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„Ritter, Tod und Teufel“: Große Oper in Gressow

Gressow „Ritter, Tod und Teufel“: Große Oper in Gressow

Musiker aus MV bringen Werk über Reformator Thomas Aderpul als Uraufführung auf die Bühne

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Singt und spielt eine der weiblichen Rollen: Claudia Graue, Sängerin von „Muttis Kinder“ und frühere Schauspielerin am Volkstheater Rostock.

Gressow. Na, da haben sich ja die Richtigen gefunden. Im Sommer wird in Gressow im Klützer Winkel eine Oper aufgeführt, für die sich Musiker, Schauspieler, Intendanten, Kirchmusikdirektoren, Komponisten, Chöre und Autoren aus ganz Mecklenburg-Vorpommern zusammengetan haben. Seit vorigem Freitag wird geprobt.

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Musiker aus MV bringen Werk über Reformator Thomas Aderpul als Uraufführung auf die Bühne

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Am 7. September ist Uraufführung in der Dorfkirche Gressow — an historischem Orte. Denn dort hat der Reformator Thomas Aderpul (um 1490-1557), um den sich die Oper dreht, zu seinen Zeiten auch gewirkt. Historiker sagen, dass die Reformationsbewegung aus dem Norden vom Klützer Winkel und den Bemühungen Aderpuls ausging.

Die Musik für die Oper hat der Rostocker Musiker und Komponist Wolfgang Schmiedt (57) gemeinsam mit Martin Pollok und Susi Koch geschrieben. Seit Sommer 2014 arbeiten die Rostocker Musiker daran.

Schmiedt war Dozent an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock, hat mit Mikis Theodorakis, Dirk Zöllner, Lauren Newton, John Tchicai und Jacqueline Boulanger, die ebenfalls als Sängerin in der Oper mitwirkt, gearbeitet. Das Libretto stammt von Janny Fuchs. Schmiedt sagt: „Ich finde es ganz schön, das der Landkreis Nordwestmecklenburg so etwas Identitätsstiftendes hinkriegt, das die Landesgrenzen, die uns ja heute noch beschäftigen mit Musik spielend überwindet.“

Mit Landesgrenzen überwinden meint Schmiedt zwar zum einen das Thema. Denn Aderpul hat im Norden von Wismar bis Ratzeburg, im Klützer Winkel und in Lübeck gewirkt. So wird die Oper in diesem Jahr zuerst in den sechs Kirchen aufgeführt, in denen Aderpul tätig war: in den Dorfkirchen Gressow und Klütz, der St. Laurentiuskirche Schönberg, die St. Petrikirche Lübeck, im Ratzeburger Dom und der St. Georgenkirche Wismar. 2017 soll die Oper wandern.

Es ist aber auch das Team gemeint. Gut 50 Mitwirkende hat die Oper. Mit dabei sind neben den Rostockern Schmiedt, Martin Pollok („Die Guten“) und Susi Koch (Susi & The Beat oder Feinfilter), von der auch die Chorsätze stammen, Künstler aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Hannover und Lübeck. Die Hauptrolle wird Florian Hacke aus Berlin spielen, der an der HMT studiert hat, bis 2011 am Lübecker Theater und zuletzt in Ferdinand von Schirachs „Schuld“ im Fernsehen zu sehen war. Den Ritter von Plessen spielt Marcus Melzwig (Muttis Kinder), bis 2013 noch in der Rockoper „The Who‘s Tommy“ in der Hauptrolle zu sehen und zu hören.

Die weiblichen Hauptrollen übernehmen die bekannte Rostocker Jazzsängerin Jacqueline Boulanger (Jazzladies, Pasternack Bigband, Jazzclub a-trane) als Aderpuls Frau Anna und Claudia Graue als Elisabeth, Schwester des Ritters von Plessen. Claudia Graue hat an der HMT studiert, war bis 2008 im Ensemble des Volkstheaters, später im Hoftheater und im Pfefferberg-Theater Berlin und in Bad Hersfeld. Überregional ist sie auch als Sängerin des A-capella-Trios Muttis Kinder bekannt, in dem auch Melzwig singt.

Als literarische Vorlage diente der Roman „Der Angstmann“ von Fritz Meyer-Scharffenberg, den die Dramaturgin Janny Fuchs, die bis 2012 am Rostocker Volkstheater tätig war und heute am Schauspiel Hannover beschäftigt ist, für die Opernbühne bearbeitet hat. Boulanger und Graue sind als Anna, die ihrem Mann immer wieder Mut macht, seinen Weg konsequent weiter zu gehen, und Elisabeth, die an der Geborgenheit und dem Muff der katholischen Kirche festhalten will, die Gegenspielerinnen der Oper.

Die Regie für die Oper wird Wolfgang Bordel, Intendant der Vorpommerschen Landesbühne Anklam, führen. Den Opernchor stellen die Chöre des Schönberger Musiksommers, die der Schönberger Kirchenmusikdirektor Christoph Minke leiten wird. Susi Koch wird die Chöre auch coachen. Außerdem dabei sind das bekannte Berliner Bläserquartett Fun Horns (Volker Schlott, Falk Breitkreuz, Jörg Huke und Nikolaus Neuser) sowie die HMT-Absolventen Jörn Birke und Oliver Bartel, der in Schönberg Musiklehrer ist und dort den Kinderchor leitet.

Ein Who is Who der Musik- und Schauspielszene von MV und angrenzenden Ländern also. Gefördert wird das Projekt vom Bund, über das Förderprogramm Reformationsjubiläum, vom Land und Landkreis sowie der Nordkirche.

Die Idee für die Oper kam bereits im Jahr 2013. Der Landkreis Nordwestmecklenburg hatte den Komponisten Thilo von Westernhagen aus Kalkhorst im Klützer Winkel beauftragt, das Werk zum 500. Jubiläum der Reformation zu schreiben, der aber im Januar 2014 im Alter von 63 Jahren überraschend gestorben ist.

Dann übernahm Schmiedt, der es ja als Pastorensohn gewohnt ist, in Kirchen zu musizieren. Aber dieses Werk sei auch für ihn was Besonderes: „In dieser Kombination ist das schon etwas Spezielles. So ein ganzes geschlossenes Werk in dieser Größenordnung, das ist schon etwas sehr Schönes.“

Wann und wo zu sehen

Die Uraufführung der Reformationsoper „Ritter, Tod und Teufel“ ist am Mittwoch, dem 7. September, in der Dorfkirche in Gressow zwischen Grevesmühlen und Wismar zu sehen.

Weitere Aufführungen: 8. September St. Petri Lübeck; 10. September Kirche Klütz; 13. September St. Laurentius Kirche Schönberg (zum Schönberger Musiksommer); 15. September Dom Ratzeburg; 18.

September St. Georgenkirche Wismar

Von Michael Meyer

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