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„Room Service“: Vom Mythos Hotel in der Kunst

Baden-Baden „Room Service“: Vom Mythos Hotel in der Kunst

Hotelgäste erwartet heutzutage immer wieder das Gleiche: „Durchschnitt, Durchschnitt und nochmals Durchschnitt − und das auf internationalem Niveau“, ätzt Design-Professor Volker Albus.

Baden-Baden. Hotelgäste erwartet heutzutage immer wieder das Gleiche: „Durchschnitt, Durchschnitt und nochmals Durchschnitt − und das auf internationalem Niveau“, ätzt Design-Professor Volker Albus.

Rustikal, klassisch, elegant, postmodern oder altfränkisch - im Hotelzimmer herrsche Mittelmaß. Dabei geht es auch ganz anders, wie eine außergewöhnliche Ausstellung in Baden-Baden zeigt. „Room Service - Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel“ beleuchtet, wie Künstler im Laufe von zwei Jahrhunderten Hotels erlebt haben und auch, wie sich die Häuser unter ihrem Einfluss veränderten.

Die Staatliche Kunsthalle hat dafür Beispiele von mehr als 70 Künstlern versammelt: Von William Turner über Max Beckmann und Andy Warhol bis hin zu Zeitgenossen wie Martin Kippenberger oder Cindy Sherman. Die Ausstellung mit Kunst-Parcours durch verschiedene Nobelhotels im Kurort ist bis zum 22. Juni zu sehen.

Der Rundgang durch die Hotel-Geschichte beginnt in der Kunsthalle mit kleinen Preziosen: Zwischen historischen Fotos von Hotel-Ansichten und einem frühen Interieur von William Turner kann der Besucher per Knopfdruck das erste Foto-Negativ eines Hotels von William Henry Fox aus dem Jahr 1843 zum Leuchten bringen. Welche Faszination die ersten Grandhotels auf die Zeitgenossen Anfang des 19. Jahrhunderts ausübten, hält das Skizzenbüchlein Turners genauso fest wie eine Zeichnung vom Strand in Brighton von John Constable.

Dass sich schon früh Künstler der Hotels und diese wiederum der Künstler bemächtigten, zeigen die Künstlerkolonien, die sich in ihnen oder um sie ansiedelten. Mit Kunst wurde das Gästezimmer oder das Essen bezahlt, und manch gewiefter Wirt wie der des Brøndums Hotel im dänischen Skagen gab den Malern Schnaps-Runden aus, wenn ein neues Gemälde fertig war. Heute ist Brøndums Speisesaal eines der am besten erhaltenen Esszimmer in Hotels des späten 19. Jahrhunderts. Der nordischen Malerkolonie widmet das Museum einen Saal mit Bildern von den Festen im Hotel und auch von der Meereslandschaft.

Was der Belle Epoque die Grandhotels waren, sind heute die Mega-Türme in Arabien oder Asien, eindrucksvoll zu sehen in Andreas Gurskys monumentalem Foto-Werk „Shanghai“ aus dem Jahr 2000. Was aus manch ambitioniertem Großprojekt werden kann, zeigen die Fotos einer Hotelruine in Mosambik von Guy Tillim. Statt betuchter Hotelgäste hausen im nackten Beton nun die Armen der Stadt.

Abgründe tun sich auf, wenn sich in den Ausblicken aus den „Traumhotels“ von Sven Johne auf Lampedusa nur erahnen lässt, was die Insel für Flüchtlinge aus Afrika bedeutet: Rettungsanker statt Urlaubsparadies. Die ganz alltägliche Trostlosigkeit moderner Einheitshotels schließlich dokumentiert das Zimmer eines Handlungsreisenden von William Eggleston.

Was passieren kann, wenn eine Künstlerin in die Rolle eines Zimmermädchens schlüpft, zeigt „L'Hôtel“ von Sophie Calle. Die Französin spionierte drei Wochen die Gäste eines venezianischen Hotels aus, stöberte in deren Sachen herum - und fotografierte diese geheimen „Schätze“.

Dass Ausstellungen zuweilen an ungewöhnlichen Orten zu sehen sind, zeigte Hans Ulrich Obrist 1993: In einem zwölf Quadratmeter großen Hotelzimmer veranstaltete er eine unangekündigte Ausstellung mit 70 Künstlern. Für Baden-Baden hat er die Aktion in kleinerem Rahmen neu aufgelegt - und nun weiß das Personal im Steigenberger Europäischer Hof auch Bescheid, wenn Besucher in das Hotel kommen, um die Werke von Tracey Emin, Rosemarie Trockel und Xu Zhen zu besichtigen.

Ein weiterer Abstecher lohnt in Brenners Park-Hotel: Baden-Badens Nobelherberge präsentiert zum einen im Kamin-Foyer zwei riesige irritierende Frauenporträts im Goldrahmen von Cindy Sherman. Wer mag, kann für rund 100 Euro im „Kleinen Entscheidungsraum“ von Christian Jankowski (nur bis zum 6. April) eine Nacht verbringen. Das Hotel hat dafür ein Zimmer komplett bis auf den Estrich entkernt. Ob Teppich, Bett, Sofa oder Lampe - der Gast soll selbst bestimmen, was er in dieser Nacht wirklich braucht, um eine für ihn wichtige Entscheidung zu treffen - und die Mehrleistung nach eigenem Gusto honorieren. Das noble Bad immerhin ist schon in der Rohfassung inbegriffen.


Projekt Room Service



dpa

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