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Rock'n'Roll-Legende Chuck Berry gestorben

Musik-Ikone Rock'n'Roll-Legende Chuck Berry gestorben

Mit flinken Fingern sauste Chuck Berry in den 50ern und 60ern über seine E-Gitarre, die Teenager lagen ihm zu Füßen. Musikalisch stellte er Elvis in den Schatten, beeinflusste unter anderem Beatles, Rolling Stones und Beach Boys. Jetzt ist Berry mit 90 Jahren gestorben.

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Chuck Berry ist tot.

Quelle: Britta Pedersen

Louis. St.Ein neues Album, das erste seit fast 40 Jahren, war für 2017 angekündigt. „Dieses Album ist meiner geliebten Toddy gewidmet“, hatte Chuck Berry dazu kommentiert.

Fast 70 Jahre war die Rock'n'Roll-Legende mit Themetta „Toddy“ Berry verheiratet. „Mein Darling. Ich werde alt. Ich habe lange an diesem Album gearbeitet. Jetzt kann ich meine Schuhe an den Nagel hängen.“

2012 bereits hatte Berry dem Musikmagazin „Rolling Stone“ gesagt, seine Tage als Sänger seien vorbei. „Meine Stimme ist weg. Meine Kehle ist ausgeleiert. Und meine Lungen sind fast am Ende.“

Berry wird die Veröffentlichung des Albums nicht mehr erleben. Der oft als „Mr. Rock'n'Roll“ bezeichnete Musiker starb am Samstag (Ortszeit) im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Wentzville in der Nähe von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri.

Familie, Freunde, Fans, Kollegen und sogar frühere US-Präsidenten betrauerten den Tod des Musikers. „Hillary und ich lieben Chuck Berry, solange ich denken kann“, ließ Bill Clinton mitteilen. „Der Mann war untrennbar von seiner Musik - beide waren komplett originell und sehr amerikanisch. Er hat unsere Füße in Bewegung gesetzt und Freude in unsere Herzen gebracht. Und währenddessen hat er unser Land und die Geschichte der Musik verändert.“

Literaturnobelpreisträger und Musikkollege Bob Dylan hatte schon vor einigen Jahren dem „Rolling Stone“ gesagt, dass Berry in seinem Universum „unersetzlich“ sei. „Solange Chuck Berry da ist, ist alles, wie es sein soll.“ Und auch für Soul-Musiker Stevie Wonder war die Sache klar. „Es gibt nur einen wahren King des Rock'n'Roll. Sein Name ist Chuck Berry.“

Der 1926 in St. Louis geborene Afroamerikaner gab sich dagegen schon immer bescheiden. „Meine Sicht ist nach wie vor, dass ich all das Lob, das ich für meine Errungenschaften im Rock'n'Roll bekomme, nicht verdiene“, schrieb Berry in seiner Autobiografie. „Alles, was ich geschrieben habe, ist auch nicht über mich, sondern über die Menschen, die zuhören.“ Berry sprach junge Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen an, schrieb das Musikmagazin „Billboard“. In einer Zeit, als in den USA Schwarz und Weiß noch getrennt waren, „wusste er, was Menschen ausdrücken wollten, aber selbst nicht konnten.“

Der Einfluss von Berry auf die Welt fetziger Gitarren-Riffs der 1950er, 60er und 70er-Jahre lässt sich kaum bemessen. Bands wie die Rolling Stones wurden von ihm maßgeblich beeinflusst. Als einer der größten Songschreiber und besten Gitarristen seiner Zeit hat Berry den Rock'n'Roll und davon inspirierte Musikgenres nachhaltig geprägt. Elvis mag die bildhafte Ikone und das Sexsymbol des Genres gewesen sein, doch Berry verkörperte dessen Mentalität mit seinen Kompositionen.

Charles Edward Anderson Berry, genannt „Chuck“, wuchs im Kreis einer großen Familie auf und entwickelte bald ein Gespür für Dichtkunst und Blues. Er nahm jeden Gig mit, den er kriegen konnte, teils für 15 Dollar pro Nacht, und machte sich in der Clubszene von St. Louis einen Namen. Beeinflusst wurde er von Blues-Größen wie Nat King Cole und seinem Idol Muddy Waters, der Berry in einer zweiminütigen Unterhaltung in Chicago schließlich dazu animierte, auf das „Chess“-Musiklabel zuzugehen.

Dort stellte sich der Erfolg schnell ein, als Berry 1956 den Hit „Roll Over Beethoven“ landete. „School Day“ und „Rock and Roll Music“ (beide 1957) sowie „Sweet Little Sixteen“ und sein wohl bekanntester Hit „Johnny B. Goode“ (beide 1958) folgten. Teenager und ländlich beeinflusste Hillbilly-Musiker aus dem Süden mochten Berrys Stil, und auch der zu der Zeit eher unbekannte Elvis Presley erkannte das Potenzial und nahm Berrys Hit „Maybellene“ mit in seine Show auf. Musikalisch konnte der spätere „King“ Berry aber nie das Wasser reichen.

Neben groovigen Gitarrenläufen machte Berry vor allem den „Duckwalk“ zu seinem Markenzeichen, den Entenwatschelgang, der einer Anekdote zufolge eher aus der Not heraus entstand: Die Band hatte sich vor einem Konzert nicht mehr umziehen können, und so watschelte der stets stilbewusste Berry in zerknitterter Kleidung auf die Bühne, um von den peinlichen Falten abzulenken.

So hoch der talentierte Showman Berry im Musik-Business aufstieg, hatte er privat einige Tiefpunkte. Als Teenager hatte er wegen verschiedener Vergehen mehrere Jahre in Jugendhaft verbracht, 1961 wurde er erneut verhaftet und für anderthalb Jahre hinter Gitter gesteckt, weil er ein 14 Jahre altes Mädchen über die Grenze zweier Bundesstaaten gebracht hatte. Der Fund von Drogen und mit Minderjährigen gedrehte Pornofilmen in seinem Haus sowie Steuerhinterziehung brachten ihm erneut Ärger mit der Justiz ein. Zudem soll er Frauen auf der Toilette eines Restaurants gefilmt haben, das er 1989 gekauft hatte.

Den Rückblick auf seine herausragende musikalische Laufbahn dürften diese Episoden nur bedingt trüben. Der Grammy für sein Lebenswerk im Jahr 1985, die Aufnahme in die Rock'n'Roll „Hall of Fame“ im selben Jahr und viele weitere Auszeichnungen stellten unmissverständlich fest, dass Berry einer der Großen war. Die Musik der Beatles und der Rolling Stones, die ihre Kompositionen Berrys Stil nachempfanden, ist Teil seiner Hinterlassenschaft.

Vielleicht war es genau aus dem Grund auch der Beatle John Lennon, der die künstlerische Leistung Berrys am besten zusammenfasste: „Wenn man Rock'n'Roll umbenennen wollte, müsste man ihn Chuck Berry nennen.“

dpa

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