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Kultur Rebellion statt Weltschmerz
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00:05 11.04.2016
Jan Gorkow (l.), als Punker Monchi von Feine Sahne Fischfilet, bester Kumpel von Filip Grujic als W. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Rostock

Auf einem großen Blumenberg sitzen Goethe, W. und der Punkrocker „Monchi“, der Sänger Jan Gorkow der Punkband Feine Sahne Fischfilet aus Meck-Pomm. Sie lassen einen riesigen Joint kreisen, schütten sich gegenseitig Bier in den Hals. Goethe (Alexander Wulke in mehreren Rollen) kichert, purzelt irgendwann zu Faust-Versen nach hinten weg. W., der 18-jährige Schulabbrecher (eindrucksvoll Filip Grujic), hat Liebeskummer, weil seine angebetete Lotte (Sabrina Frank) neun Jahre älter ist als er und sich fest an einen anderen gebunden hat.

Und der Blumenberg ist eigentlich das Grab von W., der — wahrscheinlich absichtlich — aus dem Leben ging und nun aus dem Jenseits und in Rückblenden seine Geschichte kommentiert.

„Feuerherz“, das Stück mit den „allerneuesten Leiden des jungen W.“, hatte am Samstagabend seine kraftvolle und mit Standing Ovations gefeierte Premiere im Rostocker Volkstheater. Es ist im Grunde eine Adaption der „Neuen Leiden des jungen W.“ von 1972 für die Gegenwart, unter weitgehender Verwendung von Plenzdorfs Texten, die der Dramaturg Jürgen Eick 2007 für das Theater Senftenberg bearbeitet hatte.

Jetzt in der Rostocker Fassung wirkt die Handlung weniger gesellschaftskritisch, da W.s Leiden auf Liebeskummer beschränkt scheinen. Dass es da ein allgemeineres Unbehagen an dieser Gesellschaft gibt, wird nur diffus spürbar — simple Lehrerkarikatur und entfremdetes Elternhaus zeichnen noch kein Gesellschaftsbild.

Aber gerade dieses Diffuse öffnet in der Inszenierung von Nicole Oder den Raum für Feine Sahne Fischfilet. Die Band spielt ein Gedenk- und Trauerkonzert für W. und ehrt ihn als verlorenen Freund.

Monchi, Christoph Sell, Kai Irrgang, Jacobus North, Max Bobzin und Olaf Ney tun das laut und heftig, mit hand- und herzgemachten Songs, deren Texte man, wie sonst bei der italienischen Oper, auf Übertiteln mitlesen kann. Das beginnt mit einer eigenen Vertonung „Was wir hatten“ des jungen Goethe und endet mit der Band-Hymne „Ich bin total im Arsch“. Zwischen den Songs gibt‘s die Theaterszenen, doch gerade die Band weitet den Horizont der Geschichte zum Lebensgefühl einer Generation. Rausschreien statt Frustschlucken, Rebellion statt Selbstmord, Freundschaft statt Vereinsamung im Weltschmerz, Rausch und Grenzüberschreitung statt Anpassung — so lauten die Botschaften.

Frontmann Monchi bringt diese bodenständige Haltung neben seinen Songs in der Rolle des besten Freundes von W. zur Geltung. Ein Theaterlaie mit Kumpel-Charisma, so schlurft er über die Bühne und sagt dem Freund W. mehr als einmal in breiter Mecklenburger Diktion, dass er diesen Scheiß, das Spielen mit Selbstmordgedanken, endlich lassen solle. Recht hat er, wer so einen Freund hat, der soll rocken und muss jedenfalls nicht sterben.

Von Dietrich Pätzold

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