Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur „Confessin’ the Blues“ – Die Rolling Stones stellen ihre Quellen vor
Nachrichten Kultur „Confessin’ the Blues“ – Die Rolling Stones stellen ihre Quellen vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 26.11.2018
Stones-Gitarrist Ronnie Wood hat es höchstselbst gemalt: Das Cover des Doppelalbums „Confessin' The Blues“. Quelle: Ronnie Wood/BMG
Chicago/London

Mick Jagger hatte eine „Best of“ von Muddy Waters unterm Arm, dazu „Rockin‘ At The Hops“ von Chuck Berry, als er Keith Richards am 17. Oktober 1961 am Bahnhof von Dartford traf. „Ich meine, er besaß den Piratenschatz von Henry Morgan“, erinnerte sich Richards 2010 in seiner Autobiografie „Life“ an den Moment.

Keith Richards: „Im Vergleich zu Mick war ich ein Dorftrottel“

Sie konnten gar nicht anders als ihre Köpfe zusammenzustecken. Blues und Rock’n’Roll waren das Gesprächsthema, Richards notierte die Stanznummern auf Jaggers Platten, die direkt per Versand aus Chicago kamen, und hätte vor Aufregung fast vergessen, bei seinem Art College in Sidcup auszusteigen.

„Im Vergleich zu Mick war ich praktisch bloß ein Dorftrottel“, gestand Richards. Und trotzdem traf das Arbeiterkind aus Dartford den Studenten an der London School of Economics danach immer wieder. Und die Welt bewegte sich auf die Gründung der Rolling Stones zu.

Die holten sich ihren Namen von dem Song „Rollin’Stone“ der 1915 im Mississippi geborenen Blueslegende und verstanden sich in ihren Anfängen und nach einer Phase der Beatles-Annäherung wieder als Bluesband. Auch Ronnie Wood, der Mitte der Siebzigerjahre den Stonesflüchter Mick Taylor bei den Stones ersetzte, hatte mit seiner ersten Band The Birds 1964 von der ersten Single an dem Chicago-Blues gefrönt.

Die Stones huldigen auf „Confessin’ The Blues“ ihren Ursprüngen

Und als das eigene Songwriting vor zwei Jahren kein veröffentlichungstaugliches Stones-Album ergab, stürzte sich die „dienstälteste Rock’n’Roll-Band der Welt“ 2016 wieder auf die Musik, mit der sie einst begannen. Mit Erfolg: Die Blues-Kollektion „Blue & Lonesome“ war das erfrischendste Studiowerk der Rolling Stones seit langen Jahren.

Ihren Quellen huldigen die Stones jetzt mit dem Doppelalbum „Confessin‘ The Blues“. 42 Nummern erzählen die Geschichte von „Amerikas größtem musikalischen Export“, Ronnie Wood hat das Cover gemalt. Die britischen Kuratoren lassen damit auch ihre eigene Geschichte aufschimmern – den Großteil der versammelten Songs haben sie im Verlauf ihrer Karriere gecovert – von Slim Harpos „I’m A King Bee“ über Mississippi Fred McDowells „You Gotta Move“ bis hin zu Howlin Wolfs „Little Red Rooster“.

Trockener, akustischer Delta Blues steht auf „Confessin’ The Blues“ neben elektrifiziertem, zuweilen Bläser-gesättigtem Großstadtblues, alles in bestmöglicher Soundqualität. Dem Vorurteil, der Blues sei der Tränensack der Popmusik, wirkt die Sammlung strikt entgegen. Der Blues hier ist oft auch treibend, zuweilen geradezu flott und humorvoll, wie nicht nur Bo Diddleys „You Can’t Judge a Book by the Cover beweist.

Der Blues ist definitiv keine Musik, die den Hörer runterzieht

Chuck Berrys „Little Queenie“ würden freilich nicht alle dem Blues zuschlagen. Die Grenzen zum Rock’n’Roll sind fließend. Und es ist, wie der groß(herzig)e deutsche, inzwischen leider verstorbene Konzert-Imopresario Fritz Rau (auch Veranstalter der Rolling Stones) zu sagen pflegte: „Bist du traurig, bringt dich der Blues wieder nach vorn.“

Jeder der Bluespioniere wird dem Einsteiger mit einer kurzen Biografie nahegebracht – von Robert Johnson (1911–1938), der dem Teufel an einer Kreuzung seine Seele verkauft haben soll bis zu Little Walter (1930–1968), dessen exzessives Mundharmonikaspiel Mick Jagger inspirierte und der bei einem Streit erschlagen wurde.

Nicht jede der skizzierten Lebensläufe ist so dramatisch, doch allen gemeinsam ist die Prägung durch den Rassismus im weißen Amerika. Die große Stunde dieser Pioniere schlug mit der Stunde der Stones und den Bands der British Invasion. Weiße Jungs von der Insel, die die schwarzen Originale vergötterten. Das war etwas völlig Unerhörtes, Unvorhersehbares.

„Wenn du den Blues nicht kennst, gibt es keinen Grund, eine Gitarre in die Hand zu nehmen und Rock’n’Roll oder irgendeine andere Art von Populärmusik zu spielen“, beteuert Keith Richards. Was das nächste Album der Rolling Stones betrifft, hat er durchblicken lassen, man habe im Studio an eigenes Songs gearbeitet.

Die Stones-Fans würden ein reines Blues-Alterswerk goutieren

Freilich würde bei Fans auch ein nobles Alterswerk aus feinen Blues-Covern, eine mehrbändige Fortsetzung des „Blue & Lonesome“-Konzepts, Gefallen finden. Vorläufig geht die Geschichte der Band live weiter: Am 30. November beginnt der Vorverkauf für die „No Filter US-Tour 2019“. Vom 20. April bis zum 21. Juni rocken die Stones Amerika. Sie rollen und rollen und rollen.

Diverse: „Confessin‘ The Blues“ – Doppelalbum (BMG) bereits erschienen

Von Matthias Halbig / RND

Kultur Dörte Hansens „Mittagsstunde“ - Ein Hörbuch voller Platt-Genüsse

Mit Hörbüchern ist es ein bisschen wie mit Literaturverfilmungen: Im seltenen günstigsten Fall entsteht eine kongeniale Symbiose zwischen medialem Eindruck und Gelesenem.

26.11.2018

Menschen in einer US-Kleinstadt, die an den Wunden der Vergangenheit leiden, ein wortkarger Handwerker, dessen Geschichte zu der eines ganzen Landes wird, und Zeitreisende, um die sich eine romantisch-tragische Liebesgeschichte entspinnt: die Buchtipps von Martina Sulner.

25.11.2018

Das ist doch mal eine feuchtfröhliche Spielidee: Bei „Cool Runnings“ wird ein hektisches Wettrennen gestartet – mit Eiswürfeln als Spielfiguren. Da gilt: Wer schmilzt, fliegt raus.

25.11.2018