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Kultur Rock mit Augenzwinkern
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00:01 27.03.2017

Getarnt wie ein Busch und gestützt auf einen Stock steht Sänger Stumpen auf der Bühne und stimmt den ersten Song des Abends, „Alter Mann“, an. „Daniela steht auf Jonas, doch Jonas liebt Vanessa. Vanessa wär’ gern mit Lars zusammen, doch der findet Melanie besser“, singt er mit seiner ausgebildeten Stimme mit rollendem R, das an die Band Rammstein erinnert, und im Refrain: „Zum Glück bin ich ein alter Mann. Das geht mich alles nichts mehr an. Bin weder hetero noch schwul. Und mir genügt ein angenehmer Stuhl.“

Die Jüngsten sind die Musiker der Band Knorkator mit über 50 Jahren tatsächlich nicht mehr. Das waren sie schon 1994 nicht, als sie die Spaßmetalband gründeten. Doch ihnen gelingt es, altersmäßig ein breites Publikum anzusprechen. Das zeigte sich am Freitag auch im ausverkauften Moya, als sie rund 1500 Fans eine – wie diese es von Knorkator gewohnt sind – verrückte und gleichzeitig souveräne Show boten.

Spinner? Irre? Freaks? Die Musiker von Knorkator sind schon in viele Schubladen gesteckt worden. Das hindert die selbst ernannte „meiste Band der Welt“ aber nicht daran, ihr Konzept weiterzuverfolgen, das ihnen seit den 90ern zunehmenden Erfolg gebracht hat. Dieses Konzept besteht in erster Linie darin, dass Spaß und augenzwinkernde Ironie an oberster Stelle stehen. Musikalisch machen sie eine Mischung aus Rock und Metal und persiflieren Bands wie Rammstein. In ihren Shows setzen sie verrückte Ideen um: Sie stellen in mühseliger Matscharbeit eine bräunliche Masse her, die an menschliche Exkremente erinnert und schleudern sie ins Publikum. Oder sie drucken eine eigene Knorkator-Währung, den „Knork“.

Ganz so schräg geht es beim Konzert am Sonnabend nicht zu. Einiges einfallen lassen hatten sich die Musiker aber. So setzt sich Stumpen immer mal wieder verschiedenste Helme, unter anderem einen mit anmontiertem Keyboard, auf den Kopf oder rollt mit einem umgebauten Elektromobil für Senioren in Zeitlupengeschwindigkeit über die Bühne.

„Je länger wir dabei sind, desto mehr steht uns der Sinn danach, einfach unsere Musik wirken zu lassen“, hatte der Keyboarder und Sänger Alf Ator im Vorfeld in einem OZ-Interview angekündigt. Und die lassen sie wirken. Sänger Stumpen, Keyboarder und Sänger Alf Ator, Gitarrist Buzz Dee, Bassist Rajko Gohlke und Schlagzeuger Nick Aragua spielen Songs der aktuellen Platte „Ich bin der Boss“ (2016), aber auch viele ältere Stücke. Vor einem Lied des aktuellen Albums bittet Stumpen eine junge, mädchenhaft wirkende blonde Frau auf die Bühne. „Das nächste Lied richtet sich an dich und noch jüngere Jahrgänge“, kündigt er „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“ an. Die junge Blondine moscht selbstbewusst auf der Bühne zum Knorkator-Lied – eine Hymne zum Brüllen, die unter Fans jetzt schon Kultstatus genießt. Das zeigen recht hohe Klickzahlen des Youtube-Videos und Kommentare dazu.

Sänger Stumpen ist eine der „Rampensauen“ dieser Welt und schafft es, dass ein zu Beginn eher verhaltenes norddeutsches Publikum im Laufe der mehr als zweistündigen Show immer feierfreudiger wird.

Trotz ständigen Herumhopsens bleibt Stumpens Stimme beim Singen und Brüllen klar und deutlich. Neben langsameren Songs wie „Sie kommen“ der aktuellen Platte haben die Fans auch Gelegenheit, sich ihren potenziellen Frust bei Songs wie „Böse“ herauszubrüllen. Knorkator spielen an diesem Abend ein souveränes Konzert, bei dem neben der Spielqualität der Band auch die Soundqualität im Moya überzeugt. Die Fans würdigen das mit entsprechendem Applaus. „Zerstört, zertrampelt, verwest wäre ich ohne die Gunst meines Auditoriums“, bedankt sich Sänger Stumpen, nachdem er die Menge wiederholt zu Applaus angestachelt hatte. Sein tätowierter Körper – er trägt nur eine Unterhose – glänzt vor Schweiß. Als Zugabe spielen die Berliner unter anderem das Lied „Eigentum“, das Alf Ator singt und genau wie „Alter Mann“ aus „Das nächste Album aller Zeiten“ (2007) stammt. „Ich bin das Eigentum von meinem Eigentum, bin allem hörig, was mir gehört“, singt Alf, während Stumpen im Hintergrund mit seinem freakigen Mobil über die Bühne rollt.

„Es war eine tolle Show und das Publikum sehr entspannt“, sagt der Rostocker Olaf Pommeranz nach dem Konzert. Viele Fans sind Knorkator schon seit Jahren treu. „Ich habe sie 2002 das erste Mal live gesehen – auf dem Soundgarden-Festival im hessischen Friedberg“, sagt etwa Kai Willführ (39) aus Rostock. Bleibt für sie zu hoffen, dass Knorkator auch bei der nächsten Tour wieder in MV haltmacht.

Da Alf Ator aus Schwerin stammt, ist die Wahrscheinlichkeit groß.

Nele Baumann

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