer Prunksitzung im Kölner Karneval entlaufen. Das wirkt so überspitzt, dass es schon wieder etwas Rührendes hat. Zurückgenommen und zart hingegen die Figur der Rapunzel (Lotta Hackbeil), die wie Jonas Volkmann mehrere Rollen spielt.

Neben der übersichtlichen Zahl an Schauspielern ist auch das Bühnenbild reduziert: Ein Turm mit angedeuteten Bäumen, ein angedeuteter Garten – beides mutet an, wie von Kinderhand gemalt – ein Thron vor Retro-Tapete, ein weißer Vorhang und zwei alte Autositze. Dennoch beweist Bühnen- und Kostümbildner Jörg Masser auch hier seine Vorliebe für kräftige Farben und liebevolle Details. So werden verschiedene Zeit-Epochen vermischt – der Look der Achtziger (pinke Kopfhörer, Jeans und Turnschuhe), futuristische Elemente (Reagenzgläser, in die der Tee geschüttet wird als Symbol für die Entfremdung der Gesellschaft und laborähnliche Zustände) und nostalgische Elemente. Es ist die gelungene Mischung aus all dem, die sich auch in der Sprache wiederfindet und das Stück so vielseitig macht.

Zum zweiten Mal ist Ralph Hüttig Gastregisseur an der Vorpommerschen Landesbühne – vor zwei Jahren inszenierte er bereits das Kinderstück „Aladin und die Wunderlampe“. Den Text von Peter Dehler – dem ehemaligen Schauspieldirektor des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin – hat Hüttig überarbeitet und einiges dazugeschrieben. „Das Ende war mir zu vulgär“, verrät er. Unverkennbar ist dabei Hüttigs Hang zum Komödiantischen und sein Gefühl dafür, wann man die Lacher setzt. „Dabei verlasse ich mich ganz auf meine Intuition“, verriet er. Denn: „Kinder sind fast kritischer als Erwachsene, da bekommt man sofort ein Feedback.“

Stefanie Büssing

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