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08:03 25.04.2018
Im Bücherbahnhof Bergen bringt Karoline Wolff Lesestoff unter die Leute. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
Lietzow

Karoline Wolff empfängt ihre Kunden schon vor der Tür – natürlich mit einem Buch in der Hand genießt sie die Sonnenstrahlen auf der Treppe zu ihrem Bücherbahnhof. In den letzten 14 Jahren haben in den alten Gemäuern zahlreiche Bücher die Besitzer gewechselt. „Bis zu 30000 Bücher standen hier schon in den Regalen. Zur Zeit werden es so etwa 25000 Bücher sein“, meint die 33-Jährige.Holger Wendlandt, der zu diesem Zeitpunkt auch schon in Prora mit Büchern gehandelt hat, hat das ehemalige Bahnhofsgebäude 2004 in eine Oase für Bücherliebhaber verwandelt. Karoline Wolff war von Anfang an dabei. „Das Haus stand zuvor lange leer, nachdem hier damals das Personal für die Bahn ausgebildet wurde“, erzählt die Lietzowerin, die den Betrieb des Bücherbahnhofes 2013 übernommen hat. „Und noch heute kommen Gäste, die sich an ihre Zeit hier erinnern.“

In einem alten Bahnhofsgebäude in Lietzow verkauft Karoline Wolff gebrauchte Bücher und hat nicht nur zur Lektüre allerhand zu erzählen.

Alphabetisch und nach Gefühl

Je nach Vorliebe winden sich die Bücherwürmer von Raum zu Raum. Die Anhänger von Krimi und Science Fiction werden gleich im Eingang fündig, die Belletristik zieht sich alphabetisch sortiert durch alle Räume. „Bei Kundenwünschen weiß ich wo ich suchen muss. Aber viele Besucher wollen auch einfach nur in Ruhe stöbern“, sagt Wolff. Und zu entdecken gibt es da auch neben und über den Regalen reichlich Schätze, die eine eigene Geschichte erzählen. Schon die Kinosessel im ersten Raum laden zum Probelesen. „Die stammen aus dem Kino der NVA-Kaserne Prora. Da klebt noch immer der Kaugummi von 1976 drunter. Den habe ich einfach nicht abbekommen ohne Schäden zu hinterlassen“, meint Karoline Wolff mit einem Augenzwinkern. Auch die Bühnenscheinwerfer eines Theaters, ein Filmgerät das vermutlich aus dem Zeltkino Göhren stammt, Magnettonbänder, alte Radios und selbst eine antik anmutende Discokugel ringen um Beachtung. Im nächsten Zimmer lächelt Clara Zetkin neben einer afrikanischen Maske.

Zwischen antiker Lektüre entdeckt

Endlose Meter Geschichte und Geschichten warten nicht nur in jedem Raum – manchmal bringen die Besucher diese auch mit. „Ein Tourist war auf der Suche nach dem Kinderbuch „Tobias und der Doppeldecker“, weil er dies damals zum Geburtstag von seiner Oma bekommen hat, da er selbst Tobias heißt. Das Buch ging ihm verloren“, berichtet sich die Betreiberin. Sie erinnerte sich an das Buch im Regal. „Dieses Exemplar enthielt die Widmung: Für meinen Enkel Tobias. Und der Kunde war überzeugt davon, dass dies das Buch von seiner Oma war.“ Über welche Umwege dieses Buch auf die Insel kam wird wohl ungeklärt bleiben.So antik wie mancher Lesestoff ist dann auch der Rettungsring an der Wand – der anno dazumal auf einem Schiff namens Sassnitz das Sicherheitsgefühl befriedigte – oder die passende Rettungsweste, die daneben auf einem Polylux thront. Einen zweiten Blick wert sind dann auch die kleinen Hinweise, die man den Blechschildern über den Türrahmen entnehmen kann. So lässt sich erkennen, dass dort, wo Karoline Wolff in ihrer kleinen Küche den Tee aufbrüht, von den Bahnangestellten vor etlichen Jahren noch Beschaffung und Versand bearbeitet wurde.

Besuchermagnet für Touristen

Ihre Kundschaft besteht heute zum Großteil aus Touristen aus Bayern, den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz oder Österreich. „Der Bücherbahnhof findet sich in vielen Reiseführern wieder, wovon ich gar nichts weiß“, erklärt Wolff. Der Vorteil bei einheimischen Stammkunden ist klar. „Da weiß ich ganz genau was sie lesen und kann schnell Empfehlungen geben. Und manchmal habe ich dann sogar schon eine Tüte mit Lektüre fertig gepackt.“ Wo früher jeden Tag geöffnet wurde, kann man jetzt noch mittwochs, samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr auf Schatzsuche gehen. Und das soll laut Karoline Wolff auch noch möglichst lange so bleiben. „Es war Leidenschaft von Anfang an.“

Büssow-Krämer Wenke

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