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Kultur Ravel im luftleeren Raum
Nachrichten Kultur Ravel im luftleeren Raum
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00:00 11.10.2016

Jutta Ebnother, die vom neuen Intendanten mitgebrachte Ballettdirektorin, und das personell aufgefrischte Ballett präsentierten sich im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Nicht mit einer Neuproduktion, sondern mit dem Remake einer Choreografie, die Ebnother schon vor fünf Jahren in Nordhausen uraufgeführt hatte: „Ravel“ heißt sie und kreist um den französischen Komponisten Maurice Ravel (1875-1937). Das sieht aus wie avanciertes modernes Tanztheater – und ist oft doch nur modisch oder konventionell, und zerfällt in zwei disparate Teile.

Im ersten Teil wird die Person Ravel vertanzt, was sperrig ist, weil Ravels Biografie unspektakulär ist. Folgerichtig wird auf eine Handlung verzichtet. Stattdessen, zu den vier Sätzen seines Streichquartetts (1903), musiziert von der Staatskapelle unter Martin Schelhaas, vier Bilder, die mentale Grundsituationen vorführen, seine „Selbstinszenierung“, sein „Genie“, sein „Rätsel“ und seinen „Verfall“, in der beklemmenden Ausstattung von Udo Herbster (auch aus Nordhausen). Die Grundidee, auf personale Individualisierung zu verzichten, ist modern. Es gibt nicht einen Ravel, sondern zwölf, mit denen, durchaus fantasievoll, die Persönlichkeitsfacetten in verstörender Gleichzeitigkeit entfaltet werden sollen, in einer technisch anspruchsvollen Choreografie kombiniert aus immer neuen Figuren und Formen des modernen Ausdruckstanzes. Aber es verbleibt, ohne wirkliche Interaktionen, ohne dramaturgische Kontrastbeziehungen, ohne Zeitbezüge im abstrakten luftleeren Raum:

entpersönlichtes körperliches Psychogramm – verwirrend und schwer entzifferbar. Halt gibt ein im Hintergrund stehender, naturalistischer Schreibtisch, an dem ein oder zwei Ravels herumturnen in der Schwierigkeit, Noten aufs Papier zu bringen.

Ebnother ist fasziniert vom „Rätsel Ravel“, das nicht größer ist als das jedes genialen Künstlers. Sie versucht nicht, es zu lösen. Aber sie zeigt auch nicht, worin es besteht – wie einer, der angeblich dandyhaft, selbstverliebt, affektiert, arrogant sei, eine Musik hat schaffen können, die alles dies nicht ist; sie verrätselt es nur zusätzlich.

Im zweiten Teil wird endlich Musik Ravels vertanzt, aber ohne deutliche Bezüge auf den ersten, und alles wird anders, heller und freundlicher, stringenter und besser – und konventioneller. Der Tanzcompagnie merkt man deutlicher Freude und Lust an ihrem Geschäft an. Zuerst die Violin-Rhapsodie „Tzigane“ (1924), von Konzertmeister Volker Reinhold auf der Bühne mit beeindruckender Virtuosität gespielt, mit erfrischender Kühle und parodistischem Humor getanzt. Und als erfolgssichernder Kehraus Ravels berühmter „Bolero“ (1928). Zu den ständig wiederkehrenden Themen werden von Solisten immer neue Prahl-, Kampf-, Entschlossenheits- und Aktivitätsfiguren angeboten, von der Gruppe aufgenommen und mit den vorhergehenden kombiniert. Das erreicht eine Steigerung durch Quantität, folgt aber nicht konsequent der kreisenden Monotonie, der rauschhaften Faszination, dem zerstörerisch blinden Derwischhaften, wie sie von der Staatskapelle besser zu hören waren. Dafür (und vielleicht nur dafür) gab es dann Standing Ovations.

Heinz-Jürgen Staszak

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