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Roadtrip von Schwäbischer Alb über New York nach Berlin

Berlin Roadtrip von Schwäbischer Alb über New York nach Berlin

„Die Modernisierung meiner Mutter“ ist das dritte Buch des Berliner Autors Bov Bjerg

Berlin. Das Beste kommt nicht zum Schluss. Zum Schluss kommt die Geschichte, die „Die beste Geschichte“ heißt. Da ist das Beste schon da. Das Buch „Die Modernisierung meiner Mutter“ versammelt Geschichten des in Berlin lebenden Schriftstellers Bov Bjerg, die fast alle aus den zurückliegenden 20 Jahren stammen, was bedeutet: aus der Zeit vor „Auerhaus“.

 

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Bov Bjerg: „Die Modernisierung meiner Mutter“;

Blumenbar

Verlag, München 2016,

160 Seiten,

16 Euro

ISBN-13: 9783351050337

Das war jener Roman über ein paar Jugendliche, die zusammenzogen, einem aus ihrer Mitte das Leben zu retten. Der ging vor einem Jahr so durch die Decke, dass der Titel in aller Munde war, weshalb der Autor selbst, an der Farbe des Covers orientiert, fortan „Das Orangene Buch“ sagte, kurz: „DOB“.

Nun also das rote Buch: „Die Modernisierung meiner Mutter“. Die Geschichten sind ganz anders als jener zweite Roman, der schon ganz anders war als das Debüt „Deadline“ vor acht Jahren, und doch gehören sie zur Familie. Das liegt am Ton, am Ort, am Gegenstand. Der Schriftsteller mit Lesebühnenhintergrund erzählt aus einem Leben, das auch seins zu sein scheint, das sich ergibt aus Erlebtem und Erträumtem. Und weil es ein Roadtrip von der Schwäbischen Alb über New York nach Berlin ist, sind die Geschichten zusammengefasst unter „Erste Ausfahrt Mehrzweckhalle“, „Geänderte Verkehrsführung“ und „Alle Richtungen“.

Bov Bjerg wurde 1965 in Heiningen geboren, es ließ sich nicht umgehen, in den 70ern im ländlichen Baden-Württemberg aufzuwachsen, bevor er, um dem Wehrdienst zu entkommen, nach Berlin zog. Irgendwo am Fuße der Schwäbischen Alb führt Herr Hofer seinen Kaufladen, bis der Krebs ihn holt, hier steigt Herr Wagner kleinen Jungen nach, hier macht die Mutter den Haushalt beim Lateinlehrer-Ehepaar Glinka und den Führerschein. Doch das ist wieder eine andere Geschichte. Da hat das Fehlen einer Fußgängerampel im Dorf bereits drei Todesopfer gefordert: eine Katze namens Katze, die alte Frau Kuhlmann und Bulle Beppo.

Es gibt die Geschwister, die am Karfreitag eine Wurst-Orgie feiern, was mehr noch als mit Fleischgericht etwas mit Gottes Gericht zu tun hat. Es gibt Kopfschuss-Klaus, der mal Bomben-Klaus hieß, beides aus Gründen, und jetzt Kreditkarten vertickt. Lauter kleine Apokalypsen, wie sie nach dem vierten Kräuterschnaps auf Familienfeiern erzählt werden, allerdings etwas schlimmer, aber auch viel amüsanter. Denn aus Bjerg spricht ja ein Satiriker.

Er hat nicht nur Linguistik, Politik- und Literaturwissenschaften sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert, sondern war Mitbegründer mehrerer Lesebühnen wie Mittwochsfazit und Reformbühne Heim & Welt. Daran erinnern einige der Geschichten, zu denen Kurz- und Kürzesttexte gehören. Bov Bjerg schickt Menschen in Geschichten, aus denen sie mit einer Vergangenheit wieder auftauchen. Wenn er mit Worten Atmosphäre schafft, bis Fremdes vertraut wirkt, macht das süchtig nach diesem freundlichen Blick.

Vom „Best of Bov“ schreibt der Verlag, vom „Shootingstar der deutschen Literatur“. Das ist Bjerg eigentlich nicht, sein Weg zum „Auerhaus“ nicht nur ein kurzer Anlauf. „Die beste Geschichte“ kommt zum Schluss. Sie ist neu, beginnt in Berlin am Rosenthaler Platz und führt zu Herrn Dings und dorthin, wo die Dinge sich geändert haben. Lesebühnen waren wie „Punkbands für alle, die für Punk zu unmusikalisch waren“. Die Vergangenheitsform ist ein Loch im Dielenboden. Die beste Geschichte gibt es gar nicht. Das ist das Beste.

Janina Fleischer

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