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Kultur Rostock setzt Segel für Toleranz
Nachrichten Kultur Rostock setzt Segel für Toleranz
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01:23 18.04.2018
Kirk Allen, Brad Allen, Brad Smallen, David Harold und Chris Dawson (v. l.) aus Manchester haben den Rumpf des „Ship of Tolerance“ gebaut.
Rostock

Das geht ja erstaunlich fix. Einmal muss Jens Brademann (49) von Warnowkran Krebs in Rostock den Ausleger korrigieren, dann, zack, hängt der Mast in der Luft. Und keine zehn Minuten später ist der 14 Meter lange Hauptmast, den die Rostocker Werft Tamsen Maritim gesponsert hat, gesetzt. Im Mai werden hier an Mast und Rumpf des „Ship of Tolerance“ rund 800 bemalte Tücher zu sehen sein. 2600 Schüler und einige Erwachsene aus Rostock und Umgebung, aber auch aus Stralsund, Bad Doberan, Neubrandenburg oder von der Insel Rügen waren angereist, um ihre Botschaften in den Projekträumen der Rostocker Kunsthalle auf die Tücher zu pinseln, zu malen oder zu schreiben.

US-Künstlerpaar Emilia und Ilya Kabakov lassen „Ship of Tolerance“ in den Stadthafen bauen

Von Rostock soll in diesem Jahr zur 800-Jahr-Feier ein Zeichen der Toleranz und des Respekts gesendet werden. Ein weltumspannendes Symbol der Offenheit, wie es einer Hafenstadt selbstverständlich zu Gesicht steht. Die Hansestadt wird damit Teil eines weltweiten Kunstprojekts des Künstlerehepaars Emilia und Ilya Kabakov.

In zehn Städten und acht Ländern weltweit kann man die „Ships of Tolerance“ der russischstämmigen Amerikaner besuchen. 2005 wurde im ägyptischen Siwa das erste Symbolboot gebaut. Im selben Jahr präsentierten die Kabakovs auf der Biennale in Venedig, wo sie 1993 bereits den russischen Pavillon prägten, ihr zweites „Ship of Tolerance“. Jetzt gibt es diese Friedensschiffe, die 2010 mit dem Cartier Award für freie Kunst ausgezeichnet wurden, im schweizerischen Zug, in Rom, New York, Moskau, Havanna, Miami, Sharjah, St. Moritz – und nun eben Rostock.

Das Schiff als Kunstobjekt besteht im Grunde aus drei Teilen: der Idee, dem Rumpf und dem Segel. Die Idee der Künstler ist es, vom Schiff als Zeichen der Bewegung der Menschen auf dieser Welt ein Zeichen der Toleranz, des Respekts und der Begegnung in ebendiese Welt zu senden. Dafür haben weltweit Kinder ihre Vorstellungen von Toleranz und Respekt auf die Segel gemalt. Stefanie Meyer (28), eine der drei Museumspädagoginnen der Kunsthalle, die seit Oktober 2017 mit Schülern verschiedenster Altersstufen an dem Projekt arbeitet, sagt: „Da traten je nach Alter die unterschiedlichsten Themen und Impulse zutage. Die Grundschüler haben eher symbolisch Themen wie Freundschaft visualisiert, während die älteren Schüler sehr komplexe Fragestellungen über Religion, Flüchtlingsbewegungen, Sexualität oder gleichgeschlechtliche Liebe thematisierten.“

Der Bau des Rumpfes liegt in den Händen eines fünfköpfigen Teams um David Harold aus Manchester, Assistenten des Künstlerpaares. Sie reisen seit Jahren durch die Welt und bauen „Ships of Tolerance“.

Brad Allen, ebenfalls aus Manchester, sagt: „Oh, wir sind 14 Tage in Rostock geblieben. Sonntag wollen wir fertig sein. Dann reisen wir weiter für das nächste Projekt in Chicago.“ Beneidenswerter Job. Leider hielt sich in Rostock die Unterstützung aus der Bevölkerung in Grenzen. Der 21-jährige Philipp Richter, Auszubildender im ersten Lehrjahr bei der Rostocker Tischlerei Meinert, hat als Einziger mit angepackt: „Mein Chef hat mich gefragt, ob ich will. Da habe ich sofort zugesagt. War mal eine ganz andere Erfahrung.“ Wer diese Erfahrung auch mal will, hat bis Samstag Zeit. Viele Hände machen bekanntlich schnell ein Ende. Jeden morgen geht es um acht Uhr an der Kaikante im Fischereihafen gegenüber dem Hauptgebäude des Rostocker Fracht- und Fischereihafens (RFH) in der Kaistraße los.

Guntram Porath (58) leitet das Projekt seit einem Jahr. Für ihn ist das eine außergewöhnliche Idee, die die Welt verändern kann: „Die Kabakovs sind die weltweit derzeit am meisten ausgestellten Künstler, die mit ihren verbindenden Installationen alltägliche Elemente mit konzeptuellen verschmelzen lassen.“ Ab Freitag präsentieren Emilia und Ilya Kabakov, 1945 und 1933 in Dnipropetrowsk in der damaligen Sowjetunion geboren, und 1998 in die USA emigriert, in der Eremitage in St. Petersburg ihre aktuelle Ausstellung „Not Everyone Will Be Taken Into The Future“. Am 17. Mai eröffnet die Rostocker Kunsthalle die Retrospektive „Two Times“ der beiden Preisträger des Premium Imperiale 2008. Am 16. Mai wird das „Ship of Tolerance“ im Ludewigbecken des Rostocker Stadthafens mit Blick auf die Aida-Reederei auf einem Ponton installiert.

Am 19. Mai ist Eröffnung des Schiffsprojekts, das bis Oktober dort liegen und als Begegnungsstätte dienen soll. Anschließend wird es auf einen Transporter verfrachtet und nach Düren transportiert.

Die Stadt in der Nordeifel will sich das Kunstprojekt von Rostock nach den 800-Jahrfeiern, bei denen das „Ship of Tolerance“ eine zentrale Rolle spielen soll, ausleihen. Stefanie Meyer sagt: „Bis dahin werden wir uns dort aber noch einige Maler zum Grillerchen oder so treffen.“ Toleranz – verbindet!

„Ship of Tolerance“

Das Kunstprojekt „Ship of Tolerance“ geht auf die Initiative der US-amerikanischen Künstler Emilia und Ilya Kabakow zurück.

Die ersten Schiffe

wurden 2005 im

ägyptischen Siwa und bei der Biennale

in Venedig erbaut.

In Rostock wird das „Ship of Tolerance“ am 19. Mai eingeweiht.

Das Schiff soll unter

anderem auf den

Feierlichkeiten zum 800. Geburtstag der Hansestadt Rostock

im Stadthafen zu

besichtigen sein.

Das Projekt läuft bis

Oktober 2018

im Ludewigbecken

des Stadthafens.

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