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00:00 09.04.2016

Mit Kirchenmusik verbinden viele alte Choräle und Orgelklänge. Was macht da ein Referent für Popularmusik?

Der Rostocker Jan Simowitsch ist seit März Referent für Popularmusik bei der Nordkirche / Über Rock und Pop und andere Musikstile will er mit Menschen ins Gespräch kommen

Simowitsch: Kirchenlieder und ihre Sprache sind leider oft noch weit von der Lebensrealität der Menschen entfernt. Die Sprache der mitunter 400 Jahre alten Choräle wird von vielen Menschen trotz all ihrer Schönheit nur schwer verstanden. Aber die Welt ändert sich und auch die Kirche ändert sich. Wir wollen eine Sprache finden, mit der wir gerade auch junge Menschen erreichen. Und auch heute 50-Jährige sind mit Pop und Rock aufgewachsen. Wir bieten ihnen Musik in einem Format, das sie aus dem Radio kennen und Texte, die sie verstehen.

Welche Formen der populären Musik passen Ihrer Ansicht nach denn in eine Kirche?

Simowitsch: Amerikanische Gospels sind ja sehr verbreitet. Aber auch Bandmusik von Soul über Pop bis zum Hardrock ist in der Kirche zu hören, wenn auch noch viel zu selten. Sie bietet die Chance, über Musik ins Gespräch zu kommen. So können wir auch Leute erreichen, die sonst eher kirchenfern sind. Zu Konzerten in Kirchen kommen auch mal 300 oder 400 jugendliche Besucher, die dann zur Musik tanzen und feiern.

Aber Hardrock in der Kirche? Schreckt das nicht die älteren Gläubigen ab?

Simowitsch: Man muss natürlich die richtige Mischung finden. Wenn in jedem Gottesdienst Rock gespielt wird, kommen irgendwann diejenigen nicht mehr, die das nicht so gern mögen. Und „Highway To Hell“ von AC/DC würde ich vielleicht auch nicht unbedingt spielen — es sei denn, der Pastor greift den Text anschließend in seiner Predigt auf.

Geht es in den Liedern nur um religiöse Themen?

Simowitsch: Nein, nicht direkt. Viele Songs, die sonst eher im Radio laufen, haben auch mit christlichen Werten zu tun. Zum Beispiel „Liebe“ von Jan Delay handelt von Nächstenliebe und Toleranz.

Es muss nicht in jedem Song darum gehen: „Gott ist der Größte.“ Die Kirche ist nicht der Ort, an dem man geprüft wird, ob man religiös genug ist, sondern wo man die Chance hat, über Themen zu sprechen, die für das eigene Leben relevant sind.

Musikstile wie Hip-Hop oder Rock stehen für Rebellion, Kirche eher für Tradition. Gibt es da nicht einen Widerspruch?

Simowitsch: In der biblischen Sprache klingt viel fromm und beschaulich, aber in der Sache sind kirchliche Botschaften durchaus rebellisch: Mit ihnen zeigt man eine klare politische Haltung, egal welche Mehrheitsmeinung gerade vorherrscht. Das gilt zum Beispiel für die Flüchtlingsfrage, wo die Kirche bedingungslos für Schutz und Hilfe für Flüchtlinge steht, aber auch für den Umweltschutz oder die Verteilungsgerechtigkeit zwischen Arm und Reich.

In den USA gibt es christliche Rockbands, deren Texte schon fast fundamentalistisch sind. Was halten Sie davon?

Simowitsch: Es gibt Musik, die ich lieber höre.

Inwieweit ist kirchliche Popularmusik schon in MV angekommen?

Simowitsch: Es gibt zum Beispiel Gospelchöre in Rostock, Stralsund, Greifswald und Schwerin oder Bandprojekte in Pasewalk und Gülzow.

Sie sind Absolvent der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Gibt es da noch Beziehungen?

Simowitsch: Ich habe immer Kontakt zu meinen Dozenten gehalten. Das Thema, was wir in MV auf diesem Gebiet noch gemeinsam entwickeln könnten, beschäftigt mich sehr. Da geht noch was!

Kirchenmusiker Jan Simowitsch begann früh mit Klavier

Der 1980 in Rostock geborene Jan Simowitsch spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Klavier (Foto). Unterricht erhielt er am Konservatorium Rostock. Danach studierte er Klavier an der Hochschule für Musik und Theater Rostock mit dem Abschluss als Diplom-Klavierpädagoge. Im Herbst 2004 begann Simowitsch seine Arbeit als Kirchenmusiker der Kirchengemeinde Segeberg. Hier leitet er verschiedene Gruppen, konzertiert aber auch selber auf Orgel, Flügel, E-Bass und in der Band. Er komponiert und arrangiert viele Chorsätze für den Gospelchor Segeberg. Regelmäßig ist er in Gottesdiensten in der Versöhnerkirche und im Gemeindezentrum Glindenberg zu hören.

3 Jahre dauert das berufsbegleitende Studium zum Kirchenmusiker für Popularmusik, das die Nordkirche in Zusammenarbeit mit dem Nordkolleg Rendsburg und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg anbietet. Vermittelt werden darin die Leitung von Chören und Bands, die popmusikalische Gestaltung von Gottesdiensten oder die Erarbeitung von musikalischen Projekten und Konzerten. Eine Ausbildung in diesem Beruf dauert 18 Monate. Daneben bietet der Fachbereich Popularmusik auch Fortbildungskurse in Chorleitung oder Bandcoaching.

Von Interview von Axel Büssem

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