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Rostocker Frank Schlößer schrieb besten Debüt-Krimi

Graz/Rostock Rostocker Frank Schlößer schrieb besten Debüt-Krimi

Die Criminale ehrte den Autor für die Steinzeit-Story „Der letzte Pfeil“ über Ötzis Tod mit dem Glauser-Preis

Graz/Rostock. „Das Syndikat“ gehört zu den größten kriminellen Organisationen Europas. Die Gruppe deutschsprachiger Krimiautoren macht Jahr für Jahr mit ihrem Kongress und Literaturfestival Criminale eine andere Stadt zum Tatort, um das Genre und dessen Beste zu preisen.

 

OZ-Bild

Als Krimi-Autor ausgezeichnet – der Rostocker Journalist und Schriftsteller Frank Schlößer (51).

Quelle: Foto: Privat

Die jüngste Criminale (2. bis 7. Mai) feierte weit im Süden, im österreichischen Graz, und zeichnete neben anderen einen Autor vom nördlichen Rand des Sprachraums aus: Der Rostocker Frank Schlößer (51) erhielt den mit 1500 Euro dotierten Friedrich-Glauser-Preis 2017 der Sparte Bester Debüt-Krimi – für den Roman „Der letzte Pfeil“ über die Ermordung des berühmten Steinzeitmenschen Ötzi (Emons Verlag Köln, 2016).

„Toll“, freut sich Schlößer, „wenn du von der Autorengemeinschaft das bestätigt bekommst, was du selbst mit dem Buch wolltest. Dass es so geht, haut mich um!“, sagte er gestern der OZ. Denn eine Ötzi-Fantasie kann auf den ersten Blick eine simple Idee scheinen. Leser des Romans, der vor 14 Monaten erschien, wissen jedoch, dass Schlößer damit nicht nur vordergründige Krimi-Spannung, sondern ein überschaubares Gesellschaftsmodell geschaffen hat.

Daher lobte jetzt „Das Syndikat“: „Die kunstvolle Sprache des Erzählers zieht uns in eine Geschichte von Manipulation bis hin zum Umgang mit Fremden, die heute ebenso aktuell ist wie damals. Als Leserin, als Leser fühlen wir uns zunächst zivilisatorisch überlegen, wir wissen so viel mehr als der namenlose, steinzeitliche Erzähler. Durch ihn erleben wir hautnah, wie sich alle Gewissheiten auflösen und die Machtverhältnisse auf den Kopf gestellt werden. Der Erzähler kann den Unheilsbringer zwar töten, das steht von Anfang an fest, doch die Entwicklung kann er nicht aufhalten. Seine Welt ist zu Ende. Und plötzlich bröckelt unsere scheinbare zivilisatorische Überlegenheit, und wir fragen uns: Kennen wir das nicht alles irgendwie?“

Anfang März 2017 hat Schlößer seinen zweiten Krimi vorgelegt. „Der tote Reformator“ (Hinstorff Verlag) spielt mit der Idee von einer Ermordung des Rostocker Reformators Joachim Slüter (1490-1532).

Diesmal mit größerer Fülle an historischem Stoff, aber wieder mit deutlichen Bezügen zur Gegenwart.

Ist also der literarische Mord an historischer Prominenz Schlößers Erfolgsrezept? „Nein“, antwortet der Autor, „beide Themen haben sich ja eher zufällig ergeben: Ötzi bei einem Urlaub in Österreich, Slüter durch das Reformationsjubiläum.“ Ob er überhaupt mit Krimis (oder mit Historischem) weitermachen werde, wisse er noch nicht. „Jedenfalls habe ich keine Lust, mir eine Ermittler-Figur auszudenken und damit dann zehn Krimis zu schreiben.“

Im Moment hat Schlößer erstmal ganz anderes zu tun. Seit Herbst 2016 arbeitet er als Lehrer im Fach Deutsch als Fremdsprache und ließ sich parallel dazu an der Uni Rostock dafür ausbilden. Als er jetzt aus Graz zurückkehrte, habe er in der Post auch die Bestätigung gefunden, seine 16 Wochenstunden künftig als zertifizierter Lehrer zu geben. Leute aus Syrien, Kenia, der Ukraine, dem Iran oder aus Eritrea – die Klasse gemischt, es sei interessant, schön und überraschend, wie motiviert alle seien.

Literarische Pläne hat Schlößer aber auch. So denkt er an eine Erzählung über den 5. Mai 1953: jenen Tag, der das Leben des Schriftstellers Uwe Johnson entscheidend prägte. An diesem Tag sollte Johnson, damals Student der Uni Rostock, im Auftrag der Freien Deutschen Jugend eine Brandrede gegen die Junge Gemeinde halten. Er trat auf, wandte sich aber gegen die Antikirchen-Kampagne des Staates, hatte seither Schwierigkeiten in der DDR und wurde durch all das zum Schriftsteller, wie Johnson später einschätzte.

Auch andere Ideen treiben Schlößer um: Ein Gundermann-Musical mit Bezügen zur Gegenwart oder eine TV-Serie nach Geschichten über Timothy Truckle von Gert Prokop (1932-1994). Klingt spannend.

Glauser-Preis geht an deutschsprachige Krimi-Autoren

Der Friedrich-Glauser-Preis gilt neben dem Deutschen Krimi- Preis als eine der wichtigsten deutschen Auszeichnungen für Krimi-Literatur. Benannt ist er nach dem Schweizer Friedrich Glauser (1896-1938),

einem der ersten deutschsprachigen Krimi-Autoren. Vergeben wird der „Glauser“ von der gut 750-köpfigen Autorengruppe „Das Syndikat“ beim Festival Criminale.

Der Hauptpreis ist mit 5000 Euro dotiert. Der „Glauser“ wird in mehreren Kategorien, darunter bester Kurz-Krimi, vergeben.

„Der letzte Pfeil“,

von Frank Schlößer, Emons-

Verlag, 240 Seiten,

11,99 Euro.

Dietrich Pätzold

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