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Rostocker Tanzcompagnie vermengt Bach und Beats

Rostock Rostocker Tanzcompagnie vermengt Bach und Beats

Johann Sebastian wer? Wer ist dieser Bach? Zu Beginn des neuen Stückes „Have a look III — Bach & Beats“ der Tanzcompagnie des Rostocker Volkstheaters herrscht Ratlosigkeit auf der Bühne.

Rostock. Johann Sebastian wer? Wer ist dieser Bach? Zu Beginn des neuen Stückes „Have a look III — Bach & Beats“ der Tanzcompagnie des Rostocker Volkstheaters herrscht Ratlosigkeit auf der Bühne. Fast avantgardistisch muten der bläulich beleuchtete Bug, die weißen Fäden, die als transparente Vorhänge das Bühnenbild bilden und die weiß gekleideten Mitglieder der Tanzcompagnie an, die zu Beginn einfach nur still dastehen und starren, bevor sie sich tänzerisch auf die Suche nach jenem Ausnahmekomponisten begeben.

Die Bach‘sche Orgel, unterlegt mit wuchtigen Beats, Kirchenglocken, dazwischen immer wieder überlautes Atmen. Dazu das Ensemble, das sich wie an unsichtbaren Fäden gezogen bewegt, sich in Krämpfen auf dem Boden windet, die Beats aufnimmt, die die weiß gewandeten Körper im Takt des Herzschlags zucken lassen. Gefaltete Hände, ein angedeuteter Selbstmord auf der Bühne und ein Lichtstrahl aus einer Mülltonne lassen die sakrale Interpretation der Bach‘schen Musik erahnen. Aber was bedeutet das zerknüllte Papier auf der Bühne? Sind es göttliche Botschaften, die nichtig geworden sind? Bei „Have a look III“ bleibt vieles dem Interpretationsspielraum der Besucher überlassen.

Anders als in den vorangegangenen Jahren fließen alle acht Choreographien, die die Mitglieder der Tanzcompagnie (Natalie Brockmann, Larissa Potapov, Daniele Varallo, Péter Copek, Anton Shults, Linda Kuhn, Teresa Lucia Forstreuter, Hung-Wen Chen) für die dritte Auflage des Tanztheaters entworfen haben, ineinander und bilden mit ganz eigenen Erzählweisen ein großes Ganzes — zusammen mit den Bach-Bearbeitungen des Komponisten Jan Paul Werge.

Manches ist unmissverständlich und greifbar, wie die Szene eines Krieges — ein blutiges Hemd, Tränen und das entfernte hallende Husten, wie aus einer feuchten Kerkerzelle. Anderes bleibt offener, wie die Performance einer Protagonistin, die zunächst im BH von einer Videoleinwand herab agiert und später auf drei halbnackten Männern auf die Bühne „reitet“. Verarbeitet werden nicht nur moderne Tanz-, Sprach- und Videosequenzen, sondern auch klassische und Elemente wie eine Szene aus Tschaikowskis Schwanensee.

Zart und kraftvoll, lustig, traurig, schön und zugleich auch verstörend wird hier in 90 Minuten ein tänzerisches Puzzle zusammengefügt, so dass am Ende feststeht, wer dieser Johann Sebastian ist, nämlich der Bach. Genau wie das rund 50-köpfige Premierenpublikum hätte jener an diesem Abend sicher auch seine Freude gehabt.

Von Stefanie Büssing

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