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Reich, reicher, Jakob Fugger

Reich, reicher, Jakob Fugger

Biografie eines Aufstiegs: Vom Sohn einer Augsburger Kaufmannsfamilie zu einer der wichtigsten Figuren Europas

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Die Fuggerei: Jakob Fugger und zwei seiner Brüder ließen in Augsburg eine Sozialbausiedlung errichten. Sie existiert heute noch.

Quelle: AKG

Lübeck. Eines Tages setzte sich Jakob Fugger (1459-1525) hin und diktierte ein Mahnschreiben. Er hatte Geld verliehen, viel Geld, jetzt wollte er es zurück. Das kommt vor in Bankierskreisen. Nur war der Schuldner nicht irgendwer. Es war Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

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Biografie eines Aufstiegs: Vom Sohn einer Augsburger Kaufmannsfamilie zu einer der wichtigsten Figuren Europas

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Aber es funktionierte. Der Kaiser wollte Fugger nicht verlieren, das konnte er sich nicht leisten. Er konnte sich überhaupt wenig leisten, wenn Fugger ihm nicht das Geld gab. Und da war er bei weitem nicht der Einzige.

Es sei dahingestellt, ob Jakob Fugger tatsächlich der „reichste Mann der Weltgeschichte“ war, wie es im Titel von Greg Steinmetz’ Biografie heißt. Aber er war zweifellos über alle Maßen reich. Als er starb, soll sein Vermögen knapp zwei Prozent von Europas Wirtschaftsleistung betragen haben. Er sah sich von Gott in diese Welt gestellt, um reich zu sein. Er wollte Geld verdienen und im Zweifel noch mehr Geld verdienen.

Jakob Fugger entstammte einer Augsburger Tuchhändlerfamilie und wurde zu einer der mächtigsten Figuren Europas. Er schuf ein eigenes Imperium. Er handelte mit Gewürzen und Erzen, besaß Bergwerke und gewaltige Manufakturen. Und er arbeitete mit Geld. Er verlieh es an Fürsten, Könige und Kaiser. Er bestach Adelige, Kardinäle, den Papst. Er finanzierte Kriege, ließ Aufstände niederschlagen und strich am Ende die Rendite ein. Er hatte früh verstanden, dass der Überfall auf eine Bank nichts ist im Vergleich zur Gründung einer Bank, wie sein Augsburger Landsmann Bertolt Brecht ein paar Jahrhunderte später schreiben sollte – Jakob Fugger, einer der ersten Globalisierungsgewinner.

Steinmetz, ein US-Journalist, der unter anderem das Büro des „Wall Street Journal“ in Berlin geleitet hat, beschreibt Fugger als gierigen Egomanen. Er konnte aber auch charmant sein, wenn es den Geschäften diente. Er wollte nicht teilen, seine Macht nicht, seine Entscheidungen nicht und nicht seinen Reichtum. Er ging immer volles Risiko und war seiner Zeit mit einer peniblen Buchhaltung und einem eigenen Nachrichtendienst weit voraus. Er hatte ein Gespür für Geschäfte, für Punkte, an denen der Geldhebel anzusetzen war. Und wenn er kein Geld zum Verleihen hatte, lieh er sich halt welches.

Steinmetz beschreibt dieses Leben anschaulich, auch wenn an Personen, Verbindungen und Verstrickungen wahrlich kein Mangel herrscht. Er lässt eine Phase der Umbrüche aufleben, die Zeit Martin Luthers und Leonardo da Vincis, Albrecht Dürers und Christoph Columbus’. Eine Zeit auch, in der Augsburg eine der bedeutendsten Städte Europas war, deren Ruhm sich aber wie der Lübecks im Laufe der Jahrhunderte verlor. Und auch daran war Jakob Fugger beteiligt.

Er starb am 30. Dezember 1525. Ein Pfarrer und eine Krankenschwester saßen an seinem Bett, seine Frau war bei ihrem Liebhaber. Er hatte geschworen, so lange Geld zu scheffeln, wie er konnte. Er hat sich daran gehalten.

„Der reichste Mann der Weltgeschichte. Leben und Werk des Jakob Fugger“ von Greg Steinmetz, FinanzBuch Verlag, München 2016, 312 Seiten, 26,99 Euro

Ein Neffe übernahm die Geschäfte

Jakob Fugger hatte eine Tochter, allerdings mit einer Mätresse. Die Ehe mit seiner Frau Sibylla blieb kinderlos. Nach Jakobs Tod übernahm sein Neffe Anton die Geschäfte. Sein Onkel hatte ihn beizeiten darauf vorbereitet. Die heutigen Familien Fugger tragen jene Adelstitel, die der später geadelte Jakob Fugger seinerzeit aus Geschäftsgründen nicht tragen wollte.

Peter Intelmann

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