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Kultur Ateliers im Blickpunkt
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Das Atelier des Künstlers Wolfgang Friedrich im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen in den 1990er Jahren. Quelle: FOTO: Archiv Wolfgang Friedrich
Rostock

Es ist ein anderer Blick auf die Kunst, der hier vollzogen wird. Die aktuelle Ausstellung „Schönheit und Nutzen“ des Kunstvereins zu Rostock blickt in die Räume, in denen Kunst entsteht. In „Rostocker Künstlerateliers“ nämlich, so lautet der Untertitel der Schau. In dieser Weise wird der kunstsinnige Betrachter an die Arbeitsorte von Künstler geführt, In diesem Fall sind das Rudolf Austen, Peter Bauer, Falko Böttcher, Kate Diehn-Bitt, Wolfgang Eckardt, Wolfgang Friedrich, Jo Jastram, Julia Kausch, Barbara Kinzelbach, Lothar und Mechthild Mannewitz, Armin Münch, Grit Sauerborn, Anne Sewcz, Anna Silberstein, Heinz Wodzicka sowie die Künstlergruppe Schaum.

„15 Künstler aus fünf Jahrzehnten, aber weder Wertung, noch Vollständigkeit“ – so umreißt Thomas Häntzschel, Vorsitzender des Kunstvereins zu Rostock, den Rahmen der Ausstellung. Der Blick geht damit auch zurück in die DDR-Zeit, als die Künstler in Rostock zum Teil paradiesische Arbeitsbedingungen vorfanden. „Das war so gewollt“, erläutert der Maler Wolfgang Friedrich, die damalige Situation. „Beim Bau der Neubaugebiete im Rostocker Nordwesten in den Siebzigern wurden Künstler-Ateliers gleich mitgeplant“, erklärt Friedrich. „Das war in dieser Größenordnung sonst nirgendwo in der DDR so“, fügt Wolfgang Friedrich hinzu. So hatten zum Beispiel Künstler wie Rainer Dörner, Hilmar Zill oder Ronald Paris ihre Ateliers in den Neubaugebieten von Rostock. Auf der anderen Seite wurde als Gegenleistung auch erwartet, dass sich die Künstler auch staatskonform einordneten. Aber der Ansatz war auch: Ein Künstler gehört in die Stadt, zu den Menschen, zum Alltagsleben. „Der Künstler wurde als städtischer Beruf definiert“, so lautete die Philosophie dahinter, schildert Wolfgang Friedrich seine Erfahrungen aus jener Zeit. Ein Anspruch, der eigentlich zu allen Zeiten gilt, wenn der Künstler aus dem bunten Treiben der Stadt seine Inspiration bezieht und nicht die Abgeschiedenheit des Schaffensortes bevorzugt.

Was aber immer gilt: Das das Atelier ist für den Künstler nicht nur Arbeitsort, manchmal auch Wohnraum, Ort des intellektuellen Austausches oder auch ein Platz zum Feiern. Das wird ausschnittweise in der aktuellen Ausstellung dokumentiert. So ist das Atelier von Wolfgang Friedrich aus den Neunzigern in dieser Ausstellung zu sehen oder das von Armin Münch in den Siebzigern, ebenso ein heutiger Blick in das Schaffensort der Künstlergruppe Schaum. Der Betrachter sieht die Orte, wo Kunst entsteht. Flankiert werden diese Blicke in die Ateliers in der aktuellen Ausstellung von Arbeiten der Künstler.

Im Rostocker Jubiläumsjahr will diese Schau auch zeigen, wie wichtig Künstler allgemein für das Funktionieren einer gesunden Stadt sind. Diese Wertschätzung wird oft ein bisschen vermisst, auch das ist eine kritische Aussage dieser Schau. Und damit wird den Bogen zum Hier und Jetzt geschlagen, denn heutzutage sind die Arbeitsbedingungen für Künstler immer schwieriger geworden. „Künstler werden oft an die Peripherie der Stadt gedrängt“, schätzt Häntzschel ein. „Die aktuelle Situation ist unhaltbar“, meinen sogar Alexandra Lotz und Tim Kellner von der Künstlergruppe Schaum. Besonders die hohen Mieten zwingen viele Künstler aufs Land oder bringen sie in Existenznöte. Viel zu wenig befasst sich eine Stadtgesellschaft mit dem Alltag der Künstler und ihren existenziellen Nöten, auch in Rostock ist das so. Das will diese Ausstellung ändern und mit den Blicken in die Ateliers den Alltag der Künstler ins öffentliche Bewusstsein holen. Eine Stadtkarte am Eingang dieser Ausstellung soll die Schaffensorte der Kunst erfassen, so entsteht damit auch eine „Topografie der Ateliers in Rostock“, sagt Thomas Häntzschel.

Thorsten Czarkowski

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